CBD (Cannabidiol): Stoff, Herkunft und Rechtslage
Lexikon · Stoffkunde
CBD ist die Kurzform für Cannabidiol, eine von über hundert Verbindungen aus der Hanfpflanze Cannabis sativa. Chemisch gehört es zu den Cannabinoiden und zählt zu den Phenolen mit einer angehängten Terpen-Einheit.
Wichtig für Schweizer Leserinnen und Leser: Cannabidiol ist kein zugelassener Stoff für Lebensmittel. Cannabinoide und Hanfextrakte gelten als neuartige Lebensmittel und brauchen eine Bewilligung. Dieser Artikel ordnet Chemie, Gewinnung und Rechtslage ein und trifft keine Aussage zu Wirkungen. Sanasis führt kein CBD-Erzeugnis.
Steckbrief
| Name | Cannabidiol, kurz CBD |
| Summenformel | C21H30O2 |
| Molare Masse | 314,5 g/mol |
| CAS-Nummer | 13956-29-1 |
| Stoffklasse | Cannabinoid, Resorcin-Derivat mit Terpen-Einheit |
| Löslichkeit | fettlöslich, in Wasser sehr schlecht löslich |
| Strukturaufklärung | 19632 |
| Status Lebensmittelrecht CH | neuartiges Lebensmittel, bewilligungspflichtig3 |
Wie das Molekül gebaut ist
Cannabidiol besteht aus zwei Bauteilen. Der eine ist ein Benzolring mit zwei Hydroxylgruppen und einer fünfgliedrigen Kohlenstoffkette. Fachleute nennen diesen Teil Olivetol. Der andere ist eine Terpen-Einheit, also ein Baustein aus dem Formenkreis der ätherischen Öle.
Die Strukturaufklärung gelang 1963. Damit war klar, wie sich CBD von den übrigen Cannabinoiden unterscheidet.2 Entscheidend ist eine Kleinigkeit mit grosser Wirkung: Bei CBD sind die beiden Ringe nicht miteinander verschmolzen, beim Tetrahydrocannabinol dagegen schon. Ein zusätzlicher Sauerstoff-Ring schliesst dort die beiden Teile zusammen.
Diese Verwandtschaft ist mehr als eine Formalität. Unter sauren Bedingungen lässt sich Cannabidiol im Labor gezielt zu THC-Isomeren umsetzen. Neuere Arbeiten haben untersucht, welche Isomere dabei entstehen und wie sich die Reaktion steuern lässt.4 Für die Analytik heisst das: Wer CBD-haltiges Material erhitzt oder sauer behandelt, muss mit einer Veränderung des Cannabinoid-Musters rechnen.
Wie die Pflanze es bildet
In der lebenden Pflanze kommt CBD kaum vor. Dort liegt fast alles als Säureform vor, als Cannabidiolsäure. Erst beim Trocknen, Erhitzen oder Lagern spaltet sich eine Kohlendioxid-Gruppe ab. Dieser Vorgang heisst Decarboxylierung, und erst er macht aus der Säureform das CBD.
Der Bauplan der Pflanze folgt einer klaren Reihenfolge. Am Anfang steht ein Polyketid-Enzym, das den Grundring bildet.5 Ein Prenyltransferase-Enzym hängt daran die Terpen-Einheit, wodurch Cannabigerolsäure entsteht. Diese Verbindung ist die gemeinsame Vorstufe.6
Am Verzweigungspunkt entscheidet sich der Chemotyp der Pflanze. Eine Cannabidiolsäure-Synthase führt zur CBD-Linie, eine andere Synthase zur THC-Linie. Die Cannabidiolsäure-Synthase wurde 2007 als das Enzym beschrieben, das den Chemotyp im Faserhanf bestimmt.7
Gebildet werden die Cannabinoide in den Drüsenhaaren der weiblichen Blütenstände. Diese Drüsenhaare sind mit blossem Auge als klebriger Belag erkennbar.
Rechtslage in der Schweiz
Zwei getrennte Rechtsgebiete greifen hier ineinander. Das eine ist das Betäubungsmittelrecht, das andere das Lebensmittelrecht. Sie beantworten verschiedene Fragen und dürfen nicht verwechselt werden.
Betäubungsmittelrecht
Massgebend ist der THC-Gehalt, nicht der CBD-Gehalt. Cannabis und daraus bestehende Erzeugnisse mit einem durchschnittlichen Gesamt-THC-Gehalt von mindestens 1,0 Prozent unterstehen dem Betäubungsmittelrecht.8 Liegt der Gehalt darunter, greift diese Unterstellung nicht. Cannabidiol selbst untersteht dem Betäubungsmittelgesetz nicht.
Lebensmittelrecht
Hier fällt die Antwort anders aus. Cannabinoide aus Hanfpflanzen sowie Extrakte aus Cannabis sativa und daraus gewonnene cannabinoidhaltige Erzeugnisse gelten als neuartige Lebensmittel. Sie dürfen nur mit einer Bewilligung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen oder einer Zulassung durch die Europäische Kommission in Verkehr gebracht werden.3
Der Grund liegt im Stichdatum. Als neuartig gilt ein Lebensmittel, für das vor dem 15. Mai 1997 kein nennenswerter Verzehr in der Schweiz oder in der EU belegt ist. Für einzelne Cannabinoide ist ein solcher Verzehr nicht nachgewiesen.3
Zahlreiche Gesuche für Cannabidiol als neuartiges Lebensmittel wurden in der EU eingereicht und der Lebensmittelbehörde EFSA zur Sicherheitsbeurteilung übergeben. Diese stellte erhebliche Datenlücken fest. Die Bewertung von Cannabidiol als neuartiges Lebensmittel ist bis zum Vorliegen neuer Daten ausgesetzt.3
Kurz gefasst: Ein Erzeugnis kann betäubungsmittelrechtlich zulässig und lebensmittelrechtlich trotzdem nicht verkehrsfähig sein. Die beiden Fragen sind unabhängig voneinander zu beantworten.
Begriffe, die durcheinandergeraten
| Begriff | Was gemeint ist |
|---|---|
| Cannabidiol (CBD) | der einzelne Stoff |
| Cannabidiolsäure (CBDA) | die Säureform in der frischen Pflanze |
| Hanfextrakt | ein Gemisch vieler Pflanzenstoffe |
| Hanfsamenöl | Speiseöl aus den Samen, praktisch cannabinoidfrei |
Der Unterschied zwischen den letzten beiden Zeilen wird oft übersehen. Die Cannabinoide sitzen in den Drüsenhaaren der Blüten, nicht im Samen. Hanfsamenöl ist deshalb ein gewöhnliches Speiseöl und kein Cannabinoid-Erzeugnis.
Häufige Fragen
Was ist CBD?
CBD steht für Cannabidiol, eine Verbindung aus der Hanfpflanze Cannabis sativa. Chemisch ist es ein Cannabinoid mit der Summenformel C21H30O2 und einer molaren Masse von 314,5 g/mol.1
Darf CBD in der Schweiz in Lebensmitteln verwendet werden?
Nicht ohne Bewilligung. Cannabinoide und Hanfextrakte gelten als neuartige Lebensmittel und dürfen nur mit einer Bewilligung des BLV oder einer Zulassung durch die Europäische Kommission in Verkehr gebracht werden.3
Was bedeutet die 1-Prozent-Grenze?
Sie stammt aus dem Betäubungsmittelrecht und bezieht sich auf den Gesamt-THC-Gehalt, nicht auf CBD. Erzeugnisse ab 1,0 Prozent Gesamt-THC unterstehen dem Betäubungsmittelrecht.8 Über die lebensmittelrechtliche Zulässigkeit sagt diese Grenze nichts aus.
Worin unterscheiden sich CBD und THC chemisch?
Beide bestehen aus denselben Bausteinen. Beim THC sind die Ringe über ein Sauerstoffatom zu einem geschlossenen System verknüpft, beim CBD nicht. Unter sauren Bedingungen lässt sich CBD im Labor zu THC-Isomeren umsetzen.4
Enthält Hanfsamenöl CBD?
Praktisch nicht. Die Cannabinoide entstehen in den Drüsenhaaren der Blütenstände, nicht im Samen. Hanfsamenöl ist ein Speiseöl aus gepressten Samen.
Warum steht in diesem Artikel nichts über Wirkungen?
Weil für Cannabidiol keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen ist und der Stoff lebensmittelrechtlich nicht verkehrsfähig ist. Der Artikel beschränkt sich deshalb auf Chemie, Gewinnung und Rechtslage.
Dieser Beitrag beschreibt einen Stoff allgemein. Er ist keine Empfehlung, keine Beratung und bezieht sich auf kein Produkt. Sanasis führt kein Erzeugnis mit Cannabidiol. Fragen zur eigenen Situation gehören zu einer Fachperson.
Redaktion & Quellen · Fachredaktion der Sanasis AG · zuletzt aktualisiert am 10.08.2026. Stoffdaten aus einer öffentlichen Chemiedatenbank, Fachliteratur über PubMed recherchiert, Rechtsquellen bei den zuständigen Bundesämtern geprüft.
1 PubChem, Compound Summary CID 644019 (Cannabidiol). National Library of Medicine. pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/644019
2 Mechoulam R, Shvo Y (1963): Hashish—I: The structure of cannabidiol. Tetrahedron 19(12):2073–2078. doi.org/10.1016/0040-4020(63)85022-X
3 Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): Cannabis, Hanfextrakte und Cannabinoide als Lebensmittel. blv.admin.ch
4 Barbosa PL et al. (2026): Regioselective acid-catalyzed conversion of cannabidiol into THC isomers: experimental and computational elucidation. Org Biomol Chem. PMID 42475118. doi.org/10.1039/d6ob00784h
5 Taura F et al. (2009): Characterization of olivetol synthase, a polyketide synthase putatively involved in cannabinoid biosynthetic pathway. FEBS Lett 583(12):2061–2066. PMID 19454282. doi.org/10.1016/j.febslet.2009.05.024
6 Tanaya R et al. (2023): Catalytic Potential of Cannabis Prenyltransferase to Expand Cannabinoid Scaffold Diversity. Org Lett 25(48):8601–8605. PMID 38010421. doi.org/10.1021/acs.orglett.3c03410
7 Taura F et al. (2007): Cannabidiolic-acid synthase, the chemotype-determining enzyme in the fiber-type Cannabis sativa. FEBS Lett 581(16):2929–2934. PMID 17544411. doi.org/10.1016/j.febslet.2007.05.043
8 Verordnung des EDI über die Verzeichnisse der Betäubungsmittel, psychotropen Stoffe, Vorläuferstoffe und Hilfschemikalien (BetmVV-EDI), SR 812.121.11. fedlex.admin.ch/eli/cc/2011/363/de
Die referierten Arbeiten sind chemische, enzymologische und rechtliche Quellen. Ihre Nennung dient der Belegführung und begründet keinen gesundheitsbezogenen Anspruch.