Astragalus (Tragant): Botanik, Inhaltsstoffe & Forschung
Lexikon · Pflanzenkunde
Astragalus (deutsch Tragant) ist eine der artenreichsten Pflanzengattungen der Welt und gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Wirtschaftlich und kulturhistorisch am bekanntesten ist die getrocknete Wurzel von Astragalus mongholicus – in China Huang Qi genannt und seit über zwei Jahrtausenden in der traditionellen Pflanzenkunde beschrieben. Charakteristisch sind drei Stoffgruppen: Polysaccharide, Triterpensaponine (Astragaloside) und Isoflavonoide. Dieser Lexikonartikel fasst Botanik, Herkunft, Gewinnung, Zusammensetzung, den heutigen Forschungsstand und die überlieferte Verwendung zusammen – rein informativ, deskriptiv und ohne Bezug auf ein bestimmtes Produkt.
Was ist Astragalus?
Astragalus ist der wissenschaftliche Name einer Pflanzengattung, nicht einer einzelnen Art. Mit über 3000 beschriebenen Arten zählt sie zu den grössten Gattungen der Blütenpflanzen überhaupt und ist vor allem in den gemässigten und kontinentalen Zonen der Nordhalbkugel verbreitet – von der iberischen Halbinsel über Anatolien, den Kaukasus und Zentralasien bis nach China, Sibirien und Nordamerika. Die meisten Arten sind mehrjährige Kräuter, Halbsträucher oder polsterbildende Dornsträucher. Wie alle Hülsenfrüchtler tragen sie gefiederte Blätter, Schmetterlingsblüten und bilden Hülsen (Schoten) als Früchte; über Wurzelknöllchen leben viele Arten in Symbiose mit stickstoffbindenden Bakterien.
Wenn im Sprachgebrauch von «Astragalus» die Rede ist, ist fast immer eine einzige Art gemeint: Astragalus mongholicus (nach älterer Nomenklatur auch Astragalus membranaceus, synonym Astragalus propinquus), eine ausdauernde, etwa 50 bis 150 cm hohe Staude mit gelblich-weissen Blüten. Verwendet wird ihre getrocknete Wurzel. Der chinesische Name Huang Qi (黄芪, «gelbes Qi») spielt auf die gelbliche Bruchfläche der Wurzel an. In der internationalen Fachliteratur wird die Droge als Astragali Radix geführt.
Die botanische Nomenklatur ist bei dieser Gattung notorisch uneinheitlich: Dieselbe Pflanze erscheint je nach Quelle und Erscheinungsjahr unter drei verschiedenen Artnamen, und eine anerkannte Varietät (var. mongholicus) wird teils als eigene Art geführt. Wer Literatur vergleicht, sollte deshalb immer auf das genannte Synonym achten.
Woher stammt Astragalus und wie wird er gewonnen?
Astragalus mongholicus ist in Nordostasien heimisch – in Teilen Chinas (vor allem Innere Mongolei, Shanxi, Gansu, Heilongjiang), in der Mongolei, in Korea und im südlichen Sibirien. Die Pflanze besiedelt dort Grasland, sonnige Hänge, Waldränder und lichtes Gebüsch auf durchlässigen, eher sandigen Böden und verträgt kalte, trockene Kontinentalklimate. Für die Wurzelgewinnung wird sie heute überwiegend im Feldanbau kultiviert; Wildsammlung spielt nur noch eine untergeordnete Rolle und ist regional reguliert.
Geerntet wird meist im Herbst, und zwar nicht vor dem dritten bis vierten Standjahr – ein hohes Wurzelalter gilt im Handel traditionell als Qualitätsmerkmal. Die Wurzeln werden ausgegraben, vom Feinwurzelwerk befreit, gewaschen, an der Luft oder schonend technisch getrocknet und anschliessend längs oder quer in Scheiben geschnitten. Charakteristisch für gute Ware sind eine lange, wenig verzweigte Pfahlwurzel, eine gelblich-weisse bis hellgelbe Bruchfläche, eine faserige Textur und ein süsslich-hülsenfruchtartiger Geruch.
In der chinesischen Handelstradition spielt das Konzept der «Daodi»-Herkunft eine grosse Rolle: Bestimmte Anbauregionen gelten als authentische Ursprungsgebiete einer Droge, vergleichbar mit einer geschützten Herkunftsangabe. Für Huang Qi werden vor allem die Innere Mongolei sowie Shanxi und Gansu genannt. Der Handel sortiert das getrocknete Material zusätzlich nach Durchmesser, Länge und Aussehen in Güteklassen; in der analytischen Literatur werden solche Handelsgrade herangezogen, um Materialqualität und Inhaltsstoffgehalt miteinander zu vergleichen.6
Woraus besteht die Astragaluswurzel?
Phytochemische Übersichtsarbeiten beschreiben für Astragali Radix inzwischen weit über hundert einzeln identifizierte Verbindungen – Flavonoide, Saponine, Polysaccharide und Aminosäuren.1 Drei Stoffgruppen prägen das Bild:
- Polysaccharide. Hochmolekulare Mehrfachzucker, in der Literatur meist als «Astragalus-Polysaccharide» (APS) zusammengefasst. Es handelt sich nicht um eine einzelne Substanz, sondern um Fraktionen, die sich in Molekulargewicht, Monosaccharid-Zusammensetzung und glykosidischen Bindungen unterscheiden – und zwar je nach Extraktionsverfahren und sogar zwischen einzelnen Chargen derselben Pflanze.5
- Triterpensaponine. Die Astragaloside I bis IV sowie verwandte Cycloartan-Saponine. Astragalosid IV, ein tetrazyklisches Triterpensaponin, dient international als analytische Leitsubstanz zur Beurteilung des Drogenmaterials.4
- Isoflavonoide und Flavonoide. Vor allem Calycosin, Calycosin-7-O-β-D-glucosid, Formononetin und Ononin – Verbindungen aus der für Hülsenfrüchtler typischen Isoflavonoid-Chemie.2
Hinzu kommen freie Aminosäuren, Spurenelemente, Sterole und weitere Begleitstoffe. Gehalt und Verhältnis dieser Stoffe schwanken erheblich – abhängig von Art und Varietät, Herkunft, Wurzelalter, Erntezeitpunkt, Trocknung und Verarbeitung. Die folgenden Angaben beschreiben ausschliesslich die stoffliche Zusammensetzung.
Zweierlei Astragalus: Wurzel und Traganth-Gummi
Die grosse Gattung liefert zwei völlig unterschiedliche, im Alltag aber häufig verwechselte Rohstoffe. Neben der Wurzel von Astragalus mongholicus gewinnt man aus mehreren dornigen, polsterbildenden Astragalus-Arten Westasiens – etwa Astragalus gummifer und verwandten Arten aus dem Iran und der Türkei – den Traganth (englisch gum tragacanth). Dabei handelt es sich um ein eingetrocknetes Pflanzenexsudat, das nach dem Anritzen von Stängeln und Wurzelhals austritt und an der Luft zu bandartigen oder wurmförmigen Stücken erstarrt.
Traganth ist als Lebensmittelzusatzstoff unter der Nummer E 413 zugelassen. Chemisch besteht er aus einer wasserlöslichen Fraktion (Tragacanthin) und einer quellenden, schwer löslichen Fraktion (Bassorin); technologisch wird er als Verdickungs-, Emulgier- und Stabilisierungsmittel eingesetzt, etwa in fettreduzierten Formulierungen, Saucen, Zuckerwaren, essbaren Filmen und Beschichtungen.7 Wurzel und Traganth stammen also aus derselben Gattung, aber aus verschiedenen Arten, verschiedenen Pflanzenteilen und mit vollkommen unterschiedlichem Zweck. In der Zuckerbäckerei ist Traganth zudem seit Jahrhunderten als Bindemittel für modellierbare Massen bekannt.
Forschung & Untersuchungsbereiche
Astragalus gehört zu den am intensivsten untersuchten Pflanzen der ostasiatischen Materia medica; in der biomedizinischen Literaturdatenbank PubMed finden sich mehrere tausend Arbeiten zu Gattung, Droge und Einzelstoffen. Die folgenden Abschnitte beschreiben, welche Fragestellungen Gegenstand dieser Forschung sind – und ausdrücklich nicht, dass daraus ein gesundheitlicher Nutzen abgeleitet wäre. Ein sehr grosser Teil der publizierten Befunde stammt aus Zellkultur- und Tiermodellen; die Übertragbarkeit auf den Menschen ist in den referierten Übersichtsarbeiten vielfach als offen bezeichnet.
Astragalus-Polysaccharide (APS). Diese Mehrfachzucker sind Gegenstand der immunologischen Grundlagenforschung. Eine Übersichtsarbeit von 2022 fasst zusammen, dass Astragalus-Polysaccharide in experimentellen Modellen mit zentralen und peripheren Immunorganen – Knochenmark, Thymus, Lymphknoten, Milz, Schleimhautgewebe – sowie mit einer Reihe von Immunzellen in Verbindung gebracht werden, darunter Makrophagen, natürliche Killerzellen, dendritische Zellen sowie T- und B-Lymphozyten; beschrieben wird ferner eine veränderte Bildung verschiedener Botenstoffe (Zytokine und Chemokine). Dieselbe Arbeit hält ausdrücklich fest, dass weitere hochwertige Studien nötig sind, um eine klinische Bedeutung zu belegen.3 Es handelt sich also um ein aktives, aber überwiegend präklinisches Forschungsfeld.
Astragalosid IV. Dieses tetrazyklische Triterpensaponin ist der wohl am besten charakterisierte Einzelstoff der Droge und dient zugleich als Qualitätsmarker. Pharmakologische Übersichtsarbeiten referieren, dass Astragalosid IV in experimentellen Modellen im Zusammenhang mit entzündungsbezogenen und antioxidativen Signalwegen untersucht wird, etwa hinsichtlich Zytokin-Freisetzung, reaktiver Sauerstoffspezies und Zellproliferation.4 Weitere Übersichten ordnen Astragalus-Inhaltsstoffe in neurobiologische Fragestellungen ein – von Neurotransmitter-Systemen bis zu Signalwegen der Neuroprotektion – und benennen dabei durchgehend den präklinischen Charakter der Datenlage.2 Die referierten Daten stammen ganz überwiegend aus Zell- und Tierversuchen und sind als vorläufig einzuordnen.
Isoflavonoide und Analytik. Calycosin, Calycosin-7-O-β-D-glucosid, Formononetin und Ononin werden in der phytochemischen und antioxidativen Grundlagenforschung beschrieben.1, 2 Praktisch bedeutsamer ist ihre analytische Rolle: In der Qualitätsforschung werden mittels hochauflösender Flüssigchromatographie und Massenspektrometrie sogenannte Q-Marker – Qualitätsmarker – für Astragali Radix gesucht. Eine Arbeit von 2024 identifizierte dabei unter anderem Calycosin-7-O-β-D-glucosid, Astragalosid I, II und IV sowie Isomucronulatol-7-O-glucosid als Kandidaten und verglich Handelsgrade der Droge anhand ihres Gehalts.6 Solche Arbeiten dienen der Materialcharakterisierung, nicht dem Nachweis eines Nutzens.
Extraktion und Strukturaufklärung. Ein eigener methodischer Forschungsstrang befasst sich damit, wie Polysaccharide aus Pflanzendrogen überhaupt gewonnen und beschrieben werden: heisswässrige, ultraschall- oder enzymgestützte Extraktion, Fraktionierung, Bestimmung von Molekulargewicht, Monosaccharid-Zusammensetzung und Bindungstypen. Übersichten weisen darauf hin, dass sich bereits verschiedene Chargen derselben Droge in diesen Parametern unterscheiden können – ein Grund, weshalb Ergebnisse aus verschiedenen Laboren nur eingeschränkt vergleichbar sind.5
Zusammengefasst gilt: Der Forschungsstand zu Astragalus ist stoff-, modell- und methodenbezogen. Er beschreibt, womit sich Labore beschäftigen – nicht, dass sich daraus nach heutigem Stand belastbare, auf den Menschen übertragbare Schlüsse zu einem gesundheitlichen Nutzen ziehen liessen.
Traditionelle Anwendungsgebiete
Die getrocknete Astragaluswurzel gehört zu den am längsten überlieferten Pflanzendrogen Ostasiens. Sie ist bereits im Shennong Ben Cao Jing, dem klassischen Kräuterkompendium der Han-Zeit, verzeichnet und wird in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) seit über zwei Jahrtausenden verwendet. Die folgenden Angaben geben ausschliesslich diese kulturhistorische Überlieferung wieder. Sie sind als Traditionsbeschreibung zu lesen und stellen keine Aussage über eine gesundheitliche Wirkung dar.
In der Systematik der TCM wird Huang Qi den Qi-Tonika (chinesisch bu qi yao) zugeordnet – jener Ordnungskategorie, die traditionell mit dem Konzept der Lebensenergie «Qi» verbunden ist. Nach dem Verständnis dieser Lehre wird die Wurzel den Funktionskreisen Milz und Lunge zugeordnet, geschmacklich als süss und thermisch als leicht wärmend eingeordnet, und mit dem Bild des «Festigens der Aussenschicht» (gu biao) beschrieben. Diese Einordnungen sind Kategorien eines historischen Denksystems, keine physiologischen Befunde.
Traditionell wird die Wurzel selten allein, sondern fast immer in vielgliedrigen Rezepturen verwendet – meist als Abkochung (Dekokt), gelegentlich als Pulver oder Weinauszug. Überliefert sind unter anderem:
- Yu Ping Feng San («Jade-Windschutz-Pulver») – eine klassische Dreier-Rezeptur aus Huang Qi, Bai Zhu (Atractylodes macrocephala) und Fang Feng (Saposhnikovia divaricata), die bereits im Yuan-zeitlichen Schrifttum beschrieben ist; ihre Polysaccharid-Fraktion wird bis heute wissenschaftlich untersucht, unter anderem in der Nutztierforschung.9
- Bu Zhong Yi Qi Tang – eine umfangreichere Rezeptur der Jin-Yuan-Zeit, in der Huang Qi als Leitdroge geführt wird.
- Dang Gui Bu Xue Tang – eine Zweier-Rezeptur aus Huang Qi und der Wurzel von Angelica sinensis, überliefert im klassischen Verhältnis 5:1.
Neben der rohen, getrockneten Wurzel kennt die chinesische Drogenkunde eine verarbeitete Form: mi zhi huang qi, mit Honig geröstetes Material. Solche Verarbeitungsschritte (paozhi) sind ein fester Bestandteil der traditionellen Praxis und verändern Geschmack, Farbe und Haltbarkeit der Droge.
Über den chinesischen Raum hinaus ist die Wurzel fest in der koreanischen Küchen- und Hausmitteltradition verankert – als hwanggi, unter anderem in der Sommer-Suppe Samgyetang, in der ganze Hühnchen mit Klebreis, Ginseng, Jujube und Astragaluswurzel gegart werden. In der mongolischen und sibirischen Überlieferung ist die Pflanze ebenfalls bekannt. Weiter westlich betrifft die Tradition eine ganz andere Nutzung: In Persien, Anatolien und Kurdistan wird seit Jahrhunderten Traganth von dornigen Astragalus-Arten gesammelt und gehandelt – historisch ein wichtiges Exportgut entlang der Handelswege, heute ein industrieller Hydrokolloid-Rohstoff.7
Alle genannten Verwendungen sind ethnobotanisch, kulinarisch und kulturhistorisch überliefert. Sie beschreiben, was Menschen in bestimmten Kulturen über lange Zeiträume getan haben – nicht, was daraus für die Gesundheit folgt.
Sicherheit, Verwechslungen & Abgrenzung
Die Gattung Astragalus ist auch toxikologisch bemerkenswert – allerdings betrifft das andere Arten als die genutzte Wurzelpflanze. Zahlreiche nordamerikanische Wildarten, im Englischen als «Locoweeds» bezeichnet, reichern das Indolizidin-Alkaloid Swainsonin an, einen Hemmstoff bestimmter Mannosidasen, der bei weidenden Nutztieren schwere Vergiftungen auslöst. Eine systematische Untersuchung des US-amerikanischen Poisonous Plant Research Laboratory wies Swainsonin mittels Gas- und Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie in 48 Astragalus-Taxa aus 13 Arten sowie in weiteren Oxytropis-Taxa nach.8 Manche Arten reichern zudem Selen aus dem Boden in hohen Konzentrationen an. Ungeprüftes Wildmaterial ist deshalb grundsätzlich nicht mit der botanisch eindeutig bestimmten Droge Astragali Radix gleichzusetzen.
Auch innerhalb des Handels sind Verwechslungen dokumentiert: Wurzeln optisch ähnlicher Arten – etwa aus den Gattungen Hedysarum oder Glycyrrhiza – können in ungeprüfter Ware auftreten. Genau deshalb existiert die oben beschriebene Analytik mit Markersubstanzen.6
Allgemein gilt für pflanzliche Zubereitungen, dass Wechselwirkungen mit Arzneimitteln nicht ausgeschlossen sind und die Datenlage zu Sicherheit und Verträglichkeit je nach Zubereitung, Konzentration und Zusammensetzung sehr unterschiedlich ausfällt. Wer Medikamente einnimmt, eine Erkrankung hat, schwanger ist oder stillt, bespricht Fragen zu pflanzlichen Zubereitungen sinnvollerweise mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer anderen Fachperson. Dieser Hinweis ist allgemein gehalten und nicht produktbezogen. Bei Fragen zu diesem Lexikonartikel: info@sanasis.ch.
Häufige Fragen zu Astragalus
Zu welcher Pflanzenfamilie gehört Astragalus?
Zu den Hülsenfrüchtlern (Fabaceae), zu denen auch Erbsen, Bohnen, Linsen und Klee zählen. Wie diese bildet Astragalus Hülsen als Früchte und trägt Schmetterlingsblüten. Die Gattung umfasst über 3000 Arten und ist damit eine der grössten der Blütenpflanzen überhaupt.
Was bedeutet Huang Qi?
Huang Qi ist der chinesische Name für die getrocknete Wurzel von Astragalus mongholicus, wie sie in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet wird. Übersetzt bedeutet er sinngemäss «gelbes Qi» und verweist auf die gelbliche Bruchfläche der Wurzel. In der Fachliteratur heisst die Droge Astragali Radix.
Was ist Astragalosid IV?
Astragalosid IV ist ein tetrazyklisches Triterpensaponin aus der Astragaluswurzel. In der Qualitätskontrolle dient es international als analytische Leitsubstanz, um Drogenmaterial zu charakterisieren; zugleich ist es Gegenstand pharmakologischer Grundlagenforschung. Die Angabe beschreibt einen Inhaltsstoff, keinen gesundheitlichen Nutzen.
Warum heisst dieselbe Pflanze mal membranaceus, mal mongholicus?
Weil die botanische Nomenklatur der Gattung mehrfach revidiert wurde. Astragalus membranaceus, Astragalus mongholicus und Astragalus propinquus bezeichnen dieselbe oder sehr nah verwandte Sippen. Ältere Studien nutzen meist membranaceus, neuere Datenbanken bevorzugen mongholicus.
Was ist Traganth und wie unterscheidet er sich von der Wurzel?
Traganth ist ein eingetrocknetes Pflanzenexsudat bestimmter dorniger Astragalus-Arten aus Westasien. Er wird als Lebensmittelzusatzstoff E 413 zum Verdicken, Emulgieren und Stabilisieren genutzt und stammt aus anderen Arten und anderen Pflanzenteilen als die in der TCM verwendete Wurzel.
Ist Astragalus dasselbe wie Tragant?
«Tragant» ist der deutsche Gattungsname für Astragalus. Umgangssprachlich wird «Tragant» jedoch häufig für das Gummi (Traganth) verwendet, während mit «Astragalus» meist die Wurzel gemeint ist. Die ähnlichen Begriffe führen regelmässig zu Verwechslungen.
Sind alle Astragalus-Arten unbedenklich?
Nein. Mehrere nordamerikanische Wildarten enthalten das Alkaloid Swainsonin oder reichern Selen an und gelten in der Weidewirtschaft als Giftpflanzen. Verwendet wird ausschliesslich botanisch eindeutig bestimmtes Material der Art Astragalus mongholicus.
Redaktion & fachliche Prüfung
Verfasst von der Fachredaktion der Sanasis AG (Redaktion Pflanzenkunde & Ernährung). Fachlich gegengelesen im Rahmen der internen Qualitätssicherung; Literaturrecherche und Verifikation der Zitate über PubMed. Der Beitrag beschreibt die Pflanzengattung allgemein-enzyklopädisch und ist keine Empfehlung, Beratung oder Bewerbung eines Produkts. Zuletzt geprüft am 04.08.2026.
Quellen
Die folgenden Quellen belegen ausschliesslich Botanik, stoffliche Zusammensetzung, Analytik, Toxikologie anderer Arten sowie den Umstand, dass bestimmte Fragestellungen wissenschaftlich untersucht werden – nicht eine gesundheitliche Wirkung. Recherche und Verifikation über PubMed.
1 Fu J et al. (2014): Review of the botanical characteristics, phytochemistry, and pharmacology of Astragalus membranaceus (Huangqi). Phytother Res 28(9):1275–1283. PMID 25087616. doi.org/10.1002/ptr.5188
2 Abd Elrahim Abd Elkader HT, Essawy AE, Al-Shami AS (2022): Astragalus species: Phytochemistry, biological actions and molecular mechanisms underlying their potential neuroprotective effects on neurological diseases. Phytochemistry 202:113293. PMID 35780924. doi.org/10.1016/j.phytochem.2022.113293
3 Li C-X et al. (2022): Astragalus polysaccharide: a review of its immunomodulatory effect. Arch Pharm Res 45(6):367–389. PMID 35713852. doi.org/10.1007/s12272-022-01393-3
4 Liang Y et al. (2023): Pharmacological Effects of Astragaloside IV: A Review. Molecules 28(16):6118. PMID 37630371. doi.org/10.3390/molecules28166118
5 Zeng P, Li J, Chen Y, Zhang L (2019): The structures and biological functions of polysaccharides from traditional Chinese herbs. Prog Mol Biol Transl Sci 163:423–444. PMID 31030757. doi.org/10.1016/bs.pmbts.2019.03.003
6 Chen Q et al. (2024): Screening immunomodulatory Q-markers in Astragali Radix based on UHPLC-QTOF-MS analysis and spectrum-effect relationship. Biomed Chromatogr 38(12):e6015. PMID 39385660. doi.org/10.1002/bmc.6015
7 Nejatian M, Abbasi S, Azarikia F (2020): Gum Tragacanth: Structure, characteristics and applications in foods. Int J Biol Macromol 160:846–860. PMID 32474076. doi.org/10.1016/j.ijbiomac.2020.05.214
8 Cook D et al. (2016): A swainsonine survey of North American Astragalus and Oxytropis taxa implicated as locoweeds. Toxicon 118:104–111. PMID 27085305. doi.org/10.1016/j.toxicon.2016.04.033
9 Chu H et al. (2023): Effects of Yu-Ping-Feng polysaccharides on animal growth performance and immune function: a review. Front Vet Sci 10:1260208. PMID 37799408. doi.org/10.3389/fvets.2023.1260208
Quellenangaben nach PubMed. Die referierten Übersichtsarbeiten fassen überwiegend präklinische Daten (Zell-, Tier- und Nutztiermodelle) zusammen; ihre Nennung dient allein der Kennzeichnung von Forschungsfeldern und begründet keinen gesundheitsbezogenen Anspruch.
Informativer Lexikonartikel der Sanasis AG · redaktionell geprüft · zuletzt aktualisiert am 04.08.2026. Dieser Beitrag beschreibt die Pflanzengattung allgemein und ist keine Empfehlung, Beratung oder Bewerbung eines Produkts.