Ayahuasca: Pflanzen, Herkunft & rechtliche Einordnung
Lexikon · Ethnobotanik
Ayahuasca ist ein Pflanzensud aus dem westlichen Amazonasbecken, der klassisch aus der Liane Banisteriopsis caapi und den Blättern des Strauchs Psychotria viridis gekocht wird. Die Liane liefert β-Carbolin-Alkaloide (Harmin, Harmalin, Tetrahydroharmin), die Blätter das stark psychoaktive Dimethyltryptamin (DMT). Dieser Lexikonartikel beschreibt Botanik, Herkunft, Chemie, die überlieferte kulturelle Verwendung, die aktuellen Forschungsfelder und die rechtliche Einordnung – rein enzyklopädisch, ohne Produktbezug und ausdrücklich ohne Anleitung zu Beschaffung oder Anwendung. DMT ist in der Schweiz ein kontrollierter Betäubungsmittel-Wirkstoff.
Was ist Ayahuasca?
Ayahuasca bezeichnet zweierlei: die Liane Banisteriopsis caapi selbst und den daraus gekochten Sud – ein sogenanntes Dekokt, das durch stundenlanges Auskochen von Pflanzenmaterial in Wasser entsteht. Der Name stammt aus dem Quechua und setzt sich aus aya (Seele, Toter, Geist) und waska (Liane, Seil) zusammen; geläufig ist die Übersetzung «Liane der Seelen» oder «Liane der Toten».
Je nach Sprache, Volk und Region trägt das Getränk andere Namen: yagé oder yajé im kolumbianischen Amazonasgebiet, caapi in Brasilien, natem bei den Shuar in Ecuador, nixi pae bei den Huni Kuin (Kaxinawá). In den brasilianischen Religionsgemeinschaften des 20. Jahrhunderts heisst der Sud Daime, Vegetal oder hoasca. Diese Vielfalt ist ein Hinweis darauf, dass es nicht «das eine» Ayahuasca gibt, sondern eine ganze Familie regional unterschiedlicher Zubereitungen und Traditionen.
Pharmakologisch handelt es sich um eine psychoaktive Zubereitung. Ihr auffälligster Bestandteil, das Indolalkaloid DMT, ist in zahlreichen Staaten – darunter die Schweiz – als Betäubungsmittel kontrolliert. Der vorliegende Text ordnet die Pflanze und ihre Kulturgeschichte ein; er ist weder eine Empfehlung noch eine Beschreibung eines gesundheitlichen Nutzens.
Woher stammt Ayahuasca?
Der Ursprung liegt bei den indigenen Völkern des westlichen Amazonasbeckens, heute vor allem in Gebieten von Peru, Ecuador, Kolumbien, Bolivien und Brasilien. Ethnographisch dokumentiert ist die Verwendung unter anderem bei Shipibo-Conibo, Asháninka, Shuar, Siona, Cofán, Kichwa, Tukano und Huni Kuin – jeweils mit eigenen Namen, Gesängen und Regeln. Wie weit die Praxis zeitlich zurückreicht, ist archäologisch schwer zu fassen, da pflanzliche Zubereitungen kaum Spuren hinterlassen; die Forschung geht von einer sehr langen, mindestens mehrere Jahrhunderte umfassenden Überlieferung aus.
In die europäische Wissenschaftsliteratur gelangte die Liane Mitte des 19. Jahrhunderts: Der britische Botaniker Richard Spruce sammelte sie während seiner Amazonasreisen bei Tukano-Gruppen am Rio Uaupés, etwa zeitgleich beschrieb der Ecuadorianer Manuel Villavicencio das yagé aus eigener Anschauung. Die botanische Zuordnung wurde später mehrfach revidiert – die heute gültige Gattungsbezeichnung Banisteriopsis stammt aus dem 20. Jahrhundert. Die Alkaloide der Liane und der Blätter wurden erst im Lauf des 20. Jahrhunderts chemisch aufgeklärt.
Ab dem 20. Jahrhundert verbreitete sich der Sud über den indigenen Kontext hinaus: zunächst in städtische mestizische Heilertraditionen Amazoniens («vegetalismo»), dann in brasilianische Religionsgemeinschaften und schliesslich – getragen vom sogenannten schamanischen Tourismus – weltweit. Fachliteratur weist darauf hin, dass sich mit dieser Globalisierung die ursprünglichen kulturellen Bedeutungen teils erheblich verschoben haben.5
Aus welchen Pflanzen besteht Ayahuasca?
Die klassische Zubereitung beruht auf einer Kombination von zwei Pflanzen aus zwei völlig verschiedenen Familien. Grundlage ist die verholzte Liane Banisteriopsis caapi aus der Familie der Malpighiengewächse (Malpighiaceae). Dazu kommen in Peru und Brasilien meist die Blätter von Psychotria viridis (Chacruna), einem Strauch aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) – derselben Familie, zu der auch der Kaffeestrauch gehört. In Ecuador und Kolumbien wird häufig stattdessen Diplopterys cabrerana (Chaliponga, Chagropanga) verwendet, wiederum ein Malpighiengewächs.
Chemisch liefert die Liane vor allem β-Carbolin-Alkaloide: Harmin, Harmalin und Tetrahydroharmin (THH). Die Blätter enthalten N,N-Dimethyltryptamin (DMT), ein Indolalkaloid.1 Analytische Arbeiten zeigen, dass die Gehalte extrem schwanken: In einer Untersuchung beschlagnahmter Pflanzenprodukte lagen die gemessenen DMT-Gehalte zwischen rund 31,5 und 46,5 Milligramm pro Gramm, während β-Carboline in denselben Proben gar nicht nachweisbar waren.2 Eine metabolomische Untersuchung von Sud und Ausgangspflanzen detektierte insgesamt über zweitausend Einzelverbindungen – die Zubereitung ist also chemisch weit komplexer als das Begriffspaar «DMT plus β-Carboline» vermuten lässt.3
Warum zwei Pflanzen? Der pharmakologische Hintergrund
Die Kombination zweier bestimmter Pflanzen ist der Punkt, an dem sich Ethnobotanik und Pharmakologie berühren. In der Fachliteratur wird sie so beschrieben: DMT wird im menschlichen Verdauungstrakt und in der Leber rasch durch das Enzym Monoaminoxidase A (MAO-A) abgebaut und ist deshalb bei blosser Einnahme über den Mund kaum wirksam. Die β-Carboline der Liane hemmen genau dieses Enzym reversibel – sie wirken als Monoaminoxidase-Hemmer. In Übersichtsarbeiten wird diese Kombination daher als der pharmakologische Schlüssel der Zubereitung beschrieben.4
Wie indigene Gruppen ohne analytische Chemie ausgerechnet diese Zweierkombination aus einer Flora mit Zehntausenden Arten fanden, gilt in der Ethnobotanik als offene und viel diskutierte Frage. Sie wird gelegentlich als eines der bemerkenswertesten Beispiele für überliefertes Pflanzenwissen bezeichnet – eine wissenschaftshistorische Einordnung, keine Aussage über einen Nutzen.
Eine kontrollierte klinische Untersuchung aus Zürich hat 2025 erstmals systematisch beschrieben, wie sich DMT und Harmin in ihrer Aufnahme und ihrem Abbau wechselseitig beeinflussen: In einer Dosisfindungsstudie mit 16 gesunden Freiwilligen verlangsamte Harmin den Abbau von DMT, während umgekehrt DMT den Verlauf der Harmin-Konzentrationen veränderte.6 Die Arbeit beschreibt Aufnahme- und Abbauwege unter streng kontrollierten Bedingungen; sie trifft keine Aussage über einen gesundheitlichen Nutzen und ist keine Grundlage für eine Anwendung ausserhalb solcher Studien.
Forschung & Untersuchungsbereiche
Ayahuasca ist heute Gegenstand mehrerer klar unterscheidbarer Forschungsstränge. Die folgenden Absätze beschreiben, welche Fragestellungen untersucht werden – nicht, dass daraus ein gesundheitlicher Nutzen abgeleitet wäre. Ein grosser Teil der vorliegenden Daten stammt aus Labor- (in vitro) und Tiermodellen; die Übertragbarkeit auf den Menschen ist vielfach offen. Klinische Untersuchungen finden ausschliesslich in kontrollierten, behördlich bewilligten Settings statt.
Analytik und Qualitätsbewertung. Ein eigener Forschungszweig befasst sich damit, die Inhaltsstoffe überhaupt verlässlich zu messen. Arbeitsgruppen haben Methoden validiert, mit denen DMT, Harmin, Harmalin und Tetrahydroharmin gleichzeitig quantifiziert werden können, und diese auf reale Proben angewendet.1 Solche Untersuchungen zeigen regelmässig eine hohe Schwankungsbreite zwischen einzelnen Proben.2 In der forensischen Toxikologie wird zudem beschrieben, dass sich ein Konsum eher über die länger nachweisbaren β-Carboline als über das rasch abgebaute DMT nachweisen lässt.7
Rezeptorpharmakologie. Übersichtsarbeiten ordnen DMT den Substanzen zu, die an Serotonin-Rezeptoren vom Typ 5-HT2A angreifen, während die β-Carboline als Monoaminoxidase-Hemmer beschrieben werden.4 Neuere Zusammenfassungen des molekularen Kenntnisstands nennen darüber hinaus weitere untersuchte Angriffspunkte – unter anderem den Sigma-1-Rezeptor, den Spurenamin-assoziierten Rezeptor 1 (TAAR1) und den vesikulären Monoamintransporter – sowie Wechselwirkungen mit dem glutamatergen, dopaminergen und endocannabinoiden System.8 Diese Angaben beschreiben molekulare Angriffspunkte, keine belegten Effekte beim Menschen.
Präklinische Grundlagenforschung zu Harmin. Das β-Carbolin Harmin, das nicht nur in Banisteriopsis caapi, sondern auch in den Samen der Steppenraute (Peganum harmala) vorkommt, ist eigenständig untersucht worden. Eine systematische Übersicht präklinischer Arbeiten fasst Studien an Hippocampus-Zellkulturen und Verhaltensmodelle an Tieren zusammen und beschreibt die dort berichteten Befunde sowie die diskutierten Mechanismen.9 Die Autoren halten ausdrücklich fest, dass diese Ergebnisse sowohl präklinisch als auch am Menschen weiter untersucht werden müssten – sie sind vorläufig und nicht auf den Menschen übertragbar.
Sicherheit und Toxikologie. Ein systematisches thematisches Review von 2024 hat präklinische, klinische, epidemiologische und Pharmakovigilanz-Daten zu unerwünschten Ereignissen ausgewertet. Beschrieben werden dort unter anderem Befunde aus Tiermodellen mit höheren Dosierungen sowie das erhöhte Risiko bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Arzneimittel; unter den isolierten Harmala-Alkaloiden fiel in präklinischen Modellen vor allem Harmalin auf.10 Die Arbeit ordnet die Datenlage insgesamt als lückenhaft ein und fordert grössere, länger laufende und sauber verblindete kontrollierte Studien.
Ethnopharmakologie der «Purga». Ein bislang wenig beachtetes Feld verbindet Kulturwissenschaft und Pharmakologie: die stark brechreizauslösenden und abführenden Eigenschaften der Zubereitung, die in den amazonischen Traditionen einen eigenen kulturellen Stellenwert haben. Eine Übersichtsarbeit von 2022 arbeitet heraus, dass dieser Aspekt in der internationalen Rezeption weitgehend hinter den psychoaktiven Eigenschaften zurücktrat, und ordnet die bekannten Phytochemikalien der Rezeptur entsprechend ein.5
Traditionelle Anwendungsgebiete
Die folgenden Angaben geben die ethnographische und kulturhistorische Überlieferung wieder. Sie beschreiben, wofür die Zubereitung in bestimmten Kulturen traditionell verwendet wurde und wird – sie sind Kulturbeschreibung und keine Aussage über eine gesundheitliche Wirkung, keine Empfehlung und keine Anleitung.
Der rituelle Rahmen
In den indigenen und mestizischen Traditionen Amazoniens ist der Sud nie ein isoliertes Getränk, sondern Teil eines dicht geregelten Ablaufs. Die Zeremonien werden traditionell nachts abgehalten und von einer erfahrenen Person geleitet, die je nach Region und Sprache curandero, vegetalista, onanya (Shipibo) oder taita (Kolumbien) genannt wird. Zentrales Element sind gesungene Melodien – in Peru ícaros genannt –, begleitet von einer Blattrassel (chakapa), Tabakrauch und Sequenzen der Stille. Nach dem Verständnis dieser Traditionen strukturieren die Gesänge den Verlauf der Zeremonie; das ist eine Beschreibung des kulturellen Konzepts, nicht seiner Wirksamkeit.
Die «dieta» als Vorbereitung
Ethnographisch gut dokumentiert ist die dieta: ein längerer Zeitraum des Rückzugs mit stark eingeschränkter Kost, sozialer Abgeschiedenheit und Verhaltensregeln, der der Zeremonie traditionell vorausgeht. In der amazonischen Heilertradition gilt die dieta als eigentliche Lernphase, in der eine Person mit sogenannten «plantas maestras» – Lehrpflanzen – arbeitet. Auch die Ausbildung eines vegetalista wird traditionell in Jahren solcher Diäten gemessen. Wiederum: kulturelle Praxis, kein belegter Nutzen und keine Handlungsanleitung.
«La purga» – das Reinigen als Traditionskern
In weiten Teilen Amazoniens heisst die Zubereitung schlicht la purga, die Reinigung. Das starke Erbrechen und die abführenden Eigenschaften gelten in diesen Traditionen nicht als unerwünschte Begleiterscheinung, sondern als der Kern der Sache: Nach dem überlieferten Verständnis wird damit «Schlechtes» ausgeschieden. Eine pharmakognostische Übersichtsarbeit von 2022 hält fest, dass genau dieser Aspekt in der westlichen Rezeption weitgehend verdrängt wurde, obwohl er kulturell wie stofflich zentral ist.5 Historisch ist in einigen Regionen zudem ein Einsatz bei Darmparasiten überliefert – ein tradiertes Anwendungsgebiet der Volksheilkunde, kein belegter Nutzen.
Diagnose, Divination und soziale Funktion
Über den heilkundlichen Kontext hinaus beschreiben ethnographische Berichte ein breites Spektrum traditioneller Funktionen: Der Sud wurde und wird überliefert eingesetzt, um Ursachen von Beschwerden zu «erkennen», um Entscheidungen der Gemeinschaft vorzubereiten, zur Initiation junger Männer, zur Vorbereitung von Jagd und Konfliktlösung sowie zur Kommunikation mit einer nach diesem Weltbild unsichtbaren Sphäre.5 In vielen Gruppen ist die Verwendung an Geschlecht, Alter und Status gebunden; sie war nie eine allgemein zugängliche Praxis.
Beimischungen und regionale Rezepturen
Traditionelle Rezepturen sind selten auf zwei Pflanzen beschränkt. Überliefert sind zahlreiche Beimischungen – unter anderem Tabak (Nicotiana rustica, mapacho), Engelstrompeten-Arten (Brugmansia, toé) oder Guayusa –, deren Auswahl von Region, Tradition und Anlass abhängt. Einige dieser Zusatzpflanzen sind ihrerseits stark wirksam und in mehreren Rechtsordnungen reguliert. Die Nennung dient allein der ethnobotanischen Vollständigkeit.
Die brasilianischen Religionsgemeinschaften
Im 20. Jahrhundert entstanden in Brasilien synkretistische Religionsgemeinschaften, die den Sud in einen christlich geprägten Rahmen stellten: der Santo Daime (ab den 1930er-Jahren, gegründet von Raimundo Irineu Serra), die Barquinha und die União do Vegetal (UDV, gegründet 1961 von José Gabriel da Costa). Dort ist der Sud Sakrament, nicht Heilmittel; er heisst Daime beziehungsweise Vegetal. Diese Gemeinschaften haben in den letzten Jahrzehnten Gemeinden in Nord- und Südamerika, Europa, Japan, Südafrika und Australien gegründet – ein Umstand, der die internationale Regulierungsdebatte massgeblich geprägt hat.11
Rechtliche Einordnung in der Schweiz und international
Schweiz: Dimethyltryptamin (DMT) ist als kontrollierter Wirkstoff im Betäubungsmittelrecht erfasst (Betäubungsmittelgesetz BetmG mit den zugehörigen Verzeichnissen). Zubereitungen, die DMT enthalten, unterliegen damit grundsätzlich der Betäubungsmittelkontrolle – Herstellung, Einfuhr, Besitz und Abgabe sind entsprechend geregelt beziehungsweise verboten. Wissenschaftliche und eng umgrenzte medizinische Anwendungen kontrollierter Substanzen sind nur mit behördlicher Bewilligung möglich. Diese Angaben sind eine allgemeine Einordnung und ersetzen keine verbindliche Rechtsauskunft; massgeblich sind die zuständigen Behörden.
International ist die Lage uneinheitlich und seit Jahrzehnten Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen. Fachbeiträge zur Regulierung arbeiten drei wiederkehrende Streitpunkte heraus: erstens die Frage, wie weit internationale Abkommen über psychotrope Stoffe pflanzliche Zubereitungen überhaupt erfassen; zweitens die Reichweite der Religionsfreiheit und die Frage, wer über religiöse Legitimität entscheidet; drittens die Risiken für Gesundheit und öffentliche Sicherheit.11 Brasilien hat den rituellen Gebrauch nach einem langen Prozess ab 2010 durch den nationalen Drogenrat CONAD mit Regeln und ethischen Grundsätzen geordnet; in Peru wurden die traditionellen Praktiken indigener Gemeinschaften 2008 zum Kulturerbe der Nation erklärt. In den meisten europäischen Staaten bestehen keine vergleichbaren Ausnahmen.
Sicherheit, Wechselwirkungen & Abgrenzung
Aus der Fachliteratur lassen sich mehrere Punkte benennen, die die Zubereitung von harmlosen Pflanzentees deutlich unterscheiden. Erstens die Unbestimmtheit der Zusammensetzung: Analytische Untersuchungen zeigen erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Proben, bis hin zum vollständigen Fehlen einer der beiden Stoffgruppen.2 Was in einer konkreten Zubereitung enthalten ist, lässt sich ohne Laboranalytik nicht bestimmen.
Zweitens die Wechselwirkungen: Weil die β-Carboline die Monoaminoxidase hemmen, gelten Kombinationen mit bestimmten Arzneimitteln in der Literatur als besonders kritisch. Das genannte Sicherheits-Review beschreibt ein erhöhtes Toxizitätspotenzial isolierter Harmala-Alkaloide bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Medikamente sowie Befunde aus Tiermodellen mit höheren Dosierungen, darunter Hinweise auf fruchtschädigende Effekte.10 Drittens die Verwechslungs- und Verfälschungsgefahr auf einem unregulierten Markt, auf dem Pflanzenmaterial und synthetische Substanzen unter ähnlichen Bezeichnungen zirkulieren.2
Dieser Artikel beschreibt eine kontrollierte psychoaktive Zubereitung ausschliesslich enzyklopädisch. Er enthält bewusst keine Angaben zu Mengen, Zubereitungsschritten in verwertbarer Form oder Bezugsquellen. Wer Fragen zu psychoaktiven Substanzen, zu Arzneimittel-Wechselwirkungen oder zu einer belastenden persönlichen Situation hat, wendet sich an eine Ärztin, einen Arzt oder eine anerkannte Suchtberatungsstelle.
Häufige Fragen zu Ayahuasca
Was bedeutet der Name «Ayahuasca»?
Der Begriff stammt aus dem Quechua und verbindet aya (Seele, Toter) mit waska (Liane, Seil); geläufig ist die Übersetzung «Liane der Seelen». Er bezeichnet sowohl die Pflanze Banisteriopsis caapi als auch den daraus gekochten Sud. Regional sind Namen wie yagé, caapi, natem oder hoasca gebräuchlich.
Aus welchen Pflanzen wird Ayahuasca zubereitet?
Klassisch aus der Liane Banisteriopsis caapi (Malpighiaceae) und den Blättern von Psychotria viridis (Rubiaceae). In Ecuador und Kolumbien tritt häufig Diplopterys cabrerana an die Stelle der Chacruna. Traditionelle Rezepturen enthalten je nach Region weitere Beimischungen.
Was sind β-Carboline und DMT?
β-Carboline wie Harmin, Harmalin und Tetrahydroharmin sind Alkaloide der Liane; sie werden in der Fachliteratur als Monoaminoxidase-Hemmer beschrieben. DMT (N,N-Dimethyltryptamin) ist ein Indolalkaloid der Blätter und gilt als stark psychoaktiv. Beide Stoffgruppen sind Gegenstand pharmakologischer Grundlagenforschung.
Ist Ayahuasca in der Schweiz erlaubt?
Nein, nicht frei. Da die Zubereitung den kontrollierten Wirkstoff DMT enthält, fällt sie unter das Betäubungsmittelrecht. Ausnahmen für wissenschaftliche oder eng umgrenzte medizinische Zwecke setzen eine behördliche Bewilligung voraus. Für den Einzelfall sind die zuständigen Behörden massgeblich.
Warum schwankt die Zusammensetzung so stark?
Weil Pflanzenmaterial, Herkunft, Mischungsverhältnis und Kochdauer variieren und keine standardisierte Herstellung existiert. Analytische Arbeiten fanden in beschlagnahmten Proben DMT-Gehalte zwischen rund 31,5 und 46,5 mg/g, teils ganz ohne nachweisbare β-Carboline.2 Eine verlässliche Aussage ist ohne Laboranalytik nicht möglich.
Ist «Yagé» dasselbe wie Ayahuasca?
Weitgehend ja, mit regionalen Unterschieden. Yagé ist die im kolumbianischen und ecuadorianischen Raum übliche Bezeichnung; dort wird häufig Diplopterys cabrerana statt Psychotria viridis beigegeben. Die Grundlage bildet in beiden Fällen die Liane Banisteriopsis caapi.
Was untersucht die Forschung aktuell?
Vier Felder lassen sich unterscheiden: analytische Quantifizierung der Inhaltsstoffe, Rezeptorpharmakologie von DMT und den β-Carbolinen, präklinische Grundlagenforschung in Zell- und Tiermodellen sowie systematische Auswertungen zu Sicherheit und unerwünschten Ereignissen. Der Grossteil der Daten ist präklinisch und vorläufig.
Redaktion & fachliche Prüfung
Verfasst von der Fachredaktion der Sanasis AG (Redaktion Pflanzenkunde & Ernährung), fachlich gegengelesen im Rahmen der internen Qualitätssicherung. Der Beitrag beschreibt eine Pflanzenzubereitung ethnobotanisch und kulturhistorisch. Er ist keine Empfehlung, keine Beratung, keine Anleitung und keine Bewerbung eines Produkts; Sanasis AG führt keine entsprechenden Erzeugnisse. Hinweise zum Text an info@sanasis.ch. Zuletzt geprüft am 04.08.2026.
Quellen
Recherche und Verifikation über PubMed. Die folgenden Quellen belegen ausschliesslich Botanik, stoffliche Zusammensetzung, kulturhistorische Einordnung, Regulierungsfragen und den Umstand, dass bestimmte Fragestellungen wissenschaftlich untersucht werden – nicht eine gesundheitliche Wirkung.
1 Souza RCZ et al. (2019): Validation of an analytical method for the determination of the main ayahuasca active compounds and application to real ayahuasca samples from Brazil. J Chromatogr B 1124:197–203. PMID 31220748. doi.org/10.1016/j.jchromb.2019.06.014
2 Eller S et al. (2020): A rapid analytical strategy for the determination of ayahuasca alkaloids in non-ritualistic approaches by UHPLC-MS/MS. Forensic Sci Int 312:110298. PMID 32387868. doi.org/10.1016/j.forsciint.2020.110298
3 Katchborian-Neto A et al. (2020): Neuroprotective potential of Ayahuasca and untargeted metabolomics analyses. J Ethnopharmacol 255:112743. PMID 32171895. doi.org/10.1016/j.jep.2020.112743 – hier ausschliesslich für die Zahl der metabolomisch detektierten Verbindungen herangezogen.
4 Domínguez-Clavé E et al. (2016): Ayahuasca: Pharmacology, neuroscience and therapeutic potential. Brain Res Bull 126(Pt 1):89–101. PMID 26976063. doi.org/10.1016/j.brainresbull.2016.03.002
5 Politi M et al. (2022): Beyond the Psychoactive Effects of Ayahuasca: Cultural and Pharmacological Relevance of Its Emetic and Purging Properties. Planta Med 88(14):1275–1286. PMID 34794194. doi.org/10.1055/a-1675-3840
6 Egger K et al. (2025): Examining the pharmacokinetic and pharmacodynamic interaction of N,N-dimethyltryptamine and harmine in healthy volunteers. Biomed Pharmacother 184:117908. PMID 39923404. doi.org/10.1016/j.biopha.2025.117908
7 Pope JD et al. (2019): Harmala Alkaloids Identify Ayahuasca Intoxication in a Urine Drug Screen. J Anal Toxicol 43(4):e23–e27. PMID 30566569. doi.org/10.1093/jat/bky105
8 Rossi GN et al. (2022): Molecular Pathways of the Therapeutic Effects of Ayahuasca. Biomolecules 12(11):1618. PMID 36358968. doi.org/10.3390/biom12111618
9 Dos Santos RG, Hallak JEC (2017): Effects of the Natural β-Carboline Alkaloid Harmine, a Main Constituent of Ayahuasca, in Memory and in the Hippocampus: A Systematic Literature Review of Preclinical Studies. J Psychoactive Drugs 49(1):1–10. PMID 27918874. doi.org/10.1080/02791072.2016.1260189
10 White E et al. (2024): Ayahuasca and Dimethyltryptamine Adverse Events and Toxicity Analysis: A Systematic Thematic Review. Int J Toxicol 43(3):327–339. PMID 38363085. doi.org/10.1177/10915818241230916
11 Labate BC, Feeney K (2012): Ayahuasca and the process of regulation in Brazil and internationally: implications and challenges. Int J Drug Policy 23(2):154–161. PMID 21856141. doi.org/10.1016/j.drugpo.2011.06.006
Quellenangaben nach PubMed. Mehrere der referierten Arbeiten fassen überwiegend präklinische Daten (Zell- und Tiermodelle) zusammen oder untersuchen kontrollierte klinische Settings; ihre Nennung dient der Kennzeichnung von Forschungsfeldern und begründet keinen gesundheitsbezogenen Anspruch.
Informativer Lexikonartikel der Sanasis AG · redaktionell geprüft · zuletzt aktualisiert am 04.08.2026. Der Beitrag beschreibt eine betäubungsmittelrechtlich kontrollierte Pflanzenzubereitung rein enzyklopädisch. Er ist keine Empfehlung, keine Anleitung und keine Bewerbung eines Produkts.