DMSO (Dimethylsulfoxid): Stoff und Rechtslage
Lexikon · Chemie
DMSO ist ein Lösungsmittel, kein Lebensmittel. In der Schweiz fällt der Stoff unter das Heilmittelrecht. Im Handel ist er ausschliesslich als Arzneistoff in äusserlich anzuwendenden Kombinationspräparaten; Zubereitungen zum Einnehmen sind nicht zugelassen.1
Dieser Lexikonartikel beschreibt den Stoff: Aufbau, Eigenschaften, Abbauwege und die rechtliche Einordnung. Er beschreibt kein Produkt, nennt keine Anwendungsgebiete und gibt keine Verzehrs- oder Anwendungsempfehlung. Die Sanasis AG führt kein DMSO-Erzeugnis.
Steckbrief
| Stoffklasse | Sulfoxid, eine schwefelhaltige organische Verbindung |
| Summenformel | C2H6OS |
| Molmasse | rund 78 g/mol1 |
| Schmelzpunkt | rund 18 °C, also knapp unter Zimmertemperatur1 |
| Verhalten an Luft | hygroskopisch, zieht Wasser an1 |
| Abbauprodukte im Körper | Dimethylsulfid und Dimethylsulfon1 |
| Technische Rolle | Lösungsmittel im Labor; Gefrierschutz für Zellen2 |
| Status Schweiz | Arzneistoff, kein Lebensmittel1 |
Ein Lösungsmittel mit zwei Gesichtern
Das Molekül ist klein. Ein Schwefelatom trägt zwei Methylgruppen und ein Sauerstoffatom, und genau diese Bindung zum Sauerstoff macht den Stoff so ungewöhnlich: Sie ist stark polar, während die beiden Methylgruppen unpolar sind.
Daraus folgt eine seltene Kombination. DMSO mischt sich mit Wasser in jedem Verhältnis, löst aber auch Substanzen, die in Wasser gar nicht gehen. Chemikerinnen und Chemiker nennen so etwas ein dipolar-aprotisches Lösungsmittel. Im Labor ist es deshalb ein Arbeitspferd, mit dem sich Reaktionen ansetzen lassen, die in Wasser oder Alkohol scheitern würden.
Reines DMSO erstarrt schon bei rund 18 Grad.1 Wer eine Flasche im kühlen Raum stehen lässt, findet darin also feste Kristalle und keine Flüssigkeit. Das ist normal und kein Zeichen von Verderb.
Was im Körper daraus wird
DMSO bleibt nicht, wie es ist. Der Körper wandelt es auf zwei Wegen um, und beide führen zu Stoffen, die selbst einen Namen haben.
Der eine Weg entfernt das Sauerstoffatom. Übrig bleibt Dimethylsulfid, ein flüchtiger Stoff, der über die Lunge abgeatmet und über die Haut abgegeben wird.1 Er riecht nach Knoblauch, und dieser Geruch ist der bekannteste Begleiteffekt des Stoffes überhaupt. Eine Übersichtsarbeit zu arzneimittelbedingtem Mundgeruch führt DMSO ausdrücklich als Beispiel auf.3
Der andere Weg fügt ein zweites Sauerstoffatom an. Daraus entsteht Dimethylsulfon – und das ist derselbe Stoff, der unter dem Kürzel MSM bekannt ist.1 Chemisch sind DMSO und MSM also eng verwandt. Rechtlich sind sie zwei verschiedene Dinge, und das ist der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen.
Gefrierschutz für Zellen
Die technisch wichtigste Rolle des Stoffes spielt sich im Labor ab. Wer lebende Zellen einfriert, muss verhindern, dass sich scharfkantige Eiskristalle bilden und die Zellwände zerreissen. Dafür gibt man ein Frostschutzmittel zu, und DMSO ist dabei seit Jahrzehnten der Standard.
Wie fein diese Dosierung austariert wird, zeigt eine Arbeit aus dem Jahr 2026. Ein Team verglich verschiedene DMSO-Konzentrationen für das Einfrieren von Blutplättchen und fand, dass zehn Prozent besser schützen als niedrigere Anteile.2 Blutbanken, Zellkulturlabore und Stammzellbanken arbeiten mit solchen Zahlen täglich.
Rechtliche Einordnung in der Schweiz
Hier wird es eindeutig. Das Schweizer Lebensmittelrecht gilt nicht für Erzeugnisse, die unter die Heilmittelgesetzgebung fallen. DMSO ist in der Schweiz ein Arzneistoff. Damit ist es kein Lebensmittel, kein Nahrungsergänzungsmittel und keine Zutat, die einem Lebensmittel zugesetzt werden dürfte.
Im Handel ist der Stoff hierzulande ausschliesslich in Kombination mit anderen Wirkstoffen, in äusserlich anzuwendenden Zubereitungen wie Sprays, Gelen und Cremen. Präparate zum Einnehmen sind nicht freigegeben.1
Warum auf dieser Seite keine Anwendungsgebiete stehen: Ein Lebensmittelhändler darf zu einem Arzneistoff keine Aussagen über Wirkungen oder Anwendungsgebiete treffen. Wir beschreiben deshalb nur den Stoff und seine Einordnung. Fragen zu Arzneimitteln gehören in die Apotheke oder in die Arztpraxis.
Häufige Fragen
Was ist DMSO?
Die Abkürzung steht für Dimethylsulfoxid, eine kleine schwefelhaltige Verbindung mit der Summenformel C2H6OS. Sie wird vor allem als Lösungsmittel verwendet.
Ist DMSO ein Nahrungsergänzungsmittel?
Nein. In der Schweiz ist DMSO ein Arzneistoff und fällt damit aus dem Lebensmittelrecht heraus. Als Zutat eines Nahrungsergänzungsmittels ist der Stoff nicht zulässig.1
Ist DMSO dasselbe wie MSM?
Nein, aber die beiden sind verwandt. MSM ist Dimethylsulfon und entsteht im Körper aus DMSO, wenn ein weiteres Sauerstoffatom angelagert wird.1 Rechtlich werden die beiden Stoffe völlig getrennt behandelt.
Woher kommt der Knoblauchgeruch?
Vom Abbauprodukt Dimethylsulfid. Es ist flüchtig, wird über die Lunge abgeatmet und über die Haut abgegeben.1 Übersichtsarbeiten zu arzneimittelbedingtem Mundgeruch nennen DMSO deshalb als Beispiel.3
Warum wird DMSO im Labor eingesetzt?
Weil es Wasserlösliches und Wasserunlösliches gleichermassen löst. Ausserdem schützt es Zellen beim Einfrieren vor Eiskristallen; für Blutplättchen gelten dabei zehn Prozent als besser als niedrigere Anteile.2
Führt Sanasis DMSO im Sortiment?
Nein. Diese Seite ist ein reiner Lexikoneintrag und gehört zu keinem Produkt.
Dieser Beitrag beschreibt einen Stoff aus chemischer und rechtlicher Sicht. Er ist keine medizinische Information, keine Empfehlung und keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Fragen zur eigenen Gesundheit gehören zu einer Fachperson.
Redaktion & Quellen · Fachredaktion der Sanasis AG · zuletzt aktualisiert am 10.08.2026. Fachliteratur über PubMed und Europe PMC recherchiert, jede Quelle über Crossref bestätigt.
1 PharmaWiki: Dimethylsulfoxid (DMSO). Schweizer Fachinformation zu Stoffdaten, Metabolismus und Zulassungslage. pharmawiki.ch ↩
2 Johnson L et al. (2026): Dose-dependent effects of dimethyl sulfoxide (DMSO; Me2SO) for platelet cryopreservation: 10% Me2SO provides superior cryoprotection. Cryobiology 124:105649. PMID 42208365. doi.org/10.1016/j.cryobiol.2026.105649 ↩
3 Iranitalab M, Ouanounou A (2026): Drug-Related Halitosis: A Narrative Review. International Dental Journal 76(2):109332. PMID 41519682. doi.org/10.1016/j.identj.2025.109332 ↩
Die referierten Arbeiten sind stoffliche und verfahrenstechnische Untersuchungen. Ihre Nennung dient der Belegführung und begründet keinen gesundheitsbezogenen Anspruch.