Berberin (gelbes Alkaloid aus Berberitze und verwandten Pflanzen)
Berberin ist ein quartäres Benzylisochinolin-Alkaloid mit der Summenformel C20H18NO4+. Es liegt als kräftig gelbes, dauerhaft positiv geladenes Ion vor und kommt in der Wurzel- und Stammrinde mehrerer Pflanzenfamilien vor.
Auf die Gattung Berberis geht der Name zurück, also auf die Berberitze. Chemisch gehört der Stoff zur Gruppe der Protoberberine. Diese Seite beschreibt Bau, Farbe, Vorkommen, Biosynthese, Farbstoffgeschichte und Analytik des Moleküls.
Was ein quartäres Benzylisochinolin-Alkaloid ist
Alkaloide sind Pflanzenstoffe, die mindestens ein Stickstoffatom in einem Ring tragen. Auf ihr basisches Verhalten spielt der Name an. Berberin ist ein Alkaloid, weicht aber in einem wichtigen Punkt von der Regel ab.
Der Zusatz Benzylisochinolin bezeichnet das Bauprinzip. Isochinolin ist ein Doppelring aus einem Benzolring und einem stickstoffhaltigen Ring. Kommt ein über eine Brücke angehängter Benzylrest hinzu, spricht man von einem Benzylisochinolin. Mit einer sehr grossen Stoffgruppe teilt Berberin genau diese Bauweise.5
Im Berberin ist dieses Gerüst weiter geschlossen: Vier Ringe hängen fest zusammen, das Molekül ist flach gebaut. Fachleute nennen dieses Gerüst Protoberberin. Es ist die gemeinsame Grundform einer ganzen Untergruppe von Alkaloiden.
Entscheidend ist der Stickstoff. Er trägt vier Bindungen zu Kohlenstoffatomen und ist damit quartär; ein quartäres Stickstoffatom kann kein Proton mehr abgeben oder aufnehmen. Es bleibt dauerhaft positiv geladen, unabhängig vom pH-Wert der Umgebung.
Steckbrief
| Stoffklasse | Alkaloid, genauer quartäres Benzylisochinolin-Alkaloid vom Protoberberin-Typ |
| Summenformel des Ions | C20H18NO4+ |
| Molare Masse des Ions | 336,4 Gramm je Mol |
| CAS-Nummer | 2086-83-1 |
| Grundgerüst | vier fest verbundene Ringe, flach gebaut |
| Ladung | dauerhaft einfach positiv, unabhängig vom pH-Wert |
| Anhängende Gruppen | eine Methylendioxy-Gruppe, zwei Methoxy-Gruppen |
| Farbe | kräftig gelb bis gelborange |
| Absorptionsbanden | rund 230, 265, 345 und 420 Nanometer2 |
| Fluoreszenz | Emission zwischen 514 und 555 Nanometer, je nach Lösungsmittel1 |
| Gängige Salze | Berberinchlorid, Berberinsulfat |
| Wichtigste Quellen | Rinden und Wurzelstöcke von Berberis, Coptis, Hydrastis, Phellodendron, Mahonia |
Was die dauerhafte Ladung bewirkt
Die meisten Alkaloide sind neutrale Moleküle: Erst in saurer Umgebung nehmen sie ein Proton auf und werden zum Ion. Bei Berberin entfällt dieser Schritt. Das Molekül ist immer geladen.
Daraus folgt zuerst eine formale Regel. Als neutraler Feststoff lässt sich reines Berberin nicht isolieren. Was als Rohstoff gehandelt wird, ist stets ein Salz aus dem Berberin-Kation und einem negativen Gegenion.
Die zweite Folge betrifft das Lösungsverhalten. In Wasser lösen sich geladene Teilchen grundsätzlich besser als in Fett. Bei Berberin bremst allerdings der grosse, flache und starre Ringkörper. Solche Moleküle stapeln sich im Kristall dicht aufeinander, was das Auflösen erschwert. Deshalb gilt Berberinchlorid in kaltem Wasser als nur mässig löslich.
| Salz | Summenformel | Molare Masse | Verhältnis |
|---|---|---|---|
| Berberinchlorid | C20H18ClNO4 | 371,8 g/mol | ein Chlorid je Kation |
| Berberinsulfat | C40H36N2O12S | 768,8 g/mol | zwei Kationen je Sulfat |
Die Ladung erklärt auch, warum saure Auszugsmittel bevorzugt werden. An Coptis chinensis verglich eine Untersuchung mehrere umweltfreundliche Lösungsmittel.4 Milch-, Äpfel- und Brenztraubensäure lieferten die höchsten Ausbeuten. Mit Brenztraubensäure wurden 146,3 Milligramm Gesamtalkaloide je Gramm Pflanzenmaterial erreicht.
Warum Berberin so intensiv gelb ist
Farbe entsteht, wenn ein Molekül einen Teil des sichtbaren Lichts verschluckt. Das Auge sieht dann den Rest. Verschluckt ein Stoff blaues und violettes Licht, erscheint er gelb.
Damit ein Molekül überhaupt sichtbares Licht aufnimmt, braucht es ein ausgedehntes System beweglicher Elektronen. Von Konjugation sprechen Chemikerinnen und Chemiker. Je grösser dieses System, desto energieärmeres Licht genügt zur Anregung.
Berberin bringt dafür beste Voraussetzungen mit. In einer Ebene liegen die vier Ringe flach. Über das ganze Gerüst zieht die positive Ladung Elektronen zusätzlich; angehängte Sauerstoffgruppen verschieben die Aufnahme weiter zum langwelligen Licht.
Messwerte belegen das. In einer analytischen Arbeit zeigte Berberin Absorptionsbanden bei rund 230, 265, 345 und 420 Nanometern.2 Die Bande bei 420 Nanometern liegt bereits im sichtbaren Bereich, im blauvioletten Licht. Genau deshalb wirkt der Stoff gelb. Ein Vergleich bietet sich zum Curcumin der Kurkuma an. Es erscheint nach demselben Prinzip gelb, ist aber chemisch völlig anders gebaut.
Fluoreszenz unter UV-Licht
Nicht jeder Farbstoff leuchtet. Zu den Molekülen, die aufgenommene Lichtenergie teilweise wieder als Licht abgeben, gehört Berberin. Dieser Vorgang heisst Fluoreszenz.
In drei Schritten ist der Ablauf beschreibbar: Das Molekül nimmt ein Lichtteilchen auf und gerät in einen angeregten Zustand. Als Wärme geht ein Teil der Energie verloren. Der Rest wird als Licht abgegeben, und zwar stets langwelliger als das aufgenommene.
Für Berberin hat eine photophysikalische Arbeit diese Werte systematisch vermessen.1 Die Absorptionsmaxima lagen zwischen 421 und 431 Nanometern, die Emissionsmaxima zwischen 514 und 555 Nanometern. Der Abstand zwischen beiden, der sogenannte Stokes-Shift, betrug 4099 bis 5735 Wellenzahlen.
Bemerkenswert ist die starke Abhängigkeit vom Umfeld. Die Fluoreszenzausbeute schwankte je nach Lösungsmittel zwischen einem Hundertstel und einem Zehntausendstel.1 Deshalb schlägt die Arbeit Berberin als Sonde für die Polarität eines Lösungsmittels vor. Praktisch heisst das: Wie hell eine Berberinlösung unter UV-Licht leuchtet, verrät etwas über ihre Umgebung.
Vorkommen im Pflanzenreich
Berberin ist kein Stoff einer einzigen Pflanze; in mehreren Familien tritt er auf, die botanisch nicht eng verwandt sind. Bei solchen Mustern sprechen Fachleute von einer konvergenten Verbreitung.
Namensgeberin ist die Berberitze, Berberis vulgaris. In Ostasien liefern der Chinesische Goldfaden, Coptis chinensis, und der Amur-Korkbaum, Phellodendron amurense, die grössten Mengen. In Nordamerika stammt der Stoff aus Hydrastis canadensis. Mahonien, heute meist zu Berberis gestellt, gehören ebenfalls dazu.
| Art | Familie | Genutzter Pflanzenteil |
|---|---|---|
| Berberis vulgaris, Berberitze | Berberidaceae | Wurzelrinde, Stammrinde |
| Coptis chinensis, Chinesischer Goldfaden | Ranunculaceae | Wurzelstock |
| Hydrastis canadensis, Kanadische Gelbwurz | Ranunculaceae | Wurzelstock und Wurzeln |
| Phellodendron amurense, Amur-Korkbaum | Rutaceae | innere Rinde des Stammes |
| Mahonia aquifolium, Mahonie | Berberidaceae | Wurzel und Rinde |
Auffällig ist die Rolle des Wurzelstocks von Coptis chinensis. Unter eigenem Namen wird er in der chinesischen Materia medica geführt. Für die Stoffchemie ist er vor allem als besonders alkaloidreiches Ausgangsmaterial von Bedeutung.4
Wo sich der Stoff in der Pflanze anreichert
Innerhalb einer Pflanze ist Berberin sehr ungleich verteilt; wer die gelbe Rinde einer Berberitzenwurzel anschneidet, sieht das sofort. Blätter und Früchte sind deutlich blasser.
An Berberis integerrima hat eine Vergleichsstudie diese Verteilung vermessen.3 Untersucht wurden Frucht, Blatt, Stängel und Wurzel getrennt voneinander. In Frucht und Blatt fanden sich die höchsten Gehalte an phenolischen Verbindungen.
Beim Alkaloidgehalt kehrte sich das Bild um. In der Wurzel lag der höchste Gesamtgehalt. Für Berberin selbst nennt die Arbeit 6,26 Milligramm je Gramm Trockengewicht, mit dem Schwerpunkt im Rindengewebe der Wurzel.3
Die gleiche Arbeit prüfte auch Auszugsbedingungen. Als günstigste Variante nennt sie 80-prozentiges Ethanol mit 2 Prozent Essigsäure, bei 25 Grad Celsius und 72 Stunden Standzeit.3 Der Säurezusatz passt zur geladenen Natur des Moleküls. Von anderen Rindenstoffen kennt man ähnliche Verteilungsmuster, etwa bei der Weidenrinde.
Palmatin, Coptisin und Jatrorrhizin
In der Pflanze tritt Berberin nie allein auf. Von nahen Verwandten ist es stets begleitet; alle teilen dasselbe Protoberberin-Gerüst und unterscheiden sich nur in den angehängten Gruppen.
Die Untersuchung an Coptis chinensis nennt Berberin, Palmatin und Coptisin ausdrücklich nebeneinander als Hauptalkaloide dieser Pflanze.4 Für die Analytik ist das eine Herausforderung: Die Moleküle ähneln einander so stark, dass sie sich leicht überlagern.
| Alkaloid | Summenformel | Masse | Unterschied |
|---|---|---|---|
| Berberin | C20H18NO4+ | 336,4 | eine Methylendioxy-, zwei Methoxy-Gruppen |
| Palmatin | C21H22NO4+ | 352,4 | vier Methoxy-Gruppen, keine Brücke |
| Coptisin | C19H14NO4+ | 320,3 | zwei Methylendioxy-Brücken |
| Jatrorrhizin | C20H20NO4+ | 338,4 | drei Methoxy- und eine Hydroxy-Gruppe |
Die Unterschiede wirken klein, sind analytisch aber wichtig. Jatrorrhizin trägt als einziges eine freie Hydroxy-Gruppe und verhält sich dadurch bei der Trennung anders. Mit 320,3 Gramm je Mol ist Coptisin das leichteste der vier.
Biosynthese: der Weg vom Tyrosin
Die Pflanze baut Berberin nicht in einem Schritt auf. Am Anfang steht die Aminosäure Tyrosin. Sie liefert beide Hälften des späteren Gerüsts.
Eine Übersichtsarbeit von 2026 fasst die Wege dieser Stoffgruppe zusammen.5 Beteiligt sind Methyltransferasen, Cytochrom-P450-Enzyme, Demethylasen und Acyltransferasen. Sie führen Methylierungen, Oxidationen und Ringschlüsse aus.
- Tyrosin wird in zwei verschiedene Bausteine umgewandelt, einen mit Stickstoff und einen ohne
- Verknüpfung beider Bausteine ergibt das erste Molekül mit Isochinolin-Gerüst
- Methylierung und Oxidation führen schrittweise zum zentralen Zwischenprodukt Reticulin
- Ringschluss durch das Berberinbrücken-Enzym erzeugt aus Reticulin ein viertes Ringsystem
- Weitere Umbauten setzen die Methylendioxy-Brücke und die Methoxy-Gruppen
- Letzte Oxidation macht den Stickstoff quartär, das Molekül wird dauerhaft geladen und gelb
Reticulin ist die Drehscheibe dieses Biosynthesewegs. Von ihm zweigen sehr unterschiedliche Alkaloide ab. Das Berberinbrücken-Enzym trägt seinen Namen, weil es genau jene Kohlenstoffbrücke knüpft, die aus dem offenen Benzylisochinolin ein Protoberberin macht.5
Berberin als Naturfarbstoff
Lange bevor die Chemie den Stoff benannte, war seine Farbe im Gebrauch. Als Gelbfärbemittel dienten Rinden und Wurzeln der berberinhaltigen Pflanzen; überliefert ist das Färben von Wolle, Seide, Leder und Papier.
Unter den Naturfarbstoffen nimmt Berberin eine Sonderstellung ein. Fast alle pflanzlichen Farbstoffe sind neutral oder sauer. Berberin ist geladen und zwar positiv. Fachleute nennen solche Farbstoffe basisch oder kationisch.
Das hat praktische Folgen. Wolle und Seide bestehen aus Eiweiss und tragen negativ geladene Gruppen; ein positiv geladener Farbstoff wird davon direkt angezogen. Baumwolle dagegen besteht aus Zellulose und bietet solche Ankerpunkte kaum. Für sie braucht es eine Beize, also ein Metallsalz als Vermittler.
Baumwolle färben mit Korkbaumrinde: Messwerte aus einer Untersuchung von 2023
Als Farbstoff setzte eine Arbeit einen Wasserauszug der Rinde von Phellodendron amurense ein.6 Als günstigste Bedingungen nennt sie Kaliumaluminiumsulfat als Beize und eine Farbstoffmenge von 5,2 Gramm je Liter. Dazu kommen 70 Grad Celsius, 30 Minuten Färbedauer und ein pH-Wert von 5.
Erzielt wurden Töne von Hellgelb bis Dunkelgelb, insgesamt zwölf nach einem Farbfächer bestimmbare Nuancen. Die Echtheit gegenüber Waschen, Reiben und Licht erreichte durchgehend mindestens Stufe 3.
Auch die Archäometrie findet den Farbstoff. Mit Raman-Spektroskopie, Röntgenbeugung und Massenspektrometrie analysierte eine Untersuchung von Grabbeigaben der Tang-Zeit Textilien.7 Neben Krapp, Kermes, Indigo und weiteren Quellen wurde auch Phellodendron chinense als Farbstofflieferant bestimmt.
Damit ist die Rinde eines Korkbaums als Färbemittel entlang der Seidenstrasse belegt. In der Farbstoffgeschichte steht Berberin neben anderen gelben Pflanzenfarbstoffen wie dem Quercetin aus Färberpflanzen. Vom grünen Chlorophyll unterscheidet es sich schon dadurch, dass es kein Metallatom enthält.
Isolierung und Analytik
Am Anfang steht immer der Auszug aus dem Pflanzenmaterial. Wegen der Ladung arbeitet man bevorzugt mit wässrigen oder alkoholischen Mitteln, oft mit Säurezusatz.3 Anschliessend wird das Rohextrakt aufgereinigt.
Die Arbeit an Coptis chinensis zeigt einen modernen Ansatz.4 Statt flüchtiger organischer Lösungsmittel kamen wässrige Lösungen von Tensiden, Carbonsäuren und tief eutektischen Lösungsmitteln zum Einsatz. Zur Rückgewinnung dienten makroporöse Harze, die bis zu 95,6 Prozent der Alkaloide zurückhielten.
- HPLC: Hochleistungsflüssigchromatografie trennt die Alkaloide auf einer Säule voneinander
- UV-Detektion: Der Detektor misst die Lichtaufnahme, meist im Bereich der Bande um 345 Nanometer
- Fluoreszenzdetektion: nutzt die Eigenschaft des Moleküls, aufgenommenes Licht wieder abzugeben1
- Massenspektrometrie: bestimmt die Masse und trennt so Berberin von Palmatin und Jatrorrhizin
- Spektrofluorimetrie: misst Farbstoffreaktionen in Lösung, ohne vorherige Trennung2
Ein Beispiel für den letzten Weg beschreibt eine Arbeit von 2026.2 Mit Erythrosin B bildet sie ein Ionenpaar und misst dessen Fluoreszenzabnahme bei 555 Nanometern. Die Nachweisgrenze lag bei 0,032 Mikrogramm je Milliliter, die Wiederfindung bei 99,83 Prozent.
Die Autorinnen und Autoren nennen zugleich eine Einschränkung.2 Strukturell verwandte quartäre Alkaloide reagieren mit. Für standardisierte Zubereitungen sei das Verfahren geeignet, für rohe Pflanzenauszüge dagegen nicht. Ein Vergleich mit HPLC-Referenzverfahren ergab übereinstimmende Werte.
Womit sich die Forschung zum Molekül befasst
Ein Strang betrifft die Gewinnung. Untersucht wird, mit welchen Lösungsmitteln sich die Alkaloide möglichst ohne flüchtige organische Chemikalien herauslösen lassen.4 Geprüft werden Tenside, organische Säuren und tief eutektische Lösungsmittel.
Ein zweiter Strang gilt der Analytik. Gegenstand ist die Frage, wie sich Berberin neben seinen sehr ähnlichen Verwandten zuverlässig bestimmen lässt.2 Die Datenlage zeigt, dass die Wahl des Verfahrens vom Material abhängt.
Ein dritter Strang beschäftigt sich mit der Biosynthese und ihrer Evolution.5 Untersucht wird, wie einzelne Enzymfamilien entstanden sind und wie sich die Wege zwischen Pflanzengruppen unterscheiden.
Ein vierter Strang liegt in der Textil- und Restaurierungschemie. Dort geht es um Farbumfang, Beizmittel und Echtheit pflanzlicher Farbstoffe6 sowie um deren Nachweis in historischen Objekten.7 Die hier referierten Arbeiten beschreiben Chemie, Vorkommen, Gewinnung und Farbstofftechnik. Aussagen über eine Anwendung beim Menschen treffen sie nicht.
Häufige Fragen
Was ist Berberin?
Berberin ist ein gelbes Alkaloid aus der Gruppe der Benzylisochinoline. Sein Gerüst besteht aus vier fest verbundenen Ringen und heisst Protoberberin. Als positiv geladenes Ion liegt das Molekül vor.
Welche Summenformel hat Berberin?
Das Berberin-Ion trägt die Summenformel C20H18NO4+ und hat eine molare Masse von 336,4 Gramm je Mol. Als Chlorid lautet die Formel C20H18ClNO4 mit 371,8 Gramm je Mol.
Warum ist Berberin gelb?
Weil es Licht im blauvioletten Bereich aufnimmt. Gemessen wurden Absorptionsbanden bei rund 230, 265, 345 und 420 Nanometern. Das nicht aufgenommene Licht erscheint dem Auge gelb.
Warum leuchtet Berberin unter UV-Licht?
Als Licht gibt es einen Teil der aufgenommenen Lichtenergie wieder ab; die Emission liegt zwischen 514 und 555 Nanometern. Wie hell das Leuchten ausfällt, hängt stark vom Lösungsmittel ab.
Was bedeutet quartäres Alkaloid?
Es bedeutet, dass das Stickstoffatom vier Bindungen zu Kohlenstoff trägt; ein solcher Stickstoff kann kein Proton mehr aufnehmen oder abgeben. Deshalb bleibt die positive Ladung dauerhaft bestehen.
In welchen Pflanzen kommt Berberin vor?
Unter anderem in Berberis vulgaris, Coptis chinensis, Hydrastis canadensis, Phellodendron amurense und in Mahonien. Zu drei verschiedenen Pflanzenfamilien gehören diese Arten. Der Stoff ist also nicht auf eine Verwandtschaftsgruppe beschränkt.
In welchem Pflanzenteil steckt das meiste Berberin?
In der Wurzel, dort besonders im Rindengewebe. Eine Vergleichsstudie an Berberis integerrima mass 6,26 Milligramm je Gramm Trockengewicht in der Wurzel. Frucht und Blatt enthielten dagegen mehr phenolische Verbindungen.
Warum wird Berberin als Chlorid oder Sulfat angeboten?
Weil ein dauerhaft positives Ion immer ein negatives Gegenion braucht. Reines Berberin als neutraler Stoff existiert nicht. Chlorid und Sulfat sind die gebräuchlichsten Gegenionen.
Wofür wurde Berberin historisch als Farbstoff genutzt?
Für Wolle, Seide, Leder und Papier. Als positiv geladener Farbstoff bindet er direkt an Eiweissfasern. Bei Grabtextilien der Tang-Zeit wurde Rinde der Gattung Phellodendron als Farbstoffquelle nachgewiesen.
Wie unterscheidet sich Berberin von Palmatin und Coptisin?
Alle drei teilen dasselbe Grundgerüst und unterscheiden sich nur in den angehängten Gruppen; Palmatin trägt vier Methoxy-Gruppen, Coptisin zwei Methylendioxy-Brücken. Mit einer Brücke und zwei Methoxy-Gruppen liegt Berberin dazwischen.
Wie wird Berberin analytisch bestimmt?
Meist über Hochleistungsflüssigchromatografie mit UV-Detektion. Möglich sind auch Fluoreszenzdetektion und Massenspektrometrie. Rein spektrofluorimetrische Verfahren erreichen Nachweisgrenzen um 0,032 Mikrogramm je Milliliter, reagieren aber mit verwandten Alkaloiden mit.
Quellen
- Solvent effect on the UV/Vis absorption and fluorescence spectroscopic properties of berberine. Photochemical & Photobiological Sciences, 2009. DOI: 10.1039/b822363g (PMID 19582272)
- Sustainable spectrofluorimetric determination of berberine in dietary supplements via Erythrosin B Ion-Pair complexation with mechanistic investigation, Box-Behnken optimization, and green chemistry assessment. Scientific Reports, 2026. DOI: 10.1038/s41598-026-36903-6 (PMID 41629593)
- A comparative study of alkaloid and phenolic compounds in different organs and tissues of Berberis integerrima. PLoS ONE, 2025. DOI: 10.1371/journal.pone.0321255 (PMID 40388442)
- Alkaloid Extraction from Coptis chinensis Franch. Using Ultrasound-Assisted Aqueous Solutions of Surfactants, Organic Acids, Deep Eutectic Solvents, and Supramolecular Deep Eutectic Solvents. Molecules, 2025. DOI: 10.3390/molecules30071418 (PMID 40286019)
- Biosynthesis of benzylisoquinoline alkaloids and its evolution in plants. Plant Communications, 2026. DOI: 10.1016/j.xplc.2026.101786 (PMID 41776991)
- Dyeing Properties, Color Gamut, and Color Evaluation of Cotton Fabrics Dyed with Phellodendron amurense Rupr. (Amur Cork Tree Bark). Molecules, 2023. DOI: 10.3390/molecules28052220 (PMID 36903466)
- Investigation of Asian Dyes and Pigments from the Artifact of Murongzhi and the Silk Road in China. ACS Omega, 2023. DOI: 10.1021/acsomega.2c06572 (PMID 36687087)
Zusammengestellt von der Sanasis-Fachredaktion. Stoffdaten nach PubChem, Quellen im Volltext über die angegebenen DOI abrufbar.