Citrullin: die Aminosäure aus der Wassermelone
Lexikon · Aminosäuren
L-Citrullin ist eine Aminosäure, die nicht in Eiweisse eingebaut wird. Sie ist ein Zwischenschritt im Harnstoffzyklus und trägt ihren Namen nach der Wassermelone, aus der sie 1930 beschrieben wurde.1 In der Schweiz gilt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 1000 mg.3
Dieser Lexikonartikel beschreibt die Aminosäure: Bau, Namensherkunft, Stellung im Stoffwechsel und die geltenden Vorgaben. Er beschreibt kein Produkt und gibt keine Verzehrsempfehlung.
Steckbrief
| Name | L-Citrullin |
| Stoffklasse | Aminosäure, nicht proteinogen |
| Bedeutung «nicht proteinogen» | wird nicht in Eiweisse eingebaut |
| Namensherkunft | Citrullus vulgaris, die Wassermelone1 |
| Erstbeschreibung | 1930 durch M. Wada1 |
| Stellung im Stoffwechsel | Zwischenschritt im Harnstoffzyklus2 |
| Höchstmenge Schweiz | 1000 mg je empfohlene Tagesdosis3 |
| Zulässige Formen | L-Citrullin, L-Citrullinmalat3 |
Woher der Name kommt
Die meisten Aminosäuren tragen Namen aus dem Griechischen oder Lateinischen, die auf eine Eigenschaft anspielen. Citrullin ist eine Ausnahme: Es heisst schlicht nach der Pflanze, in der es gefunden wurde.
1930 erschien in Japan eine kurze Mitteilung mit dem Titel «Über das Vorkommen einer neuen Aminosäure in der Wassermelone, Citrullus vulgaris».1 Aus dem Gattungsnamen wurde der Stoffname.
Die Wassermelone ist bis heute die bekannteste Nahrungsquelle. Der Gehalt schwankt allerdings zwischen Sorten und Fruchtteilen erheblich.
Ein Zwischenschritt, kein Baustein
Die zwanzig Aminosäuren, aus denen der Körper Eiweisse baut, heissen proteinogen. Citrullin gehört nicht dazu. Es taucht im Stoffwechsel auf, wird aber nicht in Eiweissketten eingebaut.
Sein Platz ist der Harnstoffzyklus – jene Abfolge von Umbauschritten, mit der der Körper Stickstoff aus dem Eiweissabbau in Harnstoff überführt. Citrullin steht darin zwischen Ornithin und Argininosuccinat.
Bemerkenswert ist, dass dieser Kreislauf über mehrere Organe verteilt ist. Untersuchungen zu den Mengenverhältnissen zwischen den Organen zeigen: Citrullin wird überwiegend im Darm gebildet, gelangt über das Blut zur Niere und wird dort zu Arginin umgebaut.2
Was die Schweizer Verordnung vorgibt
Die Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel führt eine Liste der zulässigen Aminosäuren mit Höchstmengen. Für Citrullin steht dort:3
- Höchstmenge: 1000 Milligramm je empfohlener Tagesdosis.
- Zulässige Formen: L-Citrullin und L-Citrullinmalat.
- Verwendet werden dürfen ausserdem die entsprechenden Natrium-, Kalium-, Calcium- und Magnesiumsalze sowie die Hydrochloride.
Citrullinmalat ist dabei kein anderer Stoff, sondern eine Salzform mit Apfelsäure. Sie wird verwendet, weil sie sich anders verarbeiten lässt.
Rechtliche Einordnung
Für Citrullin gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Die Liste der zugelassenen Angaben führt keinen Eintrag dazu.4 Aussagen zu Durchblutung, Leistung oder Regeneration sind damit unzulässig, unabhängig von der Formulierung.
Zulässig bleiben reine Sachangaben: die enthaltene Menge, die verwendete Form und die Einordnung als Aminosäure.
Häufige Fragen
Was ist Citrullin?
Eine nicht proteinogene Aminosäure, also eine, die nicht in Eiweisse eingebaut wird. Sie ist ein Zwischenschritt im Harnstoffzyklus.
Warum heisst sie so?
Nach der Wassermelone. 1930 erschien die Mitteilung über das Vorkommen einer neuen Aminosäure in Citrullus vulgaris; aus dem Gattungsnamen wurde der Stoffname.1
Was ist der Unterschied zu Arginin?
Beide stehen im selben Kreislauf. Citrullin wird überwiegend im Darm gebildet und in der Niere zu Arginin umgebaut.2 Arginin ist proteinogen, Citrullin nicht.
Was ist Citrullinmalat?
Eine Salzform aus Citrullin und Apfelsäure. Sie ist neben dem freien L-Citrullin in der Schweiz zugelassen.3
Wie viel darf ein Nahrungsergänzungsmittel enthalten?
In der Schweiz höchstens 1000 Milligramm je empfohlener Tagesdosis.3
Warum steht hier nichts über Wirkungen?
Weil gesundheitsbezogene Angaben nur zulässig sind, wenn sie in der Liste zugelassener Angaben stehen. Für Citrullin ist dort kein Eintrag vorhanden.4
Dieser Beitrag beschreibt eine Aminosäure aus biochemischer und rechtlicher Sicht. Er ist keine medizinische Information, keine Empfehlung und keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Fragen zur eigenen Gesundheit gehören zu einer Fachperson.
Redaktion & Quellen · Fachredaktion der Sanasis AG · zuletzt aktualisiert am 10.08.2026. Fachliteratur über PubMed und Europe PMC recherchiert, jede Quelle über Crossref bestätigt.
1 Wada M (1930): On the Occurrence of a New Amino Acid in Watermelon, Citrullus vulgaris, Schrad. Proc Imp Acad 6:15–17. doi.org/10.2183/pjab1912.6.15 ↩
2 Yu YM et al. (1996): Quantitative aspects of interorgan relationships among arginine and citrulline metabolism. Am J Physiol 271(6):E1098–E1109. doi.org/10.1152/ajpendo.1996.271.6.E1098 ↩
3 Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (VNem), SR 817.022.14, Anhang 1: Aminosäuren mit Höchstmengen je empfohlene Tagesdosis und zulässige Formen. ↩
4 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. Abgeglichen am 10.08.2026: kein Eintrag zu Citrullin. eur-lex.europa.eu ↩
Die referierten Arbeiten sind eine historische Erstbeschreibung und eine stoffwechselphysiologische Untersuchung. Ihre Nennung dient der Belegführung und begründet keinen gesundheitsbezogenen Anspruch.