Acerola (Malpighia emarginata): Pflanze & Inhaltsstoffe
Lexikon · Pflanzenkunde
Acerola (Malpighia emarginata) ist die kirschartige Frucht eines immergrünen Strauchs aus der Familie der Malpighiengewächse (Malpighiaceae), heimisch im tropischen Amerika. Bekannt ist sie vor allem für den aussergewöhnlich hohen natürlichen Gehalt an Ascorbinsäure (Vitamin C) – ein Befund, den Forscher in Puerto Rico 1946 erstmals publizierten.1 Neben Ascorbinsäure enthält die Frucht Anthocyane, Flavonole, Hydroxyzimtsäuren, Carotinoide und Fruchtsäuren. Dieser Lexikonartikel fasst Botanik, Herkunft, Zusammensetzung, Verarbeitung, den heutigen Forschungsstand und die überlieferte Verwendung zusammen – rein informativ, ohne Bezug auf ein bestimmtes Produkt und ohne Aussage über einen gesundheitlichen Nutzen.
Was ist Acerola botanisch?
Acerola ist die Frucht eines Strauchs oder kleinen Baums mit dem wissenschaftlichen Namen Malpighia emarginata DC. In der älteren Literatur und im Handel begegnen einem auch die Synonyme Malpighia glabra und Malpighia punicifolia – ein Grund, weshalb Angaben aus verschiedenen Quellen nicht immer dieselbe Pflanze meinen. Deutsche und regionale Namen sind Acerolakirsche, Barbadoskirsche und Westindische Kirsche; im spanischsprachigen Raum cereza oder semeruco, in Brasilien schlicht acerola.
Die Pflanze wird meist zwei bis drei Meter hoch, unter günstigen Bedingungen auch höher, und trägt gegenständige, ganzrandige, immergrüne Blätter. Die Blüten sind klein, fünfzählig und rosa bis hellviolett, mit charakteristisch gestielten, gefransten Kronblättern. Botanisch bemerkenswert ist ein Familienmerkmal der Malpighiaceae: An der Aussenseite des Kelchs sitzen paarige Drüsen (Elaiophore), die statt Nektar fettes Öl abgeben. Sie werden von spezialisierten ölsammelnden Wildbienen angeflogen – eine der klassischen Bestäubungs-Beziehungen der Neotropis.
Die Frucht ist eine kleine Steinfrucht von rund einem bis drei Zentimetern Durchmesser, leuchtend rot bis dunkelrot, oft schwach dreilappig und mit weichem, saftigem Fruchtfleisch. Im Inneren sitzen in der Regel drei kantige, geflügelte Steinkerne. Mit der echten Kirsche (Gattung Prunus, Rosengewächse) ist Acerola trotz des Namens nicht näher verwandt; die Ähnlichkeit beschränkt sich auf Grösse, Form und Farbe.
Woher stammt Acerola und wo wird sie angebaut?
Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt im tropischen Amerika: auf der Halbinsel Yucatán, in Mittelamerika, auf den Antillen und im nördlichen Südamerika. In vielen dieser Regionen wächst Acerola bis heute als Hausgarten- und Heckenpflanze. Sie braucht ein warmes, frostfreies Klima, kommt mit sandigen bis lehmigen Böden zurecht und beginnt bereits wenige Jahre nach der Pflanzung zu tragen. Zwischen Blüte und reifer Frucht vergehen nur rund drei bis vier Wochen, weshalb in tropischen Anbaugebieten mehrere Ernteschübe pro Jahr möglich sind.
Der Name geht auf das spanische acerola zurück, das ursprünglich die mediterrane Azarole (Crataegus azarolus) bezeichnete und seinerseits auf das arabische az-zu’rur zurückgeführt wird. Wegen der äusseren Ähnlichkeit wurde das Wort später auf die amerikanische Frucht übertragen – eine Namensübertragung, wie sie in der Kolonialbotanik häufig vorkommt und die bis heute zu Verwechslungen führt.
Wirtschaftlich dominiert heute Brasilien. Berichten zufolge gelangte die Pflanze Mitte der 1950er-Jahre über Saatgut aus Puerto Rico in den Nordosten des Landes, nach Pernambuco. Von dort verbreitete sie sich in den ganzen Anbaugürtel; die brasilianische Agrarforschung (Embrapa) züchtete eigene Sorten wie BRS 235 Apodi, BRS 236 Cereja und BRS 237 Roxinha, die sich in Farbe, Säure und Gehalt an Einzelstoffen deutlich unterscheiden.2 Daneben wird Acerola unter anderem in Puerto Rico, Mexiko, Venezuela, der Karibik, in Florida und auf Hawaii kultiviert.
Woraus besteht die Acerolafrucht?
Das auffälligste stoffliche Merkmal ist der sehr hohe natürliche Gehalt an Ascorbinsäure. Er zählt zu den höchsten unter allen bekannten Früchten und liegt um ein Vielfaches über dem von Zitrusfrüchten. Die Messwerte schwanken allerdings erheblich: Analysen nennen für frische Früchte Grössenordnungen von etwa 1,0 bis 4,5 Prozent Ascorbinsäure, abhängig von Sorte, Standort, Erntezeitpunkt und Analytik.3 Historisch war genau dieser Wert der Auslöser des internationalen Interesses: 1946 berichteten Conrado F. Asenjo und Ana Rosa Freire de Guzmán von der School of Tropical Medicine in San Juan über den aussergewöhnlichen Ascorbinsäure-Gehalt der «West Indian cherry»;1 eine ausführliche Charakterisierung folgte 1950.4
Bemerkenswert ist der Verlauf während der Reife. Die unreife, grüne Frucht enthält am meisten Ascorbinsäure; beim Ausfärben nimmt der Gehalt deutlich ab, sodass eine vollreife rote Acerola rund die Hälfte davon verlieren kann.3 Genau umgekehrt verhält es sich mit den roten Farbstoffen, die erst gegen Ende der Reife gebildet werden. Der Erntezeitpunkt ist damit eine Abwägung – und der Grund, warum Rohware für unterschiedliche Verwendungen unterschiedlich früh gepflückt wird.
Neben der Ascorbinsäure ist die Frucht phytochemisch gut charakterisiert. Isoliert und beschrieben wurden unter anderem die Anthocyane Cyanidin-3-O-rhamnosid und Pelargonidin-3-O-rhamnosid sowie das Flavonol Quercitrin (Quercetin-3-O-rhamnosid).5 Eine Analyse kubanischer Früchte wies zusätzlich drei Hydroxyzimtsäure-Derivate (unter anderem Caffeoyl-Hexosid und Dihydrocaffeoylchinasäure) und fünfzehn Flavonole nach, überwiegend Glykoside von Quercetin und Kaempferol, daneben β-Carotin und Folate.6 In brasilianischen Sorten wurde Cyanidin-3-rhamnosid als mengenmässig wichtigste phenolische Verbindung bestimmt, mit Werten von 149 bis 682 mg je Kilogramm Frischgewicht – die Spannweite zwischen den Sorten ist also beträchtlich.2 Hinzu kommen Fruchtsäuren (vor allem Äpfelsäure), die Zucker Glucose und Fructose, Ballaststoffe sowie Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Mangan.
Ernte, Verarbeitung und Handelsformen
Die reife Acerola ist sehr weich, druckempfindlich und hält sich nur wenige Tage. Sie wird deshalb von Hand gepflückt und rasch weiterverarbeitet – gekühlt, gefroren, gepresst oder getrocknet. Die üblichen Handelsformen sind gefrorenes Fruchtmark (in Brasilien polpa congelada), Direktsaft und Konzentrat sowie getrocknetes Pulver und Extrakt. Weil der Ascorbinsäure-Gehalt in der unreifen Frucht am höchsten ist, wird Rohware für Pulver und Extrakte häufig grün geerntet.
Ascorbinsäure und Anthocyane sind wärme- und sauerstoffempfindlich, weshalb die Trocknung ein eigenes technologisches Thema ist. Untersucht werden unter anderem Sprüh- und Gefriertrocknung mit Trägerstoffen wie Gummi arabicum und Maltodextrin,7 Gefrierkonzentrierung von Fruchtmark8 sowie temperaturgeregelte Mikrowellen- und Hybridtrocknung, bei der die Leistung über Infrarot-Messung der Oberflächentemperatur nachgeführt wird.9 Ziel dieser Verfahren ist die Erhaltung hitzeempfindlicher Inhaltsstoffe während der Trocknung – eine rein verfahrenstechnische Fragestellung.
Bei der Saft- und Püree-Herstellung fallen erhebliche Nebenströme an: Trester, Schalen und Kerne machen nach Angaben einer Übersichtsarbeit rund 20 bis 60 Prozent der Fruchtbiomasse aus und enthalten ihrerseits phenolische Verbindungen.10 Entsprechend beschäftigt sich ein ganzer Zweig der Lebensmitteltechnologie mit der Aufwertung dieser Reststoffe, etwa über ultraschallgestützte oder subkritische Wasserextraktion.11
Forschung & Untersuchungsbereiche
Acerola gehört zu den gut untersuchten tropischen Früchten. Die folgenden Absätze beschreiben, welche Fragestellungen Gegenstand der wissenschaftlichen Literatur sind – und nicht, dass daraus ein gesundheitlicher Nutzen abgeleitet wäre. Ein sehr grosser Teil der Befunde stammt aus Labor- (in vitro) und Tiermodellen; die Bedeutung für den Menschen ist in den meisten Punkten offen. Übersichtsarbeiten benennen als Limitationen ausdrücklich die methodische Heterogenität, die geringe Zahl kontrollierter Humanstudien und die unzureichende Charakterisierung der untersuchten Fraktionen.10
Analytik und Reifephysiologie. Ein etablierter Forschungsstrang befasst sich mit der Frage, wie sich Ascorbinsäure und Farbstoffe während Reife, Lagerung und Verarbeitung verändern und wie sich das schnell und zerstörungsfrei messen lässt – etwa mit Nahinfrarot-Spektroskopie zur Qualitätsbewertung der Früchte.3 Hier geht es um Messtechnik und Rohstoffqualität, nicht um Wirkung.
Phytochemische Charakterisierung. Zahlreiche Arbeiten identifizieren und quantifizieren Einzelverbindungen. Aus der Frucht wurden Anthocyane und Quercitrin isoliert und strukturell aufgeklärt;5 massenspektrometrische Untersuchungen von Extrakten nennen Ascorbinsäure, Kaempferol, Quercetin und Isorhamnetin als mengenmässig auffällige Verbindungen.11 Auch die oberirdischen Pflanzenteile jenseits der Frucht sind Gegenstand phytochemischer Arbeiten: 2014 wurden aus ihnen drei bis dahin unbekannte Tetranorditerpene beschrieben, die als Acerolanine A bis C benannt wurden.12 Solche Arbeiten erweitern das chemische Inventar der Art, treffen aber keine Aussage über eine Anwendung.
Sortenvergleiche. Untersuchungen an sieben brasilianischen Sorten aus dem semiariden São-Francisco-Tal zeigten, dass Zusammensetzung und gemessene antioxidative Kapazität stark vom Genotyp abhängen; neben Cyanidin-3-rhamnosid wurden unter anderem Quercetin-3-glucosid, Catechin, Procyanidin A2, Naringenin, Hesperidin und Chlorogensäure nachgewiesen.2 Der Begriff «antioxidative Kapazität» bezeichnet dabei einen im Reagenzglas gemessenen chemischen Kennwert und keine Wirkung im Körper.
Zellmodelle. Ein Beispiel aus der Grundlagenforschung: Eine Arbeitsgruppe untersuchte 2017 einen Rohextrakt kubanischer Acerolafrüchte an kultivierten menschlichen Hautfibroblasten, die experimentell oxidativem Stress ausgesetzt wurden, und berichtete Veränderungen zellulärer Marker wie Apoptoserate, reaktiver Sauerstoffspezies und Enzymaktivitäten.6 Es handelt sich um ein isoliertes Laborsystem; Rückschlüsse auf den Menschen lassen sich daraus nicht ziehen.
Aufnahme und Ausscheidung von Ascorbinsäure. Eine kleine japanische Humanstudie aus dem Jahr 2011 verglich bei gesunden jungen Männern die Verläufe im Blutplasma und im Urin nach Einnahme einer reinen Ascorbinsäure-Lösung beziehungsweise einer verdünnten Acerolasaft-Zubereitung mit derselben Ascorbinsäure-Menge. Die Autoren berichteten für die Saftvariante tendenziell höhere Plasmaverläufe und eine geringere Ausscheidung über den Urin in den ersten Stunden und diskutierten einen Einfluss weiterer Saftbestandteile auf Aufnahme und Ausscheidung.13 Die Studie ist klein, unverblindet und auf eine Population begrenzt; sie beschreibt einen pharmakokinetischen Befund und keinen gesundheitlichen Nutzen.
Übersichtsarbeiten und offene Fragen. Zusammenfassende Arbeiten ordnen Acerola und ihre Nebenprodukte als phytochemisch reichhaltige Matrix ein und referieren Untersuchungen zu Redox-Homöostase, entzündungsbezogenen Signalwegen und Lipidstoffwechsel, überwiegend aus Tierversuchen unter fettreicher Fütterung.10 Eine Übersicht aus dem Jahr 2024 fasst speziell die entzündungsbezogene Literatur zu Frucht und Blättern zusammen.14 Beide Arbeiten betonen, dass belastbare klinische Daten fehlen und dass Dosis-Wirkungs-Beziehungen, Bioverfügbarkeit und die genaue Charakterisierung der untersuchten Fraktionen erst noch systematisch geklärt werden müssen. Der ehrliche Zwischenstand lautet also: viel Chemie, viel Präklinik, wenig Humanevidenz.
Traditionelle Anwendungsgebiete und Kulturgeschichte
Die folgenden Angaben geben die kulturhistorische und ethnobotanische Überlieferung wieder. Sie beschreiben, wie Menschen die Pflanze in ihren Herkunftsregionen genutzt haben – und sind ausdrücklich keine Aussage über eine gesundheitliche Wirkung.
In der Karibik, auf Yucatán und im nördlichen Südamerika ist Acerola eine klassische Hausgarten- und Hofpflanze. Der Strauch steht am Hausrand oder als Hecke, die Früchte werden reif vom Zweig gegessen und in der Familienküche verwertet, weil sie sich für den Transport kaum eignen. Überliefert sind vor allem die einfachen häuslichen Zubereitungen: gesüsste Fruchtgetränke (refrescos, fresco de cereza), Sirup, Konfitüre und Gelee, eingelegte Früchte sowie Fruchtlikör. In Venezuela ist die Frucht unter dem Namen semeruco regional stark verankert, in Puerto Rico und auf Kuba als cereza.
Darstellungen zur Volksheilkunde der Herkunftsländer erwähnen über die Frucht hinaus auch Blätter und Rinde, die als Aufguss oder Abkochung zubereitet wurden. Solche Angaben sind als mündlich und schriftlich überlieferte Hausmittel-Praxis zu verstehen; systematisch dokumentiert und geprüft ist sie nicht, und sie begründet keine Anwendung im heutigen Sinn.
Ein eigenes Kapitel ist die Wissenschaftsgeschichte. Bis in die 1940er-Jahre war die «West Indian cherry» ausserhalb der Region kaum bekannt. 1946 veröffentlichten Asenjo und Freire de Guzmán an der School of Tropical Medicine in San Juan, Puerto Rico, eine kurze Notiz in Science über den aussergewöhnlich hohen Ascorbinsäure-Gehalt der Frucht;1 vier Jahre später folgte eine ausführliche Charakterisierung.4 Von diesem Punkt an änderte sich der Status der Pflanze: Aus einer regionalen Gartenfrucht wurde ein international beachteter Rohstoff, der gezielt vermehrt, züchterisch bearbeitet und exportiert wurde.
In Brasilien ist Acerola heute Alltagskultur. Suco de acerola aus gefrorenem Fruchtmark gehört zum Standardrepertoire der Saftbars, die Frucht ist fester Bestandteil des nordostbrasilianischen Obstangebots, und die staatliche Agrarforschung hat eigene Sorten entwickelt.2 Auch in Japan hat die Frucht seit den 1980er- und 1990er-Jahren einen festen Platz im Getränkeregal – ablesbar unter anderem daran, dass mehrere der grundlegenden phytochemischen und pharmakokinetischen Arbeiten aus Forschungsabteilungen japanischer Lebensmittelunternehmen stammen.5, 13 Traditionelle Verwendung und moderne Lebensmitteltechnologie liegen bei Acerola damit ungewöhnlich nah beieinander: Die Frucht wurde erst überliefert genutzt, dann analysiert – und ist heute vor allem ein industriell verarbeiteter Rohstoff.
Sicherheit, Abgrenzung & Verwechslungen
Acerola ist eine gewöhnliche Speisefrucht und wird in ihren Herkunftsländern seit Langem gegessen. Sie ist ausgesprochen sauer und enthält viel Fruchtsäure; sehr säureempfindliche Personen bemerken das beim Verzehr grösserer Mengen. Von den Blättern einiger Malpighia-Arten sind ausserdem feine Härchen beschrieben, die beim Umgang mit der Pflanze – also bei Ernte und Schnitt, nicht beim Verzehr der Frucht – Hautreizungen auslösen können.
Begrifflich sind mehrere Abgrenzungen wichtig. Acerola ist nicht die europäische Azarole (Crataegus azarolus), von der der Name stammt, und nicht die echte Kirsche (Prunus). Sie ist auch nicht identisch mit der nahe verwandten Art Malpighia glabra im heutigen taxonomischen Sinn, obwohl dieser Name in älteren Quellen synonym gebraucht wird. Und schliesslich unterscheidet sich die Frucht selbst deutlich von daraus hergestellten Pulvern und Extrakten, die je nach Erntezeitpunkt und Verfahren ganz unterschiedlich zusammengesetzt sind.
Allgemein gilt: Wer Medikamente einnimmt, schwanger ist oder stillt, bespricht Fragen zu Lebensmitteln und pflanzlichen Zubereitungen mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer anderen Fachperson. Dieser Hinweis ist allgemein gehalten und nicht produktbezogen.
Häufige Fragen zu Acerola
Ist Acerola mit der Kirsche verwandt?
Nein. Die echte Kirsche gehört zur Gattung Prunus in der Familie der Rosengewächse, Acerola dagegen zur Gattung Malpighia in der Familie der Malpighiengewächse. Die beiden Familien stehen in ganz verschiedenen Ordnungen. Gemeinsam sind ihnen nur Grösse, runde Form und rote Farbe der Frucht.
Wie viel Ascorbinsäure enthält eine Acerola?
Analysen frischer Früchte nennen Grössenordnungen von etwa 1,0 bis 4,5 Prozent Ascorbinsäure.3 Das ist ein sehr weiter Bereich, weil Sorte, Standort, Reifegrad und Analysemethode stark hineinspielen. Die Angabe beschreibt die stoffliche Zusammensetzung der Frucht, nicht einen Nutzen.
Warum wird Acerola oft grün geerntet?
Weil der Ascorbinsäure-Gehalt in der unreifen, grünen Frucht am höchsten ist und beim Ausreifen deutlich abnimmt – eine vollreife Frucht kann rund die Hälfte davon verlieren.3 Rohware für Pulver und Extrakte wird deshalb häufig früher gepflückt als Ware für Saft und Fruchtmark.
Woher kommt der Name Acerola?
Aus dem Spanischen. Dort bezeichnete acerola ursprünglich die mediterrane Azarole (Crataegus azarolus); die Wortwurzel wird auf das arabische az-zu’rur zurückgeführt. Wegen der äusseren Ähnlichkeit ging der Name später auf die amerikanische Frucht über.
Wie viele Samen hat eine Acerola?
In der Regel drei. Es handelt sich um kantige, geflügelte Steinkerne, die im weichen Fruchtfleisch sitzen. Diese Dreiteilung zeichnet sich bei vielen Früchten aussen als leichte Rippung oder Dreilappigkeit ab.
Was ist Acerola-Trester?
Der Rückstand aus Schalen, Kernen und Fruchtfleischresten, der bei der Saft- und Püreeherstellung anfällt. Nach Angaben einer Übersichtsarbeit macht er zusammen mit anderen Nebenströmen rund 20 bis 60 Prozent der Fruchtbiomasse aus und ist Gegenstand von Verwertungsforschung.10
Wer hat den hohen Ascorbinsäure-Gehalt entdeckt?
Beschrieben wurde er 1946 von Conrado F. Asenjo und Ana Rosa Freire de Guzmán an der School of Tropical Medicine in San Juan, Puerto Rico, in einer kurzen Mitteilung in Science.1 Eine ausführlichere Charakterisierung der Frucht erschien 1950.4
Redaktion & fachliche Prüfung
Verfasst von der Fachredaktion der Sanasis AG (Redaktion Pflanzenkunde & Ernährung). Fachlich gegengelesen im Rahmen der internen Qualitätssicherung; Quellenrecherche und Verifikation über PubMed und Crossref. Der Beitrag beschreibt die Pflanze allgemein-enzyklopädisch und ist keine Empfehlung, Beratung oder Bewerbung eines Produkts. Fragen an die Redaktion: info@sanasis.ch. Zuletzt geprüft am 04.08.2026.
Quellen
Die folgenden Quellen belegen ausschliesslich Botanik, stoffliche Zusammensetzung, Verfahrenstechnik sowie den Umstand, dass bestimmte Fragestellungen wissenschaftlich untersucht werden – nicht eine gesundheitliche Wirkung. Recherche und Verifikation über PubMed; DOI-Abgleich über Crossref.
1 Asenjo CF, Freire de Guzmán AR (1946): The high ascorbic acid content of the West Indian cherry. Science 103(2669):219. PMID 21012241. doi.org/10.1126/science.103.2669.219
2 Carneiro Ferreira I et al. (2021): Brazilian varieties of acerola (Malpighia emarginata DC.) produced under tropical semi-arid conditions: bioactive phenolic compounds, sugars, organic acids, and antioxidant capacity. J Food Biochem 45:e13829. PMID 34160074. doi.org/10.1111/jfbc.13829
3 Malegori C et al. (2017): Comparing the analytical performances of Micro-NIR and FT-NIR spectrometers in the evaluation of acerola fruit quality. Talanta 165:112–116. doi.org/10.1016/j.talanta.2016.12.035
4 Asenjo CF, Moscoso CG (1950): Ascorbic acid content and other characteristics of the West Indian cherry. Food Res 15(2):103–106. PMID 15414886. doi.org/10.1111/j.1365-2621.1950.tb16455.x
5 Hanamura T, Hagiwara T, Kawagishi H (2005): Structural and functional characterization of polyphenols isolated from acerola (Malpighia emarginata DC.) fruit. Biosci Biotechnol Biochem 69(2):280–286. PMID 15725651. doi.org/10.1271/bbb.69.280
6 Alvarez-Suarez JM et al. (2017): The protective effect of acerola (Malpighia emarginata) against oxidative damage in human dermal fibroblasts … Food Funct 8(9):3250–3258. PMID 28815233. doi.org/10.1039/c7fo00859g
7 Rezende YRRS, Nogueira JP, Narain N (2018): Microencapsulation of extracts of bioactive compounds obtained from acerola (Malpighia emarginata DC) pulp and residue by spray and freeze drying. Food Chem 254:281–291. PMID 29548455. doi.org/10.1016/j.foodchem.2018.02.026
8 Marafon K et al. (2023): An opportunity for acerola pulp (Malpighia emarginata DC) valorization evaluating its performance during the block cryoconcentration … Food Res Int 176:113793. PMID 38163707. doi.org/10.1016/j.foodres.2023.113793
9 Bruno E et al. (2026): Temperature-controlled microwave-assisted and hybrid drying of acerola: effects on kinetics and bioactive compound retention. Food Sci Technol Int, online first. PMID 42545145. doi.org/10.1177/10820132261475404
10 Aquino JS et al. (2026): Acerola and its by-products as sources of bioactive compounds: phytochemical profile and biological effects in experimental and clinical studies. Molecules 31(11):1792. PMID 42280099. doi.org/10.3390/molecules31111792
11 Mesquita PC et al. (2022): Untargeted metabolomic profile of recovered bioactive compounds by subcritical water extraction of acerola (Malpighia emarginata DC.) pomace. Food Chem 397:133718. PMID 35940099. doi.org/10.1016/j.foodchem.2022.133718
12 Liu J-Q et al. (2014): Three new tetranorditerpenes from aerial parts of acerola cherry (Malpighia emarginata). Molecules 19(2):2629–2636. PMID 24566326. doi.org/10.3390/molecules19022629
13 Uchida E et al. (2011): Absorption and excretion of ascorbic acid alone and in acerola (Malpighia emarginata) juice: comparison in healthy Japanese subjects. Biol Pharm Bull 34(11):1744–1747. PMID 22040889. doi.org/10.1248/bpb.34.1744
14 Olędzki R, Harasym J (2024): Acerola (Malpighia emarginata) anti-inflammatory activity – a review. Int J Mol Sci 25(4):2089. PMID 38396766. doi.org/10.3390/ijms25042089
Quellenangaben nach PubMed. Die referierten Arbeiten sind ganz überwiegend analytisch, verfahrenstechnisch oder präklinisch (Zell- und Tiermodelle); ihre Nennung dient der Kennzeichnung von Forschungsfeldern und begründet keinen gesundheitsbezogenen Anspruch.
Informativer Lexikonartikel der Sanasis AG · redaktionell geprüft · zuletzt aktualisiert am 04.08.2026. Dieser Beitrag beschreibt die Frucht allgemein-enzyklopädisch und ist keine Empfehlung, Beratung oder Bewerbung eines Produkts.