Emuöl: Herkunft, Fettsäuren und Einordnung
Emuöl ist ein Fett tierischer Herkunft. Es wird aus dem Fettgewebe des Emus (Dromaius novaehollandiae) gewonnen, eines flugunfähigen Laufvogels aus Australien. Verwendet wird es als Rohstoff in Kosmetik und Körperpflege, nicht als Lebensmittel.
Emuöl ist nicht vegan und nicht vegetarisch. Für Emuöl gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Dieser Eintrag beschreibt Herkunft, Gewinnung und Zusammensetzung. Er beschreibt keine Wirkung und keine Anwendung bei Hautzuständen.
Der Vogel
Der Emu ist nach dem Strauss der zweitgrösste lebende Vogel. Er erreicht knapp zwei Meter Höhe und kann nicht fliegen, dafür schnell und ausdauernd laufen.
Zoologisch steht er nicht bei den Straussen. Er bildet eine eigene Familie, die Dromaiidae, innerhalb der Ordnung Casuariiformes.1 Näher verwandt sind ihm damit die Kasuare Neuguineas als der afrikanische Strauss.
Emus sind in Australien weit verbreitet und dort nicht gefährdet. Gehalten werden sie in mehreren Ländern in Farmen, ursprünglich für Fleisch und Leder. Das Fett ist dabei ein Nebenprodukt und nicht der Anlass der Haltung.
Steckbrief
| Stammtier | Dromaius novaehollandiae (Latham, 1790) |
| Familie / Ordnung | Dromaiidae / Casuariiformes |
| Klasse | Aves (Vögel) |
| Herkunft des Rohstoffs | Fettgewebe, vor allem vom Rücken |
| Gewinnung | Ausschmelzen, Filtration, Raffination |
| Aussehen | weisslich bis blassgelb, bei Wärme flüssig |
| Verwendung | Kosmetik und Körperpflege |
| Vegan / vegetarisch | nein |
| Zugelassene Angaben | keine |
Wie das Öl gewonnen wird
Der Weg vom Fettgewebe zum Rohstoff besteht aus wenigen, aber wichtigen Schritten.
Angaben wie «kaltgepresst» passen bei Emuöl nicht. Pflanzenöle werden aus Saaten gepresst, tierische Fette dagegen ausgeschmolzen. Das ist ein anderes Verfahren.
Entscheidend für die Haltbarkeit ist der Umgang mit Sauerstoff, Licht und Wärme. Ungesättigte Fettsäuren reagieren mit Luftsauerstoff, und das Fett wird dabei ranzig. Lichtschutz, kühle Lagerung und dicht verschlossene Gefässe verzögern diesen Vorgang. Ein ranziger, stechender Geruch zeigt an, dass die Ware verbraucht ist.
Die Fettsäuren
Jedes Fett besteht überwiegend aus Triglyceriden: einem Glycerin-Grundgerüst mit drei angehängten Fettsäuren. Das Verhältnis der Fettsäuren bestimmt die Eigenschaften.
Bei Emuöl überwiegen einfach ungesättigte Fettsäuren, insbesondere Ölsäure. Daneben treten gesättigte Fettsäuren wie Palmitinsäure und Stearinsäure sowie mehrfach ungesättigte wie Linolsäure auf.
Aus dem hohen Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren folgt die Konsistenz. Emuöl ist bei Raumtemperatur weich bis halbfest und wird durch Körperwärme flüssig. Das ist der Grund, weshalb es sich in Rezepturen leicht verteilen lässt.
Das Fettsäureprofil schwankt mit Herkunft, Fütterung und Alter der Tiere. Genaue Prozentwerte gelten daher immer nur für die untersuchte Partie und lassen sich nicht verallgemeinern. Verbindlich ist die Analyse der jeweiligen Lieferung.
Rechtliche Einordnung
Kosmetik, nicht Lebensmittel
Emuöl wird als Kosmetikrohstoff gehandelt. Für kosmetische Mittel gelten eigene Regeln: Zulässig sind Aussagen zu Reinigung, Pflege, Duft und Erscheinungsbild der Haut.2
Ein kosmetisches Mittel darf nicht von Heilung, Linderung oder Vorbeugung sprechen. Wird einem Erzeugnis eine solche Eigenschaft zugeschrieben, wäre es kein kosmetisches Mittel mehr, sondern fiele unter das Heilmittelrecht.2
Genau hier liegt bei Emuöl das übliche Problem. Es wird häufig mit Bezug auf bestimmte Hautzustände angeboten. Für ein kosmetisches Mittel ist ein solcher Bezug nicht zulässig — unabhängig davon, wie er formuliert wird.
Was auf einem Kosmetiketikett stehen muss
Kosmetische Mittel tragen ein Verzeichnis der Bestandteile. Es folgt einer international einheitlichen Nomenklatur, damit dieselbe Zutat in jedem Land gleich benannt ist.
Die Reihenfolge ist dabei nicht beliebig. Die Bestandteile stehen nach abnehmendem Anteil, sodass die zuerst genannten den grössten Gewichtsanteil haben. Bestandteile unter einem Prozent dürfen in beliebiger Reihenfolge folgen.
Für die Beurteilung eines Erzeugnisses ist dieses Verzeichnis die einzige verlässliche Quelle. Eine Bezeichnung wie «mit Emuöl» sagt nichts darüber, wie viel davon enthalten ist. Steht der Bestandteil weit hinten, ist der Anteil klein.
Kein zugelassener Claim
Anhang 14 der Lebensmittelinformationsverordnung führt für Emuöl keinen Wortlaut.3 Die Frage stellt sich praktisch ohnehin nicht, weil Emuöl in der Schweiz nicht als Lebensmittel gehandelt wird.
Häufige Fragen
Was ist Emuöl?
Emuöl ist ein Fett aus dem Fettgewebe des Emus (Dromaius novaehollandiae), eines australischen Laufvogels. Es wird ausgeschmolzen, filtriert und raffiniert. Verwendet wird es als Rohstoff in Kosmetik und Körperpflege.
Ist Emuöl vegan?
Nein. Emuöl ist ein tierisches Fett und damit weder vegan noch vegetarisch. Es fällt als Nebenprodukt der Emu-Haltung an, die auf Fleisch und Leder ausgerichtet ist.
Ist der Emu ein Strauss?
Nein. Der Emu bildet die eigene Familie Dromaiidae in der Ordnung Casuariiformes.1 Damit ist er näher mit den Kasuaren verwandt als mit dem afrikanischen Strauss. Beide sind flugunfähige Laufvögel, aber nicht dieselbe Gruppe.
Welche Fettsäuren enthält Emuöl?
Überwiegend einfach ungesättigte Fettsäuren, vor allem Ölsäure. Dazu kommen gesättigte Fettsäuren wie Palmitin- und Stearinsäure sowie mehrfach ungesättigte wie Linolsäure. Die genauen Anteile schwanken je nach Herkunft und Fütterung.
Kann Emuöl kaltgepresst sein?
Nein, der Begriff passt nicht. Kaltpressung ist ein Verfahren für Pflanzenöle aus Saaten. Tierische Fette werden ausgeschmolzen, nicht gepresst.
Warum ist Emuöl bei Zimmertemperatur weich?
Wegen des hohen Anteils einfach ungesättigter Fettsäuren. Diese senken den Schmelzbereich, sodass das Fett bei Raumtemperatur weich ist und durch Körperwärme flüssig wird.
Darf ein Emuöl-Produkt Hautprobleme nennen?
Nein. Kosmetische Mittel dürfen Aussagen zu Reinigung, Pflege und Erscheinungsbild treffen, aber keine zu Heilung, Linderung oder Vorbeugung. Wird ein solcher Bezug hergestellt, verlässt das Erzeugnis den Bereich der Kosmetik.2
Quellen
- Global Biodiversity Information Facility (GBIF), Backbone Taxonomy: Dromaius novaehollandiae (Latham, 1790), usageKey 2495134, Dromaiidae, Casuariiformes, Aves. ↩
- Zur Abgrenzung kosmetischer Mittel von Heilmitteln: Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV), SR 817.02, sowie Heilmittelgesetz (HMG), SR 812.21. ↩
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV), SR 817.022.16, Anhang 14 — kein Eintrag für Emuöl. ↩
Redaktion Sanasis AG. Zoologische Angaben nach GBIF, rechtliche Einordnung nach LIV, LGV und HMG. Dieser Eintrag beschreibt einen Rohstoff und keine Anwendung am Menschen.