Teebaumöl: Herkunft, Zusammensetzung und Lagerung
Teebaumöl ist das ätherische Öl aus den Blättern und Endzweigen von Melaleuca alternifolia, einem australischen Baum aus der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Gewonnen wird es durch Wasserdampfdestillation. Teebaumöl ist ein Stoff zur äusserlichen Anwendung und kein Lebensmittel — es wird nicht verzehrt. Seine Zusammensetzung ist international genormt; die Norm ISO 4730 beschreibt den sogenannten Terpinen-4-ol-Typ.
Sicherheitshinweis: nicht einnehmen. Teebaumöl gehört nicht in Lebensmittel und nicht in Getränke. Verschlucktes ätherisches Öl kann in die Atemwege gelangen. Die EFSA verweist in ihrem Gutachten von 2024 auf die von der Europäischen Chemikalienagentur vorgeschlagene harmonisierte Einstufung, die für Teebaumöl unter anderem die Aspirationsgefahr (H304) nennt.1
Bewahren Sie das Fläschchen ausserhalb der Reichweite von Kindern auf.
Der Baum und seine Heimat
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Melaleuca alternifolia ist eng begrenzt. Es liegt im Nordosten des australischen Bundesstaates New South Wales, in feuchten Niederungen entlang von Flussläufen. Der Baum bleibt klein, treibt vielstämmig aus und trägt eine helle, papierartig abblätternde Rinde. Im Englischen heisst diese Gruppe deshalb «paperbark».
Die Blätter sind schmal und nadelartig. Das Artepitheton alternifolia bedeutet «mit wechselständigen Blättern» und beschreibt genau dieses Merkmal. Wer die Art sicher bestimmen will, prüft sie gegen den Eintrag in der Taxonomiedatenbank; die Art führt dort den GBIF usageKey 5416091 unter dem vollständigen Namen Melaleuca alternifolia (Maiden & Betche) Cheel.
Warum der Name «Teebaum» in die Irre führt
Mit Tee hat der Teebaum botanisch nichts zu tun. Das Schweizer Recht ist hier eindeutig: Nach Artikel 58 der Verordnung des EDI über Getränke ist Tee das Erzeugnis aus Blattknospen und jungen Blättern des Teestrauches Camellia sinensis.2 Melaleuca gehört einer ganz anderen Familie an.
Einmal taucht die Gattung im Schweizer Lebensmittelrecht dennoch auf, und zwar an unerwarteter Stelle: In der Verordnung des EDI über Lebensmittel tierischer Herkunft steht Teebaumhonig (Melaleuca spp.) auf der Liste jener Honigsorten, die von der allgemeinen Anforderung an die elektrische Leitfähigkeit ausgenommen sind.3 Der Honig ist ein Lebensmittel, das Öl nicht.
Wasserdampfdestillation
Geerntet wird junges Blattmaterial samt den Endzweigen; die EFSA beschreibt genau diesen Ausgangsstoff. Das Material kommt in einen Destillierkessel, durch den Wasserdampf strömt. Der Dampf reisst die flüchtigen Bestandteile mit, das Gemisch wird gekühlt und wieder flüssig.
Im Abscheider trennen sich dann zwei Schichten: das leichtere ätherische Öl oben, das Destillationswasser unten. Abgefüllt wird nur die Ölschicht. Die Ausbeute ist gering, weshalb für einen Liter Öl eine erhebliche Menge Blattmaterial nötig ist.
ISO 4730: der Terpinen-4-ol-Typ
Ätherische Öle sind Gemische aus Dutzenden von Einzelstoffen. Damit Käufer und Verkäufer über dieselbe Ware sprechen, gibt es für Teebaumöl eine internationale Norm: ISO 4730 legt für den Terpinen-4-ol-Typ Anteilsbereiche fest. Vázquez und Mitarbeitende (2023) fassen sie zusammen.4
Zwei Zahlen tragen die Aussage. Terpinen-4-ol ist die Leitsubstanz und muss den grössten Anteil stellen. Für 1,8-Cineol gilt umgekehrt eine Obergrenze. Ein Öl mit viel Cineol stammt in aller Regel von einer anderen Melaleuca-Art: Im Kajeputöl der Art Melaleuca cajuputi massen dieselben Fachleute 64,63 Prozent 1,8-Cineol.
| Terpinen-4-ol | C10H18O, PubChem CID 11230 |
| 1,8-Cineol | C10H18O, PubChem CID 2758 |
| α-Terpinen | C10H16, PubChem CID 7462 |
| p-Cymen | C10H14, PubChem CID 7463 |
Oxidation: warum Luft, Licht und Zeit zählen
Ein geöffnetes Fläschchen altert. Rudbäck und Mitarbeitende (2012) haben untersucht, was dabei chemisch geschieht.5 Ihr Befund: α-Terpinen zerfällt an der Luft rasch. Es entstehen allylische Epoxide, p-Cymen und Wasserstoffperoxid.
Damit verschiebt sich das Profil des ganzen Öls. Gealtertes Teebaumöl ist chemisch nicht mehr dasselbe Gemisch wie frisches, auch wenn es äusserlich unverändert aussieht. Genau deshalb tragen die Fläschchen ein Verfallsdatum und den Hinweis, sie nach dem Öffnen zügig aufzubrauchen.
Aus derselben Chemie folgen die Lagerregeln: dunkles Glas gegen Licht, kühle Lagerung gegen Wärme, ein dicht schliessender Verschluss gegen Sauerstoff und kleine Gebindegrössen gegen lange Standzeiten. Je weniger Luft über dem Öl steht, desto langsamer läuft die Oxidation.
Reinheit und Verfälschung
Geprüft wird Teebaumöl im Labor mit Gaschromatographie und Massenspektrometrie. Linge und Mitarbeitende (2024) haben achtundachtzig authentische australische Proben vermessen.6 Die fünfzehn in ISO 4730:2017 genannten Bestandteile machten dort 84,5 bis 89,8 Prozent der Peakfläche aus.
Ihre zweite Beobachtung ist für Einkäufer die wichtigere. Ein blosser Abgleich mit der Norm erkennt nicht jede Streckung, weil sich Kennwerte gezielt einstellen lassen. Aussagekräftiger sind das Verhältnis der spiegelbildlichen Molekülformen und der Anteil an p-Cymen. Dieser Anteil ist zugleich der beste Marker dafür, dass ein Öl bereits oxidiert ist.
Rechtliche Einordnung in der Schweiz
Teebaumöl wird äusserlich verwendet und fällt damit typischerweise unter das Kosmetikrecht. Artikel 53 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung beschreibt kosmetische Mittel als Stoffe, die äusserlich mit Haut, Haaren, Nägeln, Lippen oder den Schleimhäuten der Mundhöhle in Berührung kommen.7 Absatz 2 stellt klar: Was eingenommen, eingeatmet, injiziert oder implantiert werden soll, ist kein kosmetisches Mittel.
Weil Teebaumöl kein Lebensmittel ist, kommen lebensmittelrechtliche gesundheitsbezogene Angaben von vornherein nicht in Betracht. Anhang 14 der Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel führt für Teebaumöl ohnehin keinen Wortlaut.8 Sanasis beschreibt das Öl deshalb ausschliesslich über Herkunft, Gewinnung und Zusammensetzung.
| Stammpflanze | Melaleuca alternifolia (Maiden & Betche) Cheel |
| Familie | Myrtaceae (Myrtengewächse) |
| Verwendeter Teil | Blätter und Endzweige |
| Gewinnung | Wasserdampfdestillation |
| Norm | ISO 4730, Terpinen-4-ol-Typ |
| CAS-Nummer | 68647-73-4 (ätherisches Öl) |
| Anwendung | äusserlich; kein Lebensmittel, kein Verzehr |
| Zugelassene Angabe | keine |
Häufige Fragen
Darf man Teebaumöl einnehmen?
Nein. Teebaumöl ist kein Lebensmittel und gehört weder in Speisen noch in Getränke. Verschlucktes ätherisches Öl kann in die Atemwege gelangen; die vorgeschlagene harmonisierte Einstufung nennt für Teebaumöl ausdrücklich die Aspirationsgefahr.1
Was bedeutet ISO 4730 auf einem Etikett?
Dass das Öl den genormten Anteilsbereichen des Terpinen-4-ol-Typs entspricht. Die Norm setzt für Terpinen-4-ol einen Mindestanteil und für 1,8-Cineol eine Obergrenze. Sie beschreibt die Zusammensetzung der Ware und sonst nichts.
Warum steht Teebaumöl in dunklem Glas?
Weil Licht die Oxidation beschleunigt. α-Terpinen zerfällt an der Luft rasch zu Epoxiden, p-Cymen und Wasserstoffperoxid. Dunkles Glas, ein dichter Verschluss und kühle Lagerung verlangsamen diesen Vorgang.
Woran erkennt man gealtertes Öl?
Im Labor am gestiegenen p-Cymen-Anteil, der als Marker für Oxidation gilt. Im Alltag geben Verfallsdatum und Öffnungsdauer die Auskunft. Ein verändertes Geruchsbild ist ein Hinweis, aber kein Nachweis.
Ist Teebaum mit dem Teestrauch verwandt?
Nein. Tee stammt nach der Getränkeverordnung von Camellia sinensis.2 Melaleuca alternifolia gehört zu den Myrtengewächsen und ist eine völlig andere Pflanze. Der gemeinsame Namensbestandteil geht auf die englische Bezeichnung tea tree zurück.
Redaktionell verfasst und geprüft durch die Redaktion der Sanasis AG. Zuletzt geprüft am 13.08.2026.
Quellen
- EFSA et al. (2024): Safety and efficacy of a feed additive consisting of an essential oil derived from leaves and terminal branchlets of Melaleuca alternifolia (Maiden & Betche) Cheel (tea tree oil) for use in all animal species (FEFANA asbl). EFSA J 22:e9026. DOI 10.2903/j.efsa.2024.9026, PMID 39469429 ↩
- Verordnung des EDI über Getränke (SR 817.022.12) ↩
- Verordnung des EDI über Lebensmittel tierischer Herkunft (SR 817.022.108) ↩
- Vázquez et al. (2023): HPTLC Analysis and Chemical Composition of Selected Melaleuca Essential Oils. Molecules 28. DOI 10.3390/molecules28093925, PMID 37175338 ↩
- Rudbäck et al. (2012): α-Terpinene, an antioxidant in tea tree oil, autoxidizes rapidly to skin allergens on air exposure. Chem Res Toxicol 25:713-21. DOI 10.1021/tx200486f, PMID 22250748 ↩
- Linge et al. (2024): Comparison of Approaches for Authentication of Commercial Terpinen-4-ol-type Tea Tree Oils Using Chiral GC/MS. J Agric Food Chem 72:8389-8400. DOI 10.1021/acs.jafc.3c08140, PMID 38568986 ↩
- Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (SR 817.02) ↩
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (SR 817.022.16) ↩