Ephedra (Meerträubel): Botanik, Alkaloide, Rechtslage
Ephedra (deutsch Meerträubel) ist eine Gattung strauchiger Nacktsamer aus der Familie der Ephedraceae. Die Pflanzen bilden in Rinde und grünen Ruten Alkaloide, darunter Ephedrin und Pseudoephedrin. In der Schweiz führt die Lebensmittelgesetzgebung Ephedra spp. auf der Liste der Pflanzen, deren Verwendung in Lebensmitteln nicht zulässig ist.
Dieser Lexikoneintrag beschreibt Meerträubel botanisch, chemisch und rechtlich. Er beschreibt keine Anwendung am Menschen und keine Dosierung. Sanasis führt keine Erzeugnisse mit Ephedra.
Eine Pflanze, die aus der Reihe fällt
Meerträubel sieht aus wie ein Schachtelhalm und ist doch ein Samenstrauch. Die Gattung gehört nicht zu den Blütenpflanzen. Sie zählt zu den Nacktsamern, wie Kiefer und Eibe.
Nacktsamer heissen so, weil die Samenanlage frei auf einer Schuppe sitzt. Sie ist nicht von einem Fruchtknoten umschlossen. Bei Meerträubel umgeben fleischige Hüllschuppen den reifen Samen. Bei einigen Arten werden sie rot und wirken wie kleine Beeren. Daher stammt der deutsche Name.
Auffällig ist der Bau der Sprosse. Die Blätter sind zu winzigen Schuppen zurückgebildet, meist zu zweien am Knoten. Die Photosynthese übernehmen die grünen, gerillten Ruten. Diese Bauweise spart Wasser und passt zu trockenen Standorten.
Steckbrief
| Wissenschaftlicher Name | Ephedra Tourn. ex L. |
| Deutsche Bezeichnung | Meerträubel |
| Familie | Ephedraceae |
| Ordnung / Klasse | Ephedrales / Gnetopsida |
| Artenzahl | rund 80 akzeptierte Arten |
| Wuchsform | Sträucher und Halbsträucher, selten Kletterpflanzen |
| Verbreitung | Trockengebiete Eurasiens, Nordafrikas sowie Nord- und Südamerikas |
| Kennzeichnende Stoffe | Ephedrin-Alkaloide (artabhängig, nicht in allen Arten) |
| Status Lebensmittelrecht CH | in Lebensmitteln nicht zulässig, alle Pflanzenteile |
Die systematische Einordnung
Meerträubel steht in einer kleinen, alten Verwandtschaftsgruppe. Zu ihr gehören nur drei Gattungen, die äusserlich kaum etwas gemeinsam haben.
Die drei Gattungen wirken wie Fremde. Gnetum bildet Lianen in tropischen Wäldern. Welwitschia besteht aus zwei bandförmigen Blättern in der Namib-Wüste. Ephedra ist ein rutenförmiger Trockenstrauch. Gemeinsam ist ihnen der Bau der Fortpflanzungsorgane.
Wo Meerträubel wächst
Die Gattung besiedelt trockene, offene Standorte. Dazu gehören Halbwüsten, Steppen, Geröllhänge und Küstendünen. Einige Arten steigen im Gebirge über 4000 Meter.
Das Verbreitungsgebiet ist weit gestreut und dabei lückenhaft. Es umfasst den Mittelmeerraum, Vorder- und Zentralasien, China, Nordafrika sowie das westliche Nord- und Südamerika. In Mitteleuropa fehlt die Gattung weitgehend. Am Alpensüdrand und in Südtirol kommt Ephedra in Trockenlagen vor.
Die Pflanzen sind meist zweihäusig. Männliche und weibliche Zapfen sitzen auf verschiedenen Exemplaren. Für einen Samenansatz braucht es daher beide Geschlechter am Standort.
Die Ephedrin-Alkaloide
Alkaloide sind stickstoffhaltige Pflanzenstoffe mit basischer Reaktion. Meerträubel bildet eine Gruppe verwandter Alkaloide. Die bekanntesten sind Ephedrin und Pseudoephedrin. Daneben treten Norephedrin und Methylephedrin auf.
Der Gehalt schwankt stark. Er hängt von der Art, dem Pflanzenteil und dem Standort ab. Manche Arten enthalten keine nachweisbaren Mengen. Aus diesem Grund lässt sich von der Gattung nicht auf einen einzelnen Stoffgehalt schliessen.
Zwei Stoffe, eine Formel
Ephedrin und Pseudoephedrin sind chemisch enger verwandt, als es die Namen zeigen. Beide haben die Summenformel C10H15NO und eine molare Masse von 165,23 g/mol. Sie unterscheiden sich nur in der räumlichen Anordnung an einem Kohlenstoffatom.
| Ephedrin | Pseudoephedrin | |
| Summenformel | C10H15NO | C10H15NO |
| Molare Masse | 165,23 g/mol | 165,23 g/mol |
| Konfiguration | (1R,2S) | (1S,2S) |
| PubChem-Kennung | CID 9294 | CID 7028 |
Stoffe mit gleicher Formel und unterschiedlicher räumlicher Anordnung nennt man Stereoisomere. Weil sich hier nur eines von zwei Zentren unterscheidet, sind die beiden Diastereomere. Das ist kein Detail für Fachleute allein: Die räumliche Form entscheidet darüber, wie ein Stoff im Körper erkannt wird.
Rechtliche Einstufung in der Schweiz
Für Lebensmittel ist die Lage eindeutig. Die Verordnung des EDI über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft, Pilze und Speisesalz führt in Anhang 1 eine Liste von Pflanzen. Deren Verwendung in Lebensmitteln ist nicht zulässig. Meerträubel steht auf dieser Liste.
Der Eintrag lautet im Wortlaut: Ephedra spp. — deutsche Bezeichnung «Meerträubel, Ephedra» — betroffene Pflanzenteile: «Alle Pflanzenteile».
Zwei Punkte werden dabei oft falsch wiedergegeben. Der Eintrag nennt Ephedra spp., also die gesamte Gattung und nicht nur die Art Ephedra sinica. Und die Liste steht in Anhang 1 der Verordnung über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft — nicht in der Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel, die umgekehrt mit einer Liste zulässiger Stoffe arbeitet.
Die Liste gilt für alle Pflanzenteile und für Zubereitungen daraus. Ein Auszug, ein Pulver oder ein Tee fällt ebenso darunter wie das frische Kraut. Damit sind Nahrungsergänzungsmittel mit Meerträubel in der Schweiz nicht verkehrsfähig.
Warum die Gattung auf der Liste steht
Der Grund liegt im Wirkungsprofil der Alkaloide. Sie greifen bereits in kleinen Mengen in Kreislauf und Nervensystem ein. Stoffe mit diesem Profil gehören in die Hand der Arzneimittelbehörden. Das Lebensmittelrecht zieht die Grenze deshalb vor dem Lebensmittel.
Die Liste in Anhang 1 folgt einem einfachen Gedanken. Sie nennt Pflanzen, die in niedriger Dosis stark wirken. Neben Meerträubel stehen dort etwa Fingerhut, Stechapfel und Eisenhut. Die Einordnung sagt nichts über Nutzen oder Schaden im Einzelfall. Sie sagt, dass die Beurteilung nicht in das Lebensmittelrecht gehört.
Namen und Verwechslungen
- Meerträubel und Meerträubchen bezeichnen dieselbe Gattung. Beide Formen sind im Deutschen gebräuchlich.
- Ma Huang ist der chinesische Name für Drogen aus asiatischen Arten. Er bezeichnet kein Lebensmittel.
- Ephedra ist nicht Ephedrin. Ephedra ist die Pflanzengattung, Ephedrin einer ihrer Inhaltsstoffe. Die Gleichsetzung ist ein häufiger Fehler.
- Meerträubel ist kein Schachtelhalm. Die Ähnlichkeit der Sprosse ist eine Anpassung an Trockenheit, keine Verwandtschaft.
- Ephedra-Arten sind keine Nadelbäume, stehen aber näher bei Kiefer und Eibe als bei den Blütenpflanzen.
Häufige Fragen
Was ist Ephedra?
Ephedra ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Ephedraceae, deutsch Meerträubel. Es sind rutenförmige Sträucher aus Trockengebieten. Botanisch zählen sie zu den Nacktsamern und damit nicht zu den Blütenpflanzen.
Darf Ephedra in der Schweiz in Lebensmitteln verwendet werden?
Nein. Anhang 1 der Verordnung des EDI über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft, Pilze und Speisesalz führt Ephedra spp. mit allen Pflanzenteilen auf. Die Liste nennt Pflanzen, deren Verwendung in Lebensmitteln nicht zulässig ist. Das schliesst Nahrungsergänzungsmittel ein.
Betrifft das Verbot nur Ephedra sinica?
Nein, es betrifft die ganze Gattung. Der Eintrag lautet Ephedra spp., die Kurzform für alle Arten einer Gattung. Angaben, die nur Ephedra sinica nennen, geben den Wortlaut unvollständig wieder.
Worin unterscheiden sich Ephedrin und Pseudoephedrin?
Nur in der räumlichen Anordnung an einem Kohlenstoffatom. Ephedrin ist (1R,2S) konfiguriert, Pseudoephedrin (1S,2S). Summenformel und molare Masse sind bei beiden gleich. Chemisch sind sie Diastereomere.
Woher kommt der Name Meerträubel?
Von den Samen. Bei mehreren Arten umgeben fleischige Hüllschuppen den reifen Samen und färben sich rot. Sie sehen dann wie kleine Träubchen aus. Mit Trauben oder Weinreben ist die Gattung nicht verwandt.
Führt Sanasis Produkte mit Ephedra?
Nein. Meerträubel ist in Lebensmitteln nicht zulässig und daher in unserem Sortiment nicht vertreten. Dieser Eintrag dient der Einordnung des Begriffs.
Quellen
- Verordnung des EDI über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft, Pilze und Speisesalz (VLpH), SR 817.022.17, Anhang 1 zu Art. 3: «Liste der Pflanzen, Pflanzenteile und daraus hergestellter Zubereitungen, deren Verwendung in Lebensmitteln nicht zulässig ist», geprüfte Fassung Stand 1. Juli 2020.
- Global Biodiversity Information Facility (GBIF), Backbone Taxonomy: Ephedra sinica Stapf, usageKey 2653377; Gattung Ephedra, usageKey 2653237.
- World Flora Online (WFO): Ephedra Tourn. ex L., Einordnung Gnetidae / Ephedrales / Ephedraceae.
- PubChem, National Library of Medicine: Ephedrin CID 9294; Pseudoephedrin CID 7028.
Redaktion Sanasis AG. Botanische Angaben nach GBIF und World Flora Online, Stoffdaten nach PubChem, rechtliche Einordnung nach der VLpH im Wortlaut der geprüften Fassung. Dieser Eintrag beschreibt eine Pflanzengattung und keine Anwendung am Menschen.