Cholesterin: Bau, Bildung und Aufgaben im Körper
Lexikon · Biochemie
Cholesterin ist ein Sterol, das der Körper selbst herstellt. Es ist Baustoff tierischer Zellmembranen und Ausgangsstoff für Gallensäuren, Steroidhormone und eine Vorstufe des Vitamins D. In Pflanzen kommt es nicht vor.
Dieser Lexikonartikel beschreibt das Molekül: Bau, Bildungsweg, Verteilung in der Zelle und Verwendung im Stoffwechsel. Er trifft keine Aussagen zu Blutwerten, Ernährung, Krankheiten oder Behandlung.
Steckbrief
| Stoffklasse | Sterol, also ein Steroidalkohol |
| Summenformel | C27H46O |
| Grundgerüst | vier verbundene Ringe (Steran) |
| Kennzeichnende Gruppen | eine OH-Gruppe, eine verzweigte Seitenkette |
| Löslichkeit | fettlöslich, in Wasser praktisch unlöslich |
| Vorkommen | tierische Zellen; in Pflanzen stattdessen Phytosterine |
| Ausgangsstoff der Bildung | Acetyl-CoA1 |
| Nobelpreis | 1964 an K. Bloch und F. Lynen2 |
Wie das Molekül gebaut ist
Cholesterin gehört zu den Steroiden. Alle Steroide teilen ein starres Gerüst aus vier miteinander verbundenen Ringen. Was die einzelnen Steroide unterscheidet, sind die Gruppen, die daran hängen.
Bei Cholesterin sind das zwei Dinge: eine einzelne OH-Gruppe an einem Ende und eine verzweigte Kohlenwasserstoffkette am anderen. Diese Kombination erklärt sein Verhalten in der Zellmembran. Die OH-Gruppe ist wasserfreundlich und richtet sich zur wässrigen Seite aus, der ganze Rest ist fettfreundlich und steckt zwischen den Fettsäureketten.
Ein langer Weg aus vielen Schritten
Der Körper baut Cholesterin aus einem sehr kleinen Baustein auf: Acetyl-CoA, einer Verbindung mit zwei Kohlenstoffatomen. Bis zum fertigen Molekül mit 27 Kohlenstoffatomen liegt eine lange Kette enzymatischer Schritte.1
Vier Stationen markieren den Weg. Aus Acetyl-CoA entsteht Mevalonat. Daraus werden Bausteine zusammengesetzt, bis Squalen vorliegt – eine lange, unverzweigte Kette. Diese Kette faltet sich und schliesst sich zu Ringen; es entsteht Lanosterol. Von dort führen weitere Umbauten zum Cholesterin.1
Die Aufklärung dieses Wegs war eine Arbeit über Jahrzehnte. Sie wurde 1964 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. Konrad Bloch hat den Stand in seinem Nobelvortrag zusammengefasst.2
Wozu die Zelle es braucht
Cholesterin ist nicht bloss vorhanden, es hat Aufgaben. Vier davon sind gut beschrieben:
- Membranbaustein: Es lagert sich zwischen die Fettmoleküle der Zellhülle und beeinflusst, wie beweglich diese Hülle ist.
- Ausgangsstoff für Gallensäuren: Diese werden in der Leber daraus gebildet.
- Ausgangsstoff für Steroidhormone: Die Hormone der Nebennierenrinde und die Geschlechtshormone gehen darauf zurück.
- Vorstufe des Vitamins D: Ein naher Verwandter des Cholesterins wird in der Haut unter Lichteinwirkung umgewandelt.
Ungleich verteilt in der Zelle
Innerhalb einer Zelle liegt Cholesterin nicht gleichmässig verteilt vor. Der weitaus grösste Teil steckt in der äusseren Zellhülle; andere Bereiche der Zelle enthalten vergleichsweise wenig davon.3
Diese Ungleichverteilung wird aktiv aufrechterhalten. Es gibt eigene Transportwege, die das Molekül zwischen den Bereichen der Zelle bewegen – ein eigenes Forschungsfeld.3
Warum Pflanzen kein Cholesterin führen
Pflanzen brauchen ebenfalls Sterole für ihre Membranen, bauen dafür aber andere Moleküle. Diese heissen Phytosterine, zu Deutsch Pflanzensterine. Sie ähneln dem Cholesterin im Grundgerüst und unterscheiden sich in der Seitenkette.
Deshalb gilt: Rein pflanzliche Lebensmittel enthalten von Natur aus kein Cholesterin. Der Hinweis «cholesterinfrei» auf einem reinen Pflanzenerzeugnis nennt also eine Selbstverständlichkeit.
Rechtliche Einordnung
Cholesterin ist ein körpereigener Stoff und kein Zutatenstoff für Nahrungsergänzungsmittel. Für Cholesterin selbst gibt es folglich keine gesundheitsbezogene Angabe.
Etwas anderes gilt für eine Reihe anderer Stoffe. Die Liste der zugelassenen Angaben enthält für mehrere davon – unter anderem für Pflanzensterine und -stanole, Beta-Glucane und bestimmte Ballaststoffe – eine Angabe zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut.4 Diese Angaben sind an strenge Bedingungen geknüpft, etwa an eine Mindestmenge je Tagesportion und an eine Pflichtinformation für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie gehören zum jeweiligen Stoff, nicht auf diese Lexikonseite.
Häufige Fragen
Was ist Cholesterin?
Ein Sterol, also ein Steroidalkohol mit der Formel C27H46O. Es besteht aus vier verbundenen Ringen, einer OH-Gruppe und einer verzweigten Seitenkette und kommt in tierischen Zellen vor.
Woraus bildet der Körper es?
Aus Acetyl-CoA, einem Baustein mit zwei Kohlenstoffatomen. Über Mevalonat, Squalen und Lanosterol führt eine lange Kette enzymatischer Schritte zum fertigen Molekül.1
Wofür verwendet der Körper es?
Als Baustein der Zellhüllen sowie als Ausgangsstoff für Gallensäuren, für Steroidhormone und für die Vorstufe des Vitamins D.
Enthalten Pflanzen Cholesterin?
Nein. Pflanzen bilden für ihre Membranen andere Sterole, die Phytosterine. Sie gleichen dem Cholesterin im Grundgerüst und unterscheiden sich in der Seitenkette.
Ist Cholesterin gleichmässig in der Zelle verteilt?
Nein. Der grösste Teil sitzt in der äusseren Zellhülle. Eigene Transportwege halten diese ungleiche Verteilung aufrecht.3
Warum steht hier nichts zu Blutwerten?
Weil diese Seite den Stoff beschreibt und keine gesundheitliche Einordnung vornimmt. Fragen zu eigenen Messwerten gehören zu einer Ärztin oder einem Arzt.
Dieser Beitrag beschreibt einen körpereigenen Stoff aus biochemischer Sicht. Er ist keine medizinische Information, keine Empfehlung und keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Fragen zur eigenen Gesundheit gehören zu einer Fachperson.
Redaktion & Quellen · Fachredaktion der Sanasis AG · zuletzt aktualisiert am 10.08.2026. Fachliteratur über PubMed und Europe PMC recherchiert, jede Quelle über Crossref bestätigt.
1 Cerqueira NMFSA et al. (2016): Cholesterol Biosynthesis: A Mechanistic Overview. Biochemistry 55(39):5483–5506. doi.org/10.1021/acs.biochem.6b00342 ↩
2 Bloch K (1965): The Biological Synthesis of Cholesterol. Science 150(3692):19–28. doi.org/10.1126/science.150.3692.19 ↩
3 Ikonen E (2008): Cellular cholesterol trafficking and compartmentalization. Nat Rev Mol Cell Biol 9(2):125–138. doi.org/10.1038/nrm2336 ↩
4 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, mit den dort jeweils festgelegten Verwendungsbedingungen. eur-lex.europa.eu ↩
Die referierten Arbeiten sind biochemische und zellbiologische Übersichten. Ihre Nennung dient der Belegführung und begründet keinen gesundheitsbezogenen Anspruch.