Butterblume
Butterblume ist kein botanischer Name, sondern ein volkstümlicher Sammelname. Bei diesem Sammelnamen geht es je nach Region um verschiedene gelb blühende Wiesenpflanzen. Gemeint sind vor allem Hahnenfuss-Arten der Gattung Ranunculus, die Sumpfdotterblume (Caltha palustris) und der Löwenzahn (Taraxacum officinale). Zu den Hahnenfussgewächsen gehören die ersten beiden, der Löwenzahn dagegen zu den Korbblütlern.
Ein Name, mehrere Pflanzen
Wer im Frühling über eine Wiese geht, sieht viele gelbe Blüten. In der Alltagssprache heissen sie oft alle «Butterblume». Botanisch stehen hinter dem Wort mindestens fünf verschiedene Arten, und zwei davon gehören nicht einmal zur selben Pflanzenfamilie.
Solche Sammelnamen beschreiben, was auffällt. Hier ist es die tiefgelbe Blüte auf grüner Wiese. Nach Bauplan und Verwandtschaft ordnet dagegen die Botanik. Aus diesem Unterschied entsteht die Verwechslung.
In Mundartsammlungen ist der Name über den ganzen deutschen Sprachraum verteilt. Welche Pflanze gemeint ist, wechselt von Landschaft zu Landschaft. Deshalb kann ein Gespräch über «die Butterblume» an zwei verschiedenen Pflanzen vorbeilaufen.
- Scharfer Hahnenfuss (Ranunculus acris) — Hahnenfussgewächse, häufigste Wiesenart
- Kriechender Hahnenfuss (Ranunculus repens) — Hahnenfussgewächse, mit oberirdischen Ausläufern
- Knolliger Hahnenfuss (Ranunculus bulbosus) — Hahnenfussgewächse, mit verdickter Stängelbasis
- Sumpfdotterblume (Caltha palustris) — Hahnenfussgewächse, an nassen Standorten
- Löwenzahn (Taraxacum officinale) — Korbblütler, mit Milchsaft
- Trollblume (Trollius europaeus) — Hahnenfussgewächse, Bergwiesen
- Scharbockskraut (Ficaria verna) — Hahnenfussgewächse, früher Frühlingsblüher
Woher der Name kommt
Der Name verweist auf die Blütenfarbe: Die Blüten haben denselben satten Gelbton wie frische Butter. In vielen Mundarten heisst dieselbe Pflanze deshalb auch «Schmalzblume» oder «Goldknöpfchen». Alle diese Namen beschreiben den Farbeindruck, nicht die Verwandtschaft.
Ein zweiter Zusammenhang führt in die Landwirtschaft. Die Hauptblüte auf der Wiese fällt in dieselben Wochen wie der Weideaustrieb. Wenn die Tiere frisches Gras fressen, wird die Butter kräftiger gelb. Verantwortlich dafür sind Carotinoide. Sie sind die gelben bis orangen Farbstoffe des Pflanzengrüns. Zu dieser Stoffgruppe zählt als bekannter Vertreter Lutein.
Blütenfarbe und Butterfarbe treten also gleichzeitig im Jahreslauf auf, ein sachlicher Zusammenhang zwischen beiden besteht aber nicht.
Die Hahnenfuss-Arten auf der Wiese
Die Gattung Ranunculus ist gross. Weltweit werden ihr mehrere hundert Arten zugerechnet, in Mitteleuropa wachsen davon mehrere Dutzend. Der deutsche Name «Hahnenfuss» spielt auf die geteilten Blätter mancher Arten an, die an einen Vogelfuss erinnern.
Alle Arten der Gattung teilen denselben Blütenbau: Die Blüte steht einzeln am Stielende und hat meist fünf Kronblätter. Diese Kronblätter glänzen auffällig. In der Blütenmitte stehen zahlreiche Staubblätter und zahlreiche getrennte Fruchtblätter. Aus ihnen entsteht später eine Sammelfrucht aus vielen kleinen Nüsschen.
An der Basis jedes Kronblatts sitzt eine kleine Schuppe. Sie deckt eine Nektargrube ab. Dieses Merkmal ist für die Gattung kennzeichnend. Mit der Lupe ist es gut sichtbar. Zu derselben Familie gehören übrigens auch Zierpflanzen wie die Akelei.
Auf Schweizer Wiesen treten drei Arten besonders häufig auf, und entscheidend für die Unterscheidung sind Stängelbasis, Kelchblätter und Ausläufer.
| Art | Merkmale und Standort |
| Scharfer Hahnenfuss Ranunculus acris | 30 bis 100 cm hoch, Blätter handförmig in drei bis sieben Abschnitte geteilt, Blütenstiel rund und ungefurcht, keine Ausläufer, Kelchblätter anliegend; auf Fettwiesen und Weiden |
| Kriechender Hahnenfuss Ranunculus repens | bildet oberirdische Ausläufer, Blatt dreiteilig mit gestieltem Endabschnitt, oft mit hellem Fleck, Blütenstiel gefurcht; auf feuchten und verdichteten Böden |
| Knolliger Hahnenfuss Ranunculus bulbosus | Stängelbasis knollig verdickt, Kelchblätter zur Blütezeit zurückgeschlagen, blüht früher; auf trockenen, mageren Weiden |
Das zuverlässigste Einzelmerkmal sind die Kelchblätter des Knolligen Hahnenfusses. Sie liegen nicht an der Blüte an. Sie klappen nach unten weg. Wer diese Stellung sieht, hat die Art bestimmt. Bei den beiden anderen Arten entscheidet der Blick auf Ausläufer und Blütenstiel.
Die Sumpfdotterblume
Die Sumpfdotterblume gehört zur selben Familie wie der Hahnenfuss, steht aber in einer eigenen Gattung, Caltha. Ihr Standort ist deutlich nasser. An Bachufern, in Quellfluren, Nasswiesen und Erlenbrüchen findet man sie.
Ihr Blütenbau ist eine botanische Besonderheit. Echte Kronblätter hat sie nicht: Was wie eine gelbe Blüte aussieht, sind fünf gefärbte Kelchblätter. Von einem einfachen Perigon sprechen Fachleute, also von einer Blütenhülle ohne Trennung in Kelch und Krone.
Die Blätter sind gross und glänzend dunkelgrün. Ihre Form ist nieren- bis herzförmig. Sie sind nicht geteilt. Damit sehen sie deutlich anders aus als beim Scharfen Hahnenfuss. Die Blütezeit beginnt früh, oft schon im März. Als Frucht bildet die Pflanze mehrere Balgfrüchte, die sich an einer Naht öffnen.
Die Art gilt als Zeigerpflanze für nasse, nährstoffreiche Standorte. Wenn Feuchtwiesen entwässert werden, geht sie zurück.
Der Löwenzahn ist völlig anders gebaut
Der Löwenzahn ist der grösste Sonderfall in dieser Reihe. Zu den Korbblütlern (Asteraceae) gehört er, und diese Familie ist mit den Hahnenfussgewächsen nicht näher verwandt. Was aussieht wie eine einzelne gelbe Blüte, ist ein ganzer Blütenstand.
Dieser Blütenstand heisst Korb. In ihm stehen bis zu zweihundert einzelne Zungenblüten dicht nebeneinander. Jede Zungenblüte ist eine vollständige Blüte. Sie hat eine eigene Krone und einen eigenen Fruchtknoten. Aussen umschliessen Hüllblätter den Korb, und denselben Bauplan zeigen auch die Ringelblume und viele andere Korbblütler.
Der Stängel ist blattlos und hohl. Er trägt nur einen einzigen Korb. Die Blätter stehen alle in einer bodennahen Rosette und sind buchtig gezähnt, was dem Löwenzahn seinen Namen gab. Unter dem Boden sitzt eine kräftige Pfahlwurzel.
Das sicherste Merkmal ist der Milchsaft: Bricht man Stängel oder Blatt, tritt sofort eine weisse Flüssigkeit aus. An der Luft verfärbt sie sich braun. Bei zahlreichen Korbblütlern findet sich solcher Milchsaft. Dazu zählt auch der Chicorée. Bei Hahnenfussgewächsen fehlt er vollständig.
Blätter und Wurzeln des Löwenzahns werden als Lebensmittel verwendet. Als Salat kommen die jungen Blätter auf den Tisch. Die Wurzel wird geröstet.
Botanisch ist der Löwenzahn ausserdem ein Sonderfall der Fortpflanzung. Ohne Befruchtung bilden viele Sippen Samen. Dieser Vorgang heisst Apomixis. Dadurch entstehen zahlreiche erblich einheitliche Kleinarten. Darum fassen Fachleute sie als Sammelart Taraxacum officinale agg. zusammen.
Trollblume und Scharbockskraut
Zwei weitere Arten tragen regional denselben Namen, beide gehören zu den Hahnenfussgewächsen und sind am Blütenbau gut erkennbar.
Auf feuchten Bergwiesen und in Hochstaudenfluren wächst die Trollblume. Ihre Blüte bleibt kugelig geschlossen. Die gelben Kelchblätter überlappen sich. Zu schmalen Nektarblättern im Inneren sind die eigentlichen Kronblätter umgebildet. Bestäubt wird die Art vor allem von kleinen Fliegen der Gattung Chiastocheta. Deren Larven entwickeln sich in den Früchten der Pflanze. In vielen Kantonen ist die Trollblume geschützt.
Das Scharbockskraut blüht früher als alle anderen genannten Arten. Ab März erscheint es in Auenwäldern, Hecken und Parks. Die Blüte hat meist sieben bis zwölf schmale, glänzende Kronblätter, also deutlich mehr als der Hahnenfuss. Die Blätter sind herzförmig, gestielt und glänzend.
Die Pflanze überdauert mit kleinen Wurzelknollen im Boden. In den Blattachseln bildet sie zusätzlich Brutknöllchen. Damit vermehrt sie sich auch ohne Samen. Nach der Blüte zieht sie oberirdisch rasch wieder ein.
So unterscheiden Sie die Gruppen im Feld
Für die Bestimmung genügen wenige Merkmale. Zunächst führt der Blick auf die Blüte zum Ziel, danach folgen Blatt, Milchsaft und Standort.
| Merkmal | Hahnenfuss und Verwandte gegenüber Löwenzahn |
| Blütenaufbau | einzelne Blüte mit fünf getrennten Blättern gegenüber Korb aus vielen Zungenblüten |
| Oberfläche der Blüte | stark spiegelnd glänzend gegenüber matt und samtig |
| Milchsaft beim Brechen | fehlt gegenüber weiss und sofort austretend |
| Blattstellung | Blätter am beblätterten Stängel gegenüber Rosette am Boden |
| Stängel | verzweigt, mit mehreren Blüten gegenüber hohl, blattlos, mit einem Korb |
| Frucht | Sammelfrucht aus Nüsschen gegenüber Flugschirm aus Haaren |
| Verwendung als Lebensmittel | nicht zum Verzehr geeignet gegenüber Blätter und Wurzeln als Lebensmittel gebräuchlich |
Für die meisten Fälle genügt ein einziger Handgriff. Wer ein Blatt abbricht und weissen Saft sieht, hat einen Korbblütler vor sich. Bleibt der Bruch trocken und glänzt die Blüte wie lackiert, handelt es sich um ein Hahnenfussgewächs.
Warum die Blüten so auffällig glänzen
Der Glanz der Hahnenfuss-Blüten ist ungewöhnlich. Die meisten Blüten wirken matt, weil ihre Oberfläche das Licht in alle Richtungen streut. Hahnenfussblüten spiegeln dagegen wie eine glatte Lackfläche. Auf diesem Reflex beruht der bekannte Kinderbrauch, eine Blüte unter das Kinn zu halten.
Die oberste Zellschicht des Kronblatts heisst Epidermis. Sie ist sehr flach und dünn. Papillenartige Höcker bildet sie nicht aus. Viele andere Blüten tragen sie. Unter ihr liegt eine dünne Luftschicht. Erst danach folgt eine Schicht aus Stärkekörnern. Diesen optischen Aufbau beschrieb eine Untersuchung aus 2012 im Detail.1
Diese Anordnung wirkt wie zwei übereinanderliegende Spiegel. An der glatten Oberfläche wird ein Teil des Lichts gerichtet zurückgeworfen. Ein weiterer Teil wird an der Grenzfläche zur Luftschicht reflektiert. Zu einem starken, gerichteten Reflex addieren sich beide Anteile. Die gelbe Farbe entsteht daneben durch Carotinoide in der Epidermis, die den blauen Lichtanteil aufnehmen.
Eine Arbeit aus 2017 verglich glänzende und matte Arten der Gattung.2 Untersucht wurde, welche Gewebeschichten den Unterschied verursachen. Beschrieben wird darin die Rolle der flachen Epidermis und der darunterliegenden Schichten für Farbe und Reflexion. Für Bestäuber und für die Erwärmung der Blüte werden ausserdem mögliche Funktionen erörtert. Die Datenlage zu diesen Funktionen gilt als vorläufig.
Protoanemonin: die Leitsubstanz der Hahnenfussgewächse
Hahnenfussgewächse bilden eine kennzeichnende Verbindung. Sie heisst Protoanemonin. In der unverletzten Pflanze liegt sie nicht als solche vor. Gespeichert wird stattdessen eine Vorstufe mit dem Namen Ranunculin.
Ranunculin ist ein Glykosid. Das bedeutet: Der eigentliche Wirkstoffteil ist an einen Zucker gebunden. Dadurch ist er stabil. Bei einer Verletzung des Gewebes kommt ein Enzym hinzu. Ein Enzym ist ein Eiweiss. Es beschleunigt eine chemische Reaktion. Es spaltet den Zucker ab. Aus dem Rest entsteht Protoanemonin.
Protoanemonin ist ein kleines, flüchtiges Lacton. Ein Lacton ist ein ringförmig geschlossener Ester, und diese Verbindung ist chemisch unbeständig. Mit der Zeit lagern sich zwei Moleküle zum stabileren Anemonin zusammen. Eine Übersichtsarbeit aus 2025 stellt die Chemie dieser drei Stoffe zusammen und beschreibt ihre Umwandlungswege.3
Damit erklärt sich der scharfe Geschmack frischer Pflanzenteile, der erst nach dem Zerkauen oder Zerdrücken auftritt. Aus demselben Grund gelten Hahnenfussgewächse als nicht zum Verzehr geeignet und zählen nicht zu den Lebensmittelpflanzen.
Über diesen einen Stoff hinaus reicht die Verletzungschemie der Pflanze. Oxylipine sind Umbauprodukte von Fettsäuren, die Pflanzen unter anderem nach mechanischer Verletzung bilden. Eine Arbeit aus 2019 beschrieb im Blatt des Scharfen Hahnenfusses eine Reihe komplexer Oxylipine.4
Zur Einordnung im Grünland: Protoanemonin ist flüchtig und nicht hitzestabil. Beim Trocknen von Wiesengras zu Heu zerfällt es weitgehend. In der Grünlandpraxis wird Hahnenfuss im Heu deshalb anders beurteilt als auf der frischen Weide. Der Gehalt schwankt zudem nach Art, Pflanzenteil und Entwicklungsstand. Die höchsten Werte finden sich in der Regel um die Blütezeit.
Rolle im Grünland
Auf Wiesen und Weiden ist der Hahnenfuss ein häufiger Begleiter der Gräser. Sein Futterwert gilt als gering, und die frischen Pflanzen fressen Weidetiere kaum, weil der scharfe Geschmack sie abhält. Dieses Meideverhalten hat eine bekannte Folge.
Was stehen bleibt, hat weniger Konkurrenz. Auf intensiv beweideten Flächen kann der Anteil an Hahnenfuss deshalb zunehmen. Fachleute sprechen von einer Weideunkraut-Entwicklung. Über die Bewirtschaftung wird sie gesteuert. Dazu zählen etwa Besatzdichte, Schnittzeitpunkt und Nachmahd.
Die einzelnen Arten sind zugleich Zeigerpflanzen. Der Kriechende Hahnenfuss weist auf feuchte, verdichtete oder gestörte Böden hin, der Knollige auf trockene, magere Weiden. Aus dem Artenbild einer Fläche lassen sich damit Rückschlüsse auf Wasserhaushalt und Nutzung ziehen.
Auch die Forschung nutzt diese Zeigerfunktion. Bei einer Untersuchung aus 2023 ging es um die Belastbarkeit der Art als Anzeiger in der Lebensraum-Überwachung. Die Ergebnisse stammen aus einem einzelnen Versuchsaufbau. Geprüft wurde im Versuch, wie der Scharfe Hahnenfuss auf natriumhaltige, salzige Bodenbedingungen reagiert.5
Für Bestäuber sind die Blüten gut zugänglich, denn der Nektar liegt offen unter der Schuppe am Kronblattgrund. Deshalb besuchen sie viele kurzrüsselige Insekten. Vor allem Fliegen und Käfer.
Verbreitung und Blütezeit
Die genannten Arten sind in Europa weit verbreitet. In der Schweiz kommen sie vom Mittelland bis in die Alpen vor. In Bergwiesen verschiebt sich die Blüte um mehrere Wochen nach hinten.
| Art | Blütezeit und typischer Standort |
| Scharbockskraut | März bis Mai, Auenwälder, Hecken, Parkrasen |
| Sumpfdotterblume | März bis Juni, Bachufer, Nasswiesen, Quellfluren |
| Löwenzahn | Hauptblüte April und Mai, Fettwiesen, Wegränder, Gärten |
| Knolliger Hahnenfuss | April bis Juni, trockene Magerweiden |
| Scharfer Hahnenfuss | Mai bis September, Fettwiesen und Weiden |
| Trollblume | Mai bis Juli, feuchte Bergwiesen und Hochstaudenfluren |
Aus dieser Reihe fällt der Löwenzahn heraus: Er blüht in einer dichten Hauptphase im Frühling, danach folgen einzelne Nachblüten.
Steckbrief: Scharfer Hahnenfuss als Leitart
Wenn in der Deutschschweiz von der Butterblume auf der Wiese die Rede ist, ist meist der Scharfe Hahnenfuss gemeint. Er ist die häufigste dieser Wiesenarten, und der folgende Steckbrief fasst seine Eckdaten zusammen.
| Wissenschaftlicher Name | Ranunculus acris L. |
| Familie und Ordnung | Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae), Ordnung Ranunculales |
| Weitere Namen | Butterblume, Scharfer Hahnenfuss, Schmalzblume, Goldknöpfchen |
| Lebensform | ausdauernd, krautig, 30 bis 100 cm |
| Blüte | gelb, 5 glänzende Kronblätter, 15 bis 25 mm Durchmesser |
| Blatt | handförmig geteilt, Abschnitte gesägt, ohne Milchsaft |
| Frucht | Sammelnussfrucht aus vielen kleinen Nüsschen |
| Standort | frische bis feuchte Fettwiesen, Weiden, Wegränder |
| Verbreitung | Europa und Westasien, in der Schweiz bis in hohe Lagen |
| Kennzeichnende Verbindung | Ranunculin, daraus bei Verletzung Protoanemonin |
| Nutzung als Lebensmittel | keine, die Art ist nicht zum Verzehr geeignet |
Regionale Namen
Zu «Butterblume» kommen viele weitere Mundartnamen. Umgekehrt tragen verschiedene Pflanzen denselben Namen.
- Hahnenfuss: Butterblume, Schmalzblume, Goldknöpfchen, Brennkraut
- Sumpfdotterblume: Butterblume, Dotterblume, Kuhblume, Sumpfranunkel
- Löwenzahn: Butterblume, Kuhblume, Pusteblume, Chrottepösche in der Deutschschweiz
- Trollblume: Butterrose, Goldköpfchen, Kugelranunkel
- Scharbockskraut: Feigwurz, Frühlingsschmalzblume
Zur Bestimmung: Volksnamen taugen nicht zur Artbestimmung. Wer eine Pflanze eindeutig benennen will, arbeitet mit dem wissenschaftlichen Namen. Er ist weltweit eindeutig und folgt festen Regeln. Für die Schweizer Flora liefern die Bestimmungsschlüssel des Botanischen Informationszentrums Info Flora die gültige Referenz.
Gegenstand der Forschung
In mehreren getrennten Feldern läuft die Forschung zu diesen Arten. Ein Feld ist die Optik der Blüten: Untersucht wird, wie Gewebeaufbau, Farbstoffe und Reflexion zusammenwirken. Dazu gehören die beiden bereits genannten Arbeiten aus 2012 und 2017.1,2
Ein zweites Feld ist die Chemie der Familie. Gegenstand ist der Weg von Ranunculin über Protoanemonin zu Anemonin3 sowie weitere Stoffgruppen wie die Oxylipine4 der Blätter. Ein drittes Feld ist die Grünland- und Vegetationskunde. Dort geht es um Standortansprüche und um die Eignung einzelner Arten als Anzeiger.5
Für den Löwenzahn steht die Ausbreitung der Früchte im Vordergrund. Bei feuchter Luft schliesst sich der Flugschirm. Bei trockener öffnet er sich weit. Beschrieben wird dies als Anpassung. Sie bestimmt den Zeitpunkt der Ausbreitung mit. Eine Arbeit aus 2022 beschrieb diese Verformung je nach Luftfeuchte.6
Häufige Fragen
Welche Pflanze ist mit «Butterblume» gemeint?
Das hängt von der Region ab: Am häufigsten sind Hahnenfuss-Arten der Gattung Ranunculus gemeint. In anderen Gegenden steht der Name für die Sumpfdotterblume. Andernorts meint er den Löwenzahn. Einen botanisch festgelegten Inhalt hat das Wort nicht.
Ist die Butterblume dasselbe wie der Löwenzahn?
Nur in manchen Mundarten. Botanisch sind es verschiedene Pflanzen aus verschiedenen Familien. Der Löwenzahn ist ein Korbblütler, der Hahnenfuss ein Hahnenfussgewächs, und näher miteinander verwandt sind beide nicht.
Woran erkenne ich den Unterschied im Feld?
Am Blütenbau und am Milchsaft. Der Hahnenfuss trägt einzelne Blüten mit fünf glänzenden Kronblättern. Der Löwenzahn trägt einen Korb aus vielen Zungenblüten. Er führt weissen Milchsaft. Mit einem Bruch am Stängel ist der Fall in Sekunden geklärt.
Warum glänzen die Blüten des Hahnenfusses?
Wegen ihres Schichtaufbaus. Die oberste Zellschicht ist flach und glatt. Darunter liegt eine dünne Luftschicht. Beide Grenzflächen werfen Licht gerichtet zurück.1 Daraus entsteht der starke gelbe Reflex, den man auf der Haut sieht.
Was ist Protoanemonin?
Eine kennzeichnende Verbindung der Hahnenfussgewächse. Aus der Vorstufe Ranunculin entsteht sie erst beim Verletzen der Pflanze. Protoanemonin ist unbeständig und lagert sich mit der Zeit zu Anemonin um.3 Beim Trocknen zerfällt es weitgehend.
Warum fressen Weidetiere den Hahnenfuss nicht?
Wegen des scharfen Geschmacks der frischen Pflanze. Er entsteht beim Zerkauen. Deshalb bleibt Hahnenfuss auf beweideten Flächen häufig stehen. Sein Anteil im Bestand kann dadurch zunehmen.
Ist die Sumpfdotterblume ein Hahnenfuss?
Sie gehört zur selben Familie, aber zu einer anderen Gattung, und ihr Name lautet Caltha palustris. Echte Kronblätter fehlen ihr. Sie hat fünf gelb gefärbte Kelchblätter. Ihre Blätter sind nierenförmig und ungeteilt.
Wann blüht die Butterblume?
Je nach Art zwischen März und September. Ab März blüht das Scharbockskraut als erstes. Der Löwenzahn hat seine Hauptblüte im April und Mai. Von Mai bis in den September blüht der Scharfe Hahnenfuss am längsten.
Warum ist Butter im Frühling gelber?
Wegen der Carotinoide im frischen Weidegras. Diese gelb-orangen Farbstoffe gelangen über das Futter in die Milch und damit in die Butter. Bei Winterfütterung mit Heu und Silage fällt der Gehalt geringer aus. Mit der Blüte der Butterblume hat das nichts zu tun.
Quellen
- Directional scattering from the glossy flower of Ranunculus: how the buttercup lights up your chin. Journal of the Royal Society Interface, 2012. DOI: 10.1098/rsif.2011.0759 (PMID 22171065)
- Functional optics of glossy buttercup flowers. Journal of the Royal Society Interface, 2017. DOI: 10.1098/rsif.2016.0933 (PMID 28228540)
- Ranunculin, Protoanemonin, and Anemonin: Pharmacological and Chemical Perspectives. Current Medicinal Chemistry, 2025. DOI: 10.2174/0109298673294080240221115830 (PMID 38425112)
- Detection and identification of complex oxylipins in meadow buttercup (Ranunculus acris) leaves. Phytochemistry, 2019. DOI: 10.1016/j.phytochem.2018.10.030 (PMID 30390606)
- Experimental investigation of the responses of meadow buttercup (Ranunculus acris L.) to sodic salinity and its implications for habitat monitoring. Scientific Reports, 2023. DOI: 10.1038/s41598-023-42738-2 (PMID 37730898)
- Environmental morphing enables informed dispersal of the dandelion diaspore. eLife, 2022. DOI: 10.7554/eLife.81962 (PMID 36445222)
Redaktioneller Lexikoneintrag der Sanasis AG. Er beschreibt den Volksnamen «Butterblume» sowie Botanik, Pflanzenchemie und Grünlandkunde der damit bezeichneten Arten. Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine fachliche Beratung. Stand: August 2026.