Folsäure und Folat: Begriffe, Angaben, Mengen
Folat ist die Sammelbezeichnung für Vitamin B9 in allen seinen Formen. Folsäure ist eine bestimmte, synthetisch hergestellte Form davon. Im Lebensmittelrecht ist die Unterscheidung wichtig: Die zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben lauten durchgängig auf Folat.
Dieser Lexikoneintrag erklärt die Begriffe, die zugelassenen Angaben und die Mengenvorgaben. Er nennt keine Einnahmeempfehlung.
Folat, Folsäure, Vitamin B9 — drei Wörter, ein Thema
Die drei Begriffe werden im Alltag durcheinandergebracht. Sie meinen nicht genau dasselbe.
| Vitamin B9 | Die Vitaminbezeichnung. Umgangssprachlich und in der Werbung gebräuchlich. |
| Folat | Der Oberbegriff für alle natürlich vorkommenden und synthetischen Formen. Der amtliche Begriff in den zugelassenen Angaben. |
| Folsäure | Eine einzelne, stabile Form. Chemisch Pteroylglutaminsäure. Wird für die Anreicherung und für Nahrungsergänzungsmittel verwendet. |
Der Name geht auf das lateinische Wort für Blatt zurück. Er verweist auf die Herkunft: Das Vitamin wurde erstmals aus Blattgemüse gewonnen.
Die Namensfalle im Recht
Gesundheitsbezogene Angaben sind amtlich festgelegt. Sie dürfen nur im festgelegten Wortlaut verwendet werden. Genau hier liegt eine Stolperstelle.
In der amtlichen Liste steht der Nährstoff als «Folat». Das Wort «Folsäure» kommt in keinem einzigen zugelassenen Wortlaut vor.
Wer eine Angabe mit «Folsäure trägt zu …» formuliert, gibt den Wortlaut nicht korrekt wieder. Als Bezeichnung der enthaltenen Verbindung — etwa in der Zutatenliste — ist «Folsäure» dagegen richtig.
Die acht zugelassenen Angaben
Für Folat sind acht Angaben zugelassen. Sie gelten, wenn ein Erzeugnis je Tagesmenge mindestens 15 Prozent der Referenzmenge enthält. Die Referenzmenge beträgt 200 Mikrogramm, die Schwelle also 30 Mikrogramm.
- Folat trägt zu einer normalen Blutbildung bei.
- Folat trägt zu einer normalen Aminosäuresynthese bei.
- Folat trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei.
- Folat trägt zur normalen psychischen Funktion bei.
- Folat trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Folat trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.
- Folat hat eine Funktion bei der Zellteilung.
- Folat trägt zum Wachstum des mütterlichen Gewebes während der Schwangerschaft bei.
Die neunte Angabe folgt eigenen Regeln
Neben den acht Angaben gibt es eine weitere. Sie gehört zu einer besonderen Gruppe: den Angaben über die Verringerung eines Krankheitsrisikos. Für sie gelten strengere Bedingungen.
Diese Angabe ist die einzige zu Folat, die einen Krankheitsbezug herstellen darf. Möglich ist das nur, weil sie amtlich in genau dieser Form zugelassen wurde. Eine eigene Umformulierung wäre nicht zulässig.
Mengen und zulässige Verbindungen
| Referenzmenge (NRV) | 200 µg pro Tag |
| Schwelle für eine Angabe (15 Prozent) | 30 µg je Tagesmenge |
| Mindestmenge für die Risikoangabe | 400 µg je Tagesmenge |
| Höchstmenge in Nahrungsergänzungsmitteln | 750 µg pro Tag |
Für Nahrungsergänzungsmittel sind drei Verbindungen zugelassen: Pteroylglutaminsäure, Calcium-L-methylfolat sowie (6S)-5-Methyltetrahydrofolsäure als Glucosaminsalz. Welche davon verwendet wird, steht in der Zutatenliste des jeweiligen Erzeugnisses.
Warum es überhaupt zwei Begriffe gibt
Der Unterschied zwischen Folat und Folsäure ist nicht nur sprachlich. Die Formen verhalten sich im Körper unterschiedlich.
Natürliches Folat aus Lebensmitteln liegt meist als Polyglutamat vor. Das heisst, an das Grundgerüst sind mehrere Glutaminsäure-Reste angehängt. Diese Kette muss im Darm erst abgespalten werden, bevor das Vitamin aufgenommen werden kann.
Folsäure trägt dagegen nur einen einzigen Glutaminsäure-Rest. Sie ist als Monoglutamat stabiler und wird gleichmässiger aufgenommen. Aus diesem Grund wird sie für angereicherte Lebensmittel und für Nahrungsergänzungsmittel verwendet.
In der Ernährungswissenschaft wird deshalb mit Folat-Äquivalenten gerechnet. Diese Grösse führt die verschiedenen Formen auf eine gemeinsame Bezugsgrösse zurück. Im Lebensmittelrecht spielt sie keine Rolle: Dort zählt die deklarierte Menge je Tagesmenge, und die Angaben lauten einheitlich auf Folat.
Wo Folat in Lebensmitteln vorkommt
Der Name gibt den Hinweis: vor allem in Blättern. Dazu gehören Spinat, Feldsalat, Grünkohl und andere Blattgemüse. Auch Hülsenfrüchte, Kohlarten, Eigelb und Leber liefern nennenswerte Mengen.
Folat ist empfindlich. Es reagiert auf Hitze, Licht und langes Wässern. Beim Kochen geht ein erheblicher Teil in das Kochwasser über. Kurze Garzeiten und wenig Wasser erhalten mehr davon.
Häufige Fragen
Ist Folsäure dasselbe wie Folat?
Nicht ganz. Folat ist der Oberbegriff für alle Formen von Vitamin B9. Folsäure ist eine einzelne, synthetisch hergestellte Form, chemisch Pteroylglutaminsäure.
Warum steht in den Angaben immer «Folat»?
Weil die amtliche Liste den Nährstoff so bezeichnet. Die Wortlaute sind wortgetreu zu verwenden. «Folsäure trägt zu …» wäre deshalb keine korrekte Wiedergabe.
Wie viel Folat braucht es für eine Angabe?
Mindestens 15 Prozent der Referenzmenge je Tagesmenge, also 30 Mikrogramm. Für die Angabe zur Schwangerschaft und zum Neuralrohr sind es 400 Mikrogramm.
Gibt es eine Obergrenze?
Ja. Für Nahrungsergänzungsmittel liegt die zugelassene Höchstmenge bei 750 Mikrogramm pro Tag.
Was ist Methylfolat?
Eine der drei für Nahrungsergänzungsmittel zugelassenen Verbindungen, genauer Calcium-L-methylfolat und (6S)-5-Methyltetrahydrofolsäure als Glucosaminsalz. Rechtlich zählen alle drei als Folat.
Geht Folat beim Kochen verloren?
Ein Teil davon. Folat reagiert empfindlich auf Hitze und Licht und geht beim Kochen teilweise in das Wasser über. Kurze Garzeiten und wenig Kochwasser erhalten mehr.
Quellen
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV), SR 817.022.16, Anhang 14 «Zulässige gesundheitsbezogene Angaben», Stand 1. Juli 2025, Einträge zu Folat einschliesslich der Angabe zur Verringerung eines Krankheitsrisikos. Wortgetreue Verwendung nach Art. 31 Abs. 2 LIV.
- LIV, SR 817.022.16, Anhang 10: Referenzmenge Folsäure 200 µg; Anhang 13 Ziffer 28 zur Bedingung «Quelle von» (mindestens 15 Prozent der Referenzmenge).
- Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (VNem), SR 817.022.14, Anhang 1: Höchstmenge Folsäure 750 µg je empfohlener täglicher Verzehrsmenge; zugelassene Verbindungen Pteroylglutaminsäure, Calcium-L-methylfolat, (6S)-5-Methyltetrahydrofolsäure als Glucosaminsalz.
Redaktion Sanasis AG. Rechtliche Einordnung nach LIV und VNem im geprüften Wortlaut. Dieser Eintrag erklärt Begriffe und Rechtslage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Fragen zur Einnahme in der Schwangerschaft gehören in die ärztliche Betreuung.