Caryophyllen: das Sesquiterpen mit dem Vierring
Lexikon · Chemie
β-Caryophyllen ist ein flüchtiges Sesquiterpen, das viele Pflanzen bilden. Es trägt zum Geruch von schwarzem Pfeffer, Nelken und Hopfen bei und ist auch der bestimmende flüchtige Stoff im Copaiba-Oleoresin. Chemisch ist es ungewöhnlich: Es enthält einen Vierring – eine in der Natur seltene Bauform.
Dieser Lexikonartikel beschreibt den Stoff: Bau, Bildung in der Pflanze, Vorkommen und rechtliche Einordnung. Er trifft keine Aussagen zu Wirkungen, Beschwerden oder Anwendungen.
Steckbrief
| Stoffklasse | Sesquiterpen, flüchtig1 |
| Summenformel | C15H24 |
| Bausteine | 15 Kohlenstoffatome, also drei Isopren-Einheiten |
| Besonderheit im Bau | enthält einen Vierring (Cyclobutan) |
| Gebildet von | Terpensynthasen der Pflanze1 |
| Rolle in der Pflanze | Abwehr und Duftbildung1 |
| Bekannte Vorkommen | Pfeffer, Nelken, Hopfen, Copaiba-Oleoresin |
| Zugelassene Angabe | keine3 |
Was ein Sesquiterpen ist
Terpene sind aus einer immer gleichen Grundeinheit aufgebaut, dem Isopren mit fünf Kohlenstoffatomen. Die Zahl dieser Einheiten gibt der Gruppe ihren Namen.
Zwei Einheiten ergeben ein Monoterpen mit zehn Kohlenstoffatomen – dazu gehören etwa Menthol und Limonen. Drei Einheiten ergeben ein Sesquiterpen mit fünfzehn. Caryophyllen gehört in diese zweite Gruppe.
Sesquiterpene sind schwerer und weniger flüchtig als Monoterpene. Sie tragen deshalb eher zu den lang anhaltenden, würzig-holzigen Noten eines Duftbilds bei als zu den frischen Kopfnoten.
Der seltene Vierring
Die meisten Naturstoffe mit Ringen tragen Fünf- oder Sechsringe. Vierringe sind selten, weil ihre Bindungswinkel stark von der bevorzugten Anordnung abweichen – das Molekül steht gewissermassen unter Spannung.
β-Caryophyllen ist eines der bekannten Beispiele für diese Bauform: Ein Neunring und ein Vierring sind miteinander verschmolzen. Genau diese gespannte Anordnung macht den Stoff chemisch reaktionsfreudiger als andere Kohlenwasserstoffe seiner Grösse.
Wie die Pflanze es bildet – und warum nicht jede
Gebildet wird Caryophyllen von eigenen Enzymen, den Terpensynthasen. In der Pflanze dient es der Abwehr und trägt zum kennzeichnenden Duft bei.1
Wie ungleich das verteilt ist, zeigt eine Arbeit an Pak Choi besonders schön. Von 61 untersuchten Herkünften bildeten nur 11 überhaupt β-Caryophyllen.1 Die Fähigkeit dazu wird nach dieser Untersuchung von einem einzigen dominanten Gen gesteuert.1
Das erklärt, warum der Gehalt zwischen Sorten derselben Art so stark schwanken kann. Auch andere Pflanzen bilden den Stoff über eigene Terpensynthasen – nachgewiesen etwa beim Chinesischen Zimtlorbeer.2
Rechtliche Einordnung
Für Caryophyllen gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe.3 Wirkungsbezogene Aussagen sind damit unzulässig, unabhängig von der Formulierung.
Anders als etwa Capsaicin oder Beta-Asaron steht Caryophyllen nicht auf der Liste jener Stoffe, die Lebensmitteln nicht als solche zugesetzt werden dürfen.4 Als Aromastoff unterliegt es den allgemeinen Anforderungen des Aromenrechts.
Häufige Fragen
Was ist Caryophyllen?
Ein flüchtiges Sesquiterpen mit fünfzehn Kohlenstoffatomen, das viele Pflanzen bilden. In der Pflanze übernimmt es Aufgaben bei der Abwehr und bei der Duftbildung.1
Was ist an seinem Bau besonders?
Der Vierring. Solche Cyclobutan-Ringe sind in Naturstoffen selten, weil ihre Bindungswinkel gespannt sind. Bei β-Caryophyllen ist er mit einem Neunring verschmolzen.
Wo kommt es vor?
Unter anderem in schwarzem Pfeffer, Nelken und Hopfen. Auch im Copaiba-Oleoresin ist es unter den flüchtigen Bestandteilen bestimmend.
Bilden alle Pflanzen einer Art gleich viel davon?
Nein. Bei Pak Choi bildeten von 61 Herkünften nur 11 überhaupt β-Caryophyllen; die Fähigkeit wird von einem einzigen dominanten Gen gesteuert.1
Was ist der Unterschied zu einem Monoterpen?
Die Zahl der Bausteine. Monoterpene bestehen aus zwei Isopren-Einheiten mit zehn Kohlenstoffatomen, Sesquiterpene aus drei mit fünfzehn. Letztere sind schwerer und weniger flüchtig.
Dieser Beitrag beschreibt einen Naturstoff aus chemischer Sicht. Er ist keine medizinische Information, keine Empfehlung und keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Fragen zur eigenen Gesundheit gehören zu einer Fachperson.
Redaktion & Quellen · Fachredaktion der Sanasis AG · zuletzt aktualisiert am 10.08.2026. Fachliteratur über PubMed und Europe PMC recherchiert, jede Quelle über Crossref bestätigt.
1 Wang H, Han T et al. (2025): The regulatory landscape of β-caryophyllene biosynthesis in pak choi. Plant Physiol 198(1):kiaf123. PMID 40326964. doi.org/10.1093/plphys/kiaf123 ↩
2 The volatile sesquiterpene β-caryophyllene generated by the Phoebe bournei terpene synthase. Plant Physiol Biochem (2026) 219:110979. doi.org/10.1016/j.plaphy.2025.110979 ↩
3 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. Abgeglichen am 10.08.2026: kein Eintrag zu Caryophyllen. eur-lex.europa.eu ↩
4 Verordnung (EG) Nr. 1334/2008 über Aromen, Anhang III Teil A. Abgeglichen am 10.08.2026: Caryophyllen ist dort nicht aufgeführt. eur-lex.europa.eu ↩
Die referierten Arbeiten sind pflanzenphysiologische Untersuchungen. Ihre Nennung dient der Belegführung und begründet keinen gesundheitsbezogenen Anspruch.