Gotu Kola: Botanik, Namen und Warenkunde
Gotu Kola ist ein Handelsname für Centella asiatica (L.) Urb., eine niederliegend wachsende Art aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Verwendet wird das oberirdische Kraut. Kennzeichnend für die Art sind Triterpene, die man als Centelloside bezeichnet. Für Gotu Kola gibt es keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.
Dieser Lexikoneintrag beschreibt die Pflanze botanisch, warenkundlich und rechtlich. Er beschreibt keine Wirkung und keine Anwendung am Menschen.
Der Name führt in die Irre
«Gotu Kola» klingt nach Kola. Mit der Kolanuss hat die Pflanze jedoch nichts zu tun. Die Kolanuss stammt von Cola nitida und Cola acuminata aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae), Ordnung Malvales.
Nach der Taxonomie-Datenbank GBIF steht Centella asiatica dagegen in der Ordnung Apiales. Die beiden Gruppen trennt also nicht nur die Gattung, sondern die ganze Ordnung.
Auch stofflich fehlt die Brücke. Für Kolanüsse wurde ein Coffeingehalt von 18 bis 24 Gramm je Kilogramm bestimmt. Coffein zählt bei Centella asiatica nicht zu den kennzeichnenden Inhaltsstoffen; dort stehen Triterpene im Vordergrund.
Verwandt mit Karotte, Sellerie und Petersilie
Die Apiaceae sind die Familie der Doldenblütler. Zu ihr gehören auch Karotte (Daucus carota L.), Sellerie (Apium graveolens L.) und Petersilie (Petroselinum crispum).
Eine Arbeit von 2024 hat die Bildung der Zuckerkette an den Centellosiden aufgeklärt. Am Kohlenstoff 28 des Triterpengerüsts hängt eine Kette aus Glucose, Glucose und Rhamnose.
Die beiden dafür zuständigen Enzyme liegen in Apiaceae und Araliaceae als benachbarte Genkopien vor. Die Autoren schliessen daraus auf einen gemeinsamen Ursprung in den frühen Vorfahren der Ordnung Apiales.
«Brahmi» meint zwei verschiedene Pflanzen
Im Handel taucht Gotu Kola häufig unter dem Namen Brahmi auf. Derselbe Name steht in Teilen Indiens aber auch für Bacopa monnieri (L.) Pennell. Das ist eine andere Art aus der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae), Ordnung Lamiales.
Eine Untersuchung von 2025 hat diese Verwechslung an Handelsware nachgewiesen. Die Forschenden kombinierten Mikroskopie, Dünnschichtchromatografie und eine DNA-Methode. Sechs Proben waren korrekt deklariert. Eine als Centella asiatica verkaufte Probe war Hydrocotyle umbellata L., eine weitere enthielt zusätzlich Bacopa monnieri.
Steckbrief
| Wissenschaftlicher Name | Centella asiatica (L.) Urb. |
| Familie / Ordnung | Doldenblütler (Apiaceae) / Apiales |
| Früherer Name | Hydrocotyle asiatica L. — heute ein Synonym |
| Deutsche Namen | Indischer Wassernabel, Asiatisches Sumpfpfennigkraut |
| Weitere Namen | Asiatic Pennywort (englisch), Pegagan (Indonesien), Rau má (Vietnam), Ji xue cao (China) |
| Verwandte Küchenpflanzen | Karotte, Sellerie, Petersilie |
| Verwendeter Teil | oberirdisches Kraut mit Blättern und Blattstielen |
| Kennzeichnende Stoffgruppe | Triterpene (Centelloside) |
| Zugelassene Angaben | keine |
Die vier Centelloside
Als Centelloside fasst man vier Triterpene zusammen. Zwei davon sind freie Säuren, zwei tragen die erwähnte Zuckerkette und heissen deshalb Glykoside. Die Angaben stammen aus der Stoffdatenbank PubChem.
| Asiaticosid | C48H78O19, 959,1 g/mol, PubChem CID 11954171 |
| Madecassosid | C48H78O20, 975,1 g/mol, PubChem CID 24825675 |
| Asiatsäure | C30H48O5, 488,7 g/mol, PubChem CID 119034 |
| Madecassinsäure | C30H48O6, 504,7 g/mol, PubChem CID 73412 |
Die Gehalte schwanken stark. Eine Untersuchung von 2022 hat 50 Herkünfte aus Südindien sechs Generationen lang unter gleichen Bedingungen angebaut und vermessen.
- Madecassosid: 0,15 bis 5,27 Prozent, im Mittel 1,59 Prozent
- Asiaticosid: 0,04 bis 2,41 Prozent, im Mittel 0,44 Prozent
- Madecassinsäure: 0,02 bis 0,72 Prozent, im Mittel 0,12 Prozent
- Asiatsäure: 0,00 bis 0,29 Prozent, im Mittel 0,03 Prozent — bei 28 der 50 Herkünfte lag der Wert bei null
Die zuckertragenden Formen überwogen die freien Säuren deutlich. Als industriellen Richtwert nennt die Arbeit eine Summe aus Asiaticosid und Madecassosid von mindestens vier Prozent. Sechs der 50 Herkünfte erreichten diesen Wert.
Herkunft und Verbreitung
Die Art ist heute weltweit in den Tropen und Subtropen zu finden. In der Fundmeldungs-Datenbank GBIF lagen im August 2026 über 26 000 Nachweise vor. Die meisten stammen aus Australien, Taiwan, den USA, Réunion, Brasilien, China und Südafrika.
Ein Teil davon geht auf Einschleppung zurück. Für Vanuatu, die Seychellen, Kuba und Samoa führen nationale Register die Art als eingeführt.
Die Volksnamen Wassernabel, Sumpfpfennigkraut und Pennywort verweisen auf feuchte Böden und Gewässerränder.
Warenkunde
- Getrocknetes Kraut: ganze oder geschnittene Blätter mit Stielen, meist als lose Ware.
- Teeaufguss: in mehreren asiatischen Ländern gebräuchlich, auch als Fertigmischung.
- Extrakt: Pulver oder Flüssigextrakt, in der Regel auf die Centelloside eingestellt.
- Einkauf: Massgeblich ist der botanische Name auf der Packung, nicht der Handelsname.
- Verwechslungsrisiko: Bei Ware unter dem Namen Brahmi bleibt die Art ohne botanischen Namen offen.
Rechtliche Einordnung
Gesundheitsbezogene Angaben zu Lebensmitteln sind in der Schweiz amtlich festgelegt. Anhang 14 der Verordnung über die Information über Lebensmittel führt sie abschliessend auf. Zu Centella asiatica und Gotu Kola steht dort kein Eintrag.
Ein zweiter Punkt betrifft Nahrungsergänzungsmittel. Welche Stoffe zugesetzt werden dürfen, regelt die Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel. Gotu Kola ist in diesen Stofflisten nicht aufgeführt.
Drittens gibt es eine Liste unzulässiger Pflanzenteile. Anhang 1 der Verordnung über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft enthält keinen Eintrag zu dieser Art.
Daraus ergibt sich eine klare Trennung:
Als Lebensmittel, etwa als Kraut oder Teeaufguss, ist die Art nicht verboten.
Als Zusatz in einem Nahrungsergänzungsmittel ist sie dagegen nicht vorgesehen. Sanasis führt deshalb kein Erzeugnis mit Gotu Kola.
Häufige Fragen
Enthält Gotu Kola Coffein?
Coffein gehört nicht zu den kennzeichnenden Inhaltsstoffen von Centella asiatica. Die Kolanuss stammt von einer anderen Pflanze aus einer anderen Ordnung.
Ist Gotu Kola dasselbe wie Brahmi?
Nicht zwingend. Der Name Brahmi steht in Indien sowohl für Centella asiatica als auch für Bacopa monnieri. Die beiden Arten stehen in verschiedenen Familien. Nur der botanische Name schafft Klarheit.
Was bedeutet der Handelsname Tigergras?
Tigergras ist eine Marktbezeichnung ohne botanischen Rang. Unter den 174 Volksnamen, die GBIF zu dieser Art führt, ist er nicht verzeichnet. Dort stehen für den deutschen Sprachraum Indischer Wassernabel und Asiatisches Sumpfpfennigkraut.
Gibt es zugelassene gesundheitsbezogene Angaben zu Gotu Kola?
Nein. In der amtlichen Liste der zulässigen gesundheitsbezogenen Angaben ist die Art nicht aufgeführt. Aussagen über eine gesundheitliche Wirkung sind in der Werbung deshalb nicht zulässig.
Quellen
- Global Biodiversity Information Facility (GBIF), Backbone Taxonomy: Centella asiatica (L.) Urb., usageKey 3034128 (Apiaceae, Apiales); Hydrocotyle asiatica L., usageKey 7926954, Synonym; Bacopa monnieri (L.) Pennell, usageKey 3171169 (Plantaginaceae, Lamiales); Hydrocotyle umbellata L., usageKey 3034614 (Araliaceae, Apiales); Cola nitida (Vent.) Schott & Endl., usageKey 5406687, und Cola acuminata (P.Beauv.) Schott & Endl., usageKey 5406685 (beide Malvaceae, Malvales); Daucus carota L., usageKey 3034742; Apium graveolens L., usageKey 5371879; Petroselinum crispum (Mill.) Fuss, usageKey 7828157. Volksnamen und Fundmeldungen ebenfalls nach GBIF, abgefragt am 11. August 2026.
- Suksawat M., Jittachai W., Gavichai O., Pophanmuen T., Vimolmangkang S., Sitthithaworn W.: «Integrated microscopic, HPTLC, and HRM analyses for differentiating Centella asiatica (L.) Urb., Bacopa monnieri (L.) Wettst, and Hydrocotyle umbellata L.», Scientific Reports, Band 15 (2025), Artikel 21370. DOI 10.1038/s41598-025-06188-2 (doi.org), PMID 40594828 (PubMed).
- Kunjumon R., Johnson A.J., Sukumaryamma Remadevi R.K., Baby S.: «Assessment of major centelloside ratios in Centella asiatica accessions grown under identical ecological conditions, bioconversion clues and identification of elite lines», Scientific Reports, Band 12 (2022), Artikel 8177. DOI 10.1038/s41598-022-12077-9 (doi.org), PMID 35581314 (PubMed).
- Han X., Zhao J., Zhou H., Zhou X., Deng Z., Liu Z., Yu Y.: «The biosynthesis of asiaticoside and madecassoside reveals tandem duplication-directed evolution of glycoside glycosyltransferases in the Apiales», Plant Communications, Band 5 (2024), Artikel 101005. DOI 10.1016/j.xplc.2024.101005 (doi.org), PMID 38902923 (PubMed).
- Atawodi S.E., Pfundstein B., Haubner R., Spiegelhalder B., Bartsch H., Owen R.W.: «Content of polyphenolic compounds in the Nigerian stimulants Cola nitida ssp. alba, Cola nitida ssp. rubra A. Chev, and Cola acuminata Schott & Endl and their antioxidant capacity», Journal of Agricultural and Food Chemistry, Band 55 (2007), S. 9824–9828. DOI 10.1021/jf0721038 (doi.org), PMID 17979235 (PubMed).
- PubChem, National Library of Medicine: Summenformeln und Molmassen zu Asiaticosid (CID 11954171), Madecassosid (CID 24825675), Asiatsäure (CID 119034) und Madecassinsäure (CID 73412).
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV), SR 817.022.16, Anhang 14 «Zulässige gesundheitsbezogene Angaben» — kein Eintrag zu Centella asiatica oder Gotu Kola.
- Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (VNem), SR 817.022.14 — die Art ist in den Stofflisten nicht aufgeführt.
- Verordnung des EDI über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft, Pilze und Speisesalz (VLpH), SR 817.022.17, Anhang 1 — kein Eintrag zu Centella asiatica.
Redaktion Sanasis AG. Botanische Angaben nach GBIF, Stoffdaten nach PubChem, Gehaltsangaben nach der zitierten Untersuchung von 2022, rechtliche Einordnung nach LIV, VNem und VLpH. Dieser Eintrag beschreibt eine Pflanze und keine Anwendung am Menschen.