Fluorid: Vorkommen, Zahnmineralisierung und Rechtslage
Fluorid ist die Ionenform des chemischen Elements Fluor. In der Schweiz nehmen die meisten Menschen Fluorid über fluoridiertes Speisesalz und über Zahnpflegemittel auf. Für Fluorid gibt es eine einzige zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Als Nährstoff für Nahrungsergänzungsmittel ist Fluorid in der Schweiz dagegen nicht zugelassen.
Dieser Lexikoneintrag ordnet den Begriff ein. Sanasis führt kein Fluoridpräparat. Der Eintrag beschreibt keine Anwendung und keine Menge zur Einnahme.
Fluor und Fluorid sind nicht dasselbe
Fluor ist ein Element aus der Gruppe der Halogene. In reiner Form ist es ein sehr reaktionsfreudiges Gas. So kommt es in der Natur praktisch nicht vor.
Fluorid ist das dazugehörige Ion. Es entsteht, wenn ein Fluoratom ein Elektron aufnimmt. In dieser Form ist Fluor in Mineralien, im Wasser und in Lebensmitteln gebunden. Wenn im Alltag von Fluorid die Rede ist, sind immer Verbindungen gemeint, etwa Natriumfluorid oder Calciumfluorid.
Die Verwechslung der beiden Begriffe führt regelmässig zu Missverständnissen. Aussagen über das Gas Fluor lassen sich nicht auf das Fluoridion übertragen.
Steckbrief
| Element | Fluor, Symbol F, Ordnungszahl 9 |
| Ionenform | Fluorid, F− |
| Gruppe | Halogene |
| Referenzmenge (NRV) | 3,5 mg pro Tag |
| Zugelassene Angaben | eine |
| Status Nahrungsergänzung CH | nicht als zulässiger Mineralstoff gelistet |
| Hauptquellen in der Schweiz | fluoridiertes Speisesalz, Zahnpflegemittel |
Der Schweizer Sonderweg: Salz statt Wasser
Viele Länder setzen auf fluoridiertes Trinkwasser. Die Schweiz hat einen anderen Weg gewählt. Hier wird seit Jahrzehnten Speisesalz fluoridiert.
Basel-Stadt war der letzte Kanton mit fluoridiertem Trinkwasser. Im Jahr 2003 stellte er auf Salzfluoridierung um. Seither gibt es in der Schweiz keine Trinkwasserfluoridierung mehr.
Fluoridiertes Speisesalz ist im Handel klar gekennzeichnet. Nicht fluoridiertes Salz steht überall daneben. Wer Fluorid meiden möchte, hat also die Wahl.
Die eine zugelassene Angabe
Gesundheitsbezogene Angaben zu Nährstoffen sind amtlich festgelegt. Sie dürfen nur im festgelegten Wortlaut verwendet werden. Für Fluorid gibt es genau eine solche Angabe.
Zugelassener Wortlaut: «Fluorid trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei.»
Bedingung: Das Lebensmittel muss je Tagesmenge mindestens 15 Prozent der Referenzmenge enthalten. Bei einer Referenzmenge von 3,5 mg sind das 0,53 mg.
Die Angabe spricht von Erhaltung der Zahnmineralisierung. Sie spricht nicht von Vorbeugung einer Erkrankung. Aussagen über die Verhütung von Karies gehören in den Bereich der Zahnmedizin und nicht auf ein Lebensmittel.
Warum es kein Fluorid-Nahrungsergänzungsmittel gibt
Für Nahrungsergänzungsmittel gilt eine eigene Verordnung. Sie enthält eine abschliessende Liste der Vitamine und Mineralstoffe, die zugesetzt werden dürfen. Bei den Mineralstoffen sind das:
- Bor, Calcium, Chlorid, Chrom, Eisen, Jod, Kalium, Kupfer
- Magnesium, Mangan, Molybdän, Phosphat, Selen, Silicium, Zink
Fluorid steht nicht auf dieser Liste. Es darf einem Nahrungsergänzungsmittel in der Schweiz deshalb nicht als Nährstoff zugesetzt werden. Aus diesem Grund führt Sanasis kein Fluoridpräparat.
Ein Punkt wird dabei oft verwechselt. Fluorid hat eine Referenzmenge von 3,5 mg. Diese Referenzmenge dient der Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln allgemein. Eine Referenzmenge zu haben und als Zusatz für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen zu sein, sind zwei verschiedene Dinge.
Zahnpasta ist Kosmetik
Zahnpasta, Mundspülung und Fluoridgel sind keine Lebensmittel. Sie gelten als kosmetische Mittel und unterstehen der Kosmetikgesetzgebung. Für sie gelten andere Regeln als für Nahrungsergänzungsmittel.
Das erklärt eine häufige Frage. Auf einer Zahnpastapackung dürfen Aussagen stehen, die auf einem Lebensmittel nicht zulässig wären. Der Grund ist nicht der Stoff, sondern die Produktkategorie.
Wenn es zu viel wird
Wie bei jedem Mineralstoff gibt es auch bei Fluorid eine Obergrenze. Eine dauerhaft zu hohe Aufnahme während der Zahnentwicklung kann zu Zahnfluorose führen. Sichtbar wird sie als weisse Flecken oder Streifen auf dem Zahnschmelz.
Betroffen ist nur die Zeit, in der sich die bleibenden Zähne bilden. Bei Erwachsenen entsteht keine Zahnfluorose mehr. Wer sich unsicher ist, bespricht die Fluoridaufnahme von Kindern mit der Zahnärztin oder dem Zahnarzt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Fluor und Fluorid?
Fluor ist das chemische Element und als reines Gas sehr reaktionsfreudig. Fluorid ist die Ionenform, in der Fluor in Mineralien, Wasser und Lebensmitteln gebunden vorliegt. Im Alltag ist immer Fluorid gemeint.
Gibt es Fluorid als Nahrungsergänzungsmittel?
In der Schweiz nicht. Die Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel führt eine abschliessende Liste zulässiger Mineralstoffe, und Fluorid steht nicht darauf. Fluoridtabletten aus der Zahnmedizin sind keine Nahrungsergänzungsmittel.
Welche Aussage darf über Fluorid gemacht werden?
Nur der amtlich festgelegte Wortlaut «Fluorid trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei». Voraussetzung sind mindestens 15 Prozent der Referenzmenge je Tagesmenge, also 0,53 mg.
Wird in der Schweiz das Trinkwasser fluoridiert?
Nein. Basel-Stadt war der letzte Kanton mit fluoridiertem Trinkwasser und stellte 2003 auf fluoridiertes Speisesalz um. Seither gibt es in der Schweiz keine Trinkwasserfluoridierung.
Wie erkenne ich fluoridiertes Speisesalz?
An der Verpackung. Fluoridiertes Salz ist als solches gekennzeichnet, und nicht fluoridiertes Salz ist überall erhältlich. Die Wahl liegt beim Haushalt.
Führt Sanasis Fluoridprodukte?
Nein. Da Fluorid für Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen ist, führen wir kein entsprechendes Präparat. Dieser Eintrag dient der Einordnung des Begriffs.
Quellen
- Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (VNem), SR 817.022.14, Anhang 1 Teil A Ziffer 2: Liste der zulässigen Mineralstoffe mit den für Erwachsene zugelassenen Höchstmengen.
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV), SR 817.022.16, Anhang 14 «Zulässige gesundheitsbezogene Angaben», Stand 1. Juli 2025, Eintrag Fluorid: «Fluorid trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei.» Die Wortlaute sind nach Art. 31 Abs. 2 LIV wortgetreu zu verwenden.
- LIV, SR 817.022.16, Anhang 10: Referenzmengen für die Nährwertkennzeichnung, Fluorid 3,5 mg; Anhang 13 Ziffer 28 zur Bedingung «Quelle von» (mindestens 15 Prozent der Referenzmenge).
- Kanton Basel-Stadt, Gesundheitsdepartement: Medienmitteilung «Umstellung von der Trinkwasser- zur Salzfluoridierung in Basel», 2003.
- Swiss Dental Journal SSO, «Update Fluorid», Vol. 130, 2020.
Redaktion Sanasis AG. Rechtliche Einordnung nach VNem und LIV im geprüften Wortlaut, zahnmedizinischer Hintergrund nach dem Swiss Dental Journal. Dieser Eintrag beschreibt einen Mineralstoff und ersetzt keine zahnärztliche Beratung.