Chrom: zwei Wertigkeiten, zwei völlig verschiedene Stoffe
Lexikon · Mineralstoffe
Chrom ist ein chemisches Element, das in zwei sehr verschiedenen Formen vorkommt. In Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln liegt es dreiwertig vor, als Chrom(III). Sechswertiges Chrom(VI) ist dagegen ein Schadstoff und beim Einatmen krebserzeugend.2 Wer über «Chrom» spricht, muss sagen, welches gemeint ist.
Dieser Lexikonartikel beschreibt das Element, die Schweizer Vorgaben und den Stand der Fachdiskussion. Er beschreibt kein Produkt und gibt keine Verzehrsempfehlung.
Steckbrief
| Chemisches Zeichen | Cr |
| Ordnungszahl | 24 |
| Stoffgruppe | Übergangsmetall |
| Form in Ernährung | dreiwertiges Chrom, Cr(III)2 |
| Form als Schadstoff | sechswertiges Chrom, Cr(VI)2 |
| Höchstmenge Schweiz | 188 µg je empfohlene Tagesdosis3 |
| Referenzwert der EFSA | keiner festgelegt1 |
| Zugelassene Angaben | zwei4 |
Dreiwertig oder sechswertig: der entscheidende Unterschied
Chrom kann in Verbindungen unterschiedlich viele Elektronen abgeben. Diese Zahl heisst Wertigkeit, und sie bestimmt hier alles. Zwei Wertigkeiten sind praktisch bedeutsam – und sie haben ausser dem Namen wenig gemeinsam.
Dreiwertiges Chrom ist die Form, die in Lebensmitteln und in Nahrungsergänzungsmitteln vorliegt.2 Sechswertiges Chrom entsteht bei industriellen Verfahren. Es gilt beim Einatmen als krebserzeugend; die Belastung betrifft vor allem den Arbeitsplatz.2
Was die Schweizer Verordnung vorgibt
Die Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel regelt zweierlei: wie viel Chrom höchstens enthalten sein darf und in welcher chemischen Form.
Die Höchstmenge liegt bei 188 Mikrogramm je empfohlener Tagesdosis.3 Zugelassen sind nur bestimmte Verbindungen:
- Chrom(III)-chlorid
- Chrom(III)-lactattrihydrat
- Chrom(III)-sulfat
- Chromnitrat
- Chrompicolinat
- chromangereicherte Hefe
Auffällig an dieser Liste: Sie führt ausschliesslich dreiwertige Formen. Sechswertige Verbindungen kommen darin nicht vor.3
Was ausgesagt werden darf
Chrom gehört zu den Stoffen, für die gesundheitsbezogene Angaben zugelassen sind. Es sind genau zwei, und sie sind wortgetreu zu verwenden:4
| Zugelassene Angabe | Bedingung |
|---|---|
| «Chrom trägt zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei» | nur für Lebensmittel, welche die Mindestanforderungen an eine Quelle von dreiwertigem Chrom erfüllen |
| «Chrom trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels bei» | dieselbe Bedingung |
Bemerkenswert ist, dass die Bedingung ausdrücklich die dreiwertige Form nennt. Die Wertigkeit ist damit nicht bloss chemisches Detail, sondern Bestandteil der Zulassungsvoraussetzung.4
Was die Fachwelt offen lässt
Ein Punkt gehört zur Vollständigkeit dazu, auch wenn er unbequem ist. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat 2014 geprüft, ob sich für Chrom Referenzwerte für die Zufuhr ableiten lassen. Ergebnis: Es wurde kein Referenzwert festgelegt.1
Die Begründung ist grundsätzlich. Die Fachleute kamen zum Schluss, dass eine unentbehrliche Funktion des dreiwertigen Chroms im Stoffwechsel nicht belegt ist. Versuche, an Tiermodellen einen Mangel zu erzeugen, hätten keine einheitlichen Ergebnisse gebracht.1
Eine Übersichtsarbeit von 2023 im Rahmen der nordischen Empfehlungen kommt zum gleichen Bild: Es fehlen brauchbare Verfahren, um den Chromstatus eines Menschen zu bestimmen, und die Unentbehrlichkeit ist weiterhin umstritten.2
Beides steht neben den zugelassenen Angaben, und beides ist richtig. Die Zulassung einer Angabe und die Festlegung eines Referenzwerts sind zwei getrennte Verfahren mit verschiedenen Massstäben.
Häufige Fragen
Was ist Chrom?
Ein chemisches Element mit dem Zeichen Cr und der Ordnungszahl 24, ein Übergangsmetall. In Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln liegt es dreiwertig vor.2
Was ist der Unterschied zwischen Chrom(III) und Chrom(VI)?
Die Wertigkeit, und damit praktisch alles. Chrom(III) ist die Form in der Ernährung. Chrom(VI) entsteht bei industriellen Verfahren und gilt beim Einatmen als krebserzeugend; die Belastung betrifft vor allem den Arbeitsplatz.2
Wie viel Chrom darf ein Nahrungsergänzungsmittel in der Schweiz enthalten?
Höchstens 188 Mikrogramm je empfohlener Tagesdosis. Zugelassen sind nur bestimmte dreiwertige Verbindungen sowie chromangereicherte Hefe.3
Welche Angaben sind für Chrom zugelassen?
Zwei: «Chrom trägt zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei» und «Chrom trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels bei». Beide setzen voraus, dass das Lebensmittel die Mindestanforderungen an eine Quelle von dreiwertigem Chrom erfüllt.4
Gibt es einen Referenzwert für die Chromzufuhr?
Nein. Die EFSA hat 2014 keinen festgelegt, weil eine unentbehrliche Funktion des dreiwertigen Chroms nicht belegt ist.1 Auch Verfahren zur Bestimmung des Chromstatus fehlen.2
Dieser Beitrag beschreibt einen Mineralstoff aus chemischer und rechtlicher Sicht. Er ist keine medizinische Information, keine Empfehlung und keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Fragen zur eigenen Gesundheit gehören zu einer Fachperson.
Redaktion & Quellen · Fachredaktion der Sanasis AG · zuletzt aktualisiert am 10.08.2026. Fachliteratur über PubMed und Europe PMC recherchiert, jede Quelle über Crossref bestätigt.
1 EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (2014): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for chromium. EFSA Journal 12(10):3845. doi.org/10.2903/j.efsa.2014.3845
2 Henriksen C, Bügel S (2023): Chromium – a scoping review for Nordic Nutrition Recommendations 2023. Food Nutr Res 67:10325. PMID 38084146. doi.org/10.29219/fnr.v67.10325
3 Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (VNem), SR 817.022.14, Anhang 1 Teil A: Höchstmenge je empfohlene Tagesdosis und zulässige Verbindungen. fedlex.admin.ch
4 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, Einträge «Chrom» mit den dort festgelegten Verwendungsbedingungen. eur-lex.europa.eu
Die referierten Arbeiten sind behördliche Bewertungen und eine wissenschaftliche Übersicht sowie geltendes Recht. Ihre Nennung dient der Belegführung und begründet keinen über die zugelassenen Angaben hinausgehenden Anspruch.