Griechischer Bergtee: Sideritis, Botanik und Warenkunde
Griechischer Bergtee ist ein Handelsname für das getrocknete, blühende Kraut mehrerer Arten der Gattung Sideritis. Die Gattung gehört zu den Lippenblütlern (Lamiaceae), der Familie von Salbei, Thymian und Minze. Lebensmittelrechtlich ist die Ware kein Tee, sondern ein Kräutertee. Für Sideritis gibt es keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.
Dieser Lexikoneintrag beschreibt die Pflanzen botanisch, warenkundlich und rechtlich. Er beschreibt keine Wirkung und keine Anwendung am Menschen.
Warum Bergtee botanisch kein Tee ist
Der Begriff Tee ist in der Schweiz amtlich festgelegt. Die Verordnung des EDI über Getränke bestimmt in Artikel 58 Absatz 1:
«Tee (grüner, schwarzer und weisser Tee sowie Oolong) sind die nach dem üblichen Verfahren zubereiteten Blattknospen und jungen Blätter des Teestrauches (Camellia sinensis L.).»
Der Teestrauch gehört zur Familie der Teestrauchgewächse (Theaceae). Sideritis steht in einer anderen Familie und in einer anderen Ordnung.
Absatz 4 desselben Artikels regelt den anderen Fall. Kräuter- und Früchtetee sind danach Pflanzenteile oder deren Extrakte, die zusammen mit Wasser ein aromatisches Getränk ergeben. Genau das ist Griechischer Bergtee.
| Tee | Griechischer Bergtee | |
| Pflanze | Camellia sinensis (L.) Kuntze, GBIF usageKey 3189635 | mehrere Arten von Sideritis L., GBIF usageKey 2926685 |
| Familie | Theaceae | Lamiaceae |
| Ordnung | Ericales | Lamiales |
| Verwendeter Teil | Blattknospen und junge Blätter | blühendes Kraut mit Stängel |
| Sachbezeichnung | Tee | Kräutertee |
Woher der Gattungsname stammt
Der Name Sideritis geht auf das griechische Wort «sideros» zurück. Es bedeutet Eisen. Diese Herleitung nennt eine Arbeit von Yanchev und Mitarbeitenden aus dem Jahr 2023.
Ein Handelsname, mehrere Arten
Hinter der Ware steht keine einzelne Art. Die Datenbank GBIF führt in ihrer Referenztaxonomie 213 akzeptierte Arten der Gattung Sideritis. Welche davon in der Packung liegt, hängt vom Gebirgszug und vom Sammelgebiet ab.
Eine Untersuchung von 2023 nennt drei Arten als die in Griechenland verbreitetsten: Sideritis scardica, Sideritis raeseri und Sideritis syriaca. Hinzu kommt unter anderem Sideritis clandestina vom Peloponnes.
Die Namen sind zudem in Bewegung. Sideritis athoa etwa gilt heute als Unterart von Sideritis perfoliata und läuft unter GBIF usageKey 3889407. Auch neue Arten kommen hinzu: 2022 wurde Sideritis elica aus dem Rhodopengebirge beschrieben, 2025 Sideritis carpetana aus der Sierra de Guadarrama in Spanien.
Steckbrief
| Gattung | Sideritis L., GBIF usageKey 2926685 |
| Familie / Ordnung | Lippenblütler (Lamiaceae) / Lamiales |
| Arten in der Gattung | 213 akzeptierte Arten in der GBIF-Referenztaxonomie |
| Handelsübliche Arten | S. scardica Griseb., S. raeseri Boiss. & Heldr., S. syriaca L., S. clandestina (Bory & Chaub.) Hayek |
| Verwendeter Teil | oberirdisches, blühendes Kraut, getrocknet |
| Zubereitung | Aufguss mit heissem Wasser |
| Sachbezeichnung Schweiz | Kräutertee |
| Zugelassene Angaben | keine |
Wo die Pflanzen wachsen
Sideritis scardica ist ein Endemit der Gebirge der Balkanhalbinsel. Im Englischen heisst die Art «mountain tea» oder «Olympus tea». Die Fundmeldungen in GBIF stammen vor allem aus Griechenland, Nordmazedonien, Bulgarien und Albanien.
Die Gattung ist typisch für karge Hochlagen auf Kalk. Die 2025 beschriebene spanische Art Sideritis carpetana etwa wächst auf 1996 Metern über Meer, in kalkreichem Hochgebirgsrasen und auf Marmorschutt. Sie bildet einen Zwergstrauch von bis zu 15 Zentimetern Höhe mit gelben Blüten.
Bei Sideritis syriaca reichen die Fundmeldungen weit über Griechenland hinaus. Die kretische Sippe wird als Unterart geführt und gilt als lokaler Endemit der Insel.
Schutzstatus und Wildsammlung
Für einen Teil der Arten liegen Einstufungen auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion vor. Sie fallen unterschiedlich aus.
- Stark gefährdet (EN): Sideritis euboea Heldr., GBIF usageKey 3891417.
- Gefährdet (VU): Sideritis cypria Post, GBIF usageKey 3891669.
- Potenziell gefährdet (NT): Sideritis scardica und Sideritis clandestina.
- Nicht bewertet (NE): Sideritis raeseri und Sideritis syriaca.
Wie klein einzelne Bestände sein können, zeigt Sideritis elica. Am Fundort im Naturschutzgebiet Chervenata Stena zählten die Autoren nur zwölf Pflanzen und halten Schutzmassnahmen für nötig.
Ein Teil der Ware stammt heute aus Anbau statt aus Wildsammlung. Die untersuchten Ölproben der drei Handelsarten wuchsen in griechischen Kulturen. Auf Kreta läuft ein Pilotanbau mit der lokalen Sippe.
Warenkunde
- Was in der Packung liegt: ganze getrocknete Sprosse mit Blättern und Blütenständen. Anders als bei Tee wird das Kraut nicht geschnitten, sondern als Ganzes aufgegossen.
- Aussehen: Die Arten der Sektion Empedoclia, zu der auch Sideritis scardica zählt, wirken durch die dichte Behaarung graugrün. Die Blüten sind gelb.
- Herkunft prüfen: Eine gute Packung nennt die Art mit botanischem Namen und das Sammel- oder Anbaugebiet. Fehlt beides, bleibt offen, welche Pflanze enthalten ist.
- Aufguss: Kraut mit heissem Wasser übergiessen und ziehen lassen. Die Sachbezeichnung lautet Kräutertee, nicht Tee.
- Lagerung: trocken, verschlossen und vor Licht geschützt.
Die Zusammensetzung schwankt stark. In neun ätherischen Ölen aus den drei genannten Arten wurden insgesamt 165 Bestandteile gefunden. Nur sieben davon kamen in allen neun Proben vor, darunter Linalool und alpha-Terpineol.
Selbst zwei nahe beieinander angebaute Herkünfte unterschieden sich deutlich. Die Autoren führen das auf Boden und Klima zurück. Ein Aufguss von Sideritis scardica wurde separat untersucht; darin liessen sich über 100 Stoffe erfassen. Mengenmässig führend war unter anderem Verbascosid, PubChem CID 5281800, Summenformel C29H36O15, molare Masse 624,6 g/mol.
Rechtliche Einordnung in der Schweiz
Für Kräutertee gilt eine eigene Anforderung. Nach Artikel 59 Absatz 4 der Getränkeverordnung sind dafür nur Kräuter zugelassen, die nicht giftig sind und keine vorwiegende pharmakologische Wirkung aufweisen.
Gesundheitsbezogene Angaben zu Lebensmitteln sind ebenfalls amtlich festgelegt. Zulässig ist nur, was in der Liste steht, und nur im festgelegten Wortlaut. Zu Sideritis oder Bergtee steht dort kein Eintrag.
Ein zweiter Punkt betrifft Nahrungsergänzungsmittel. Welche Stoffe zugesetzt werden dürfen, ist abschliessend geregelt. Sideritis ist in diesen Stofflisten nicht aufgeführt.
Daraus ergibt sich eine klare Trennung:
Als Kräutertee ist Griechischer Bergtee ein gewöhnliches Lebensmittel und verkehrsfähig.
Als Zusatz in einem Nahrungsergänzungsmittel ist er dagegen nicht vorgesehen. Sanasis führt deshalb kein Erzeugnis mit Sideritis.
Häufige Fragen
Ist Griechischer Bergtee ein Tee?
Nein. Tee im Sinne der Schweizer Getränkeverordnung stammt vom Teestrauch Camellia sinensis. Griechischer Bergtee besteht aus Arten der Gattung Sideritis und gilt deshalb als Kräutertee.
Welche Pflanze steckt genau dahinter?
Das hängt von der Herkunft ab. Im griechischen Handel sind vor allem Sideritis scardica, Sideritis raeseri und Sideritis syriaca verbreitet. Die Gattung umfasst nach GBIF 213 akzeptierte Arten.
Was bedeutet der Name Sideritis?
Der Gattungsname geht auf das griechische Wort «sideros» für Eisen zurück. Über die Pflanze selbst sagt der Name nichts aus.
Gibt es zugelassene gesundheitsbezogene Angaben zu Sideritis?
Nein. In der amtlichen Liste der zulässigen gesundheitsbezogenen Angaben ist Sideritis nicht aufgeführt. Aussagen über eine gesundheitliche Wirkung sind in der Werbung daher nicht zulässig.
Quellen
- Global Biodiversity Information Facility (GBIF), Backbone Taxonomy, usageKey 2926685, 3189635, 7307419, 7307453, 7961270, 7307873, 3889407, 3891417 und 3891669. Artenzahl, Fundmeldungen und Einstufungen der Roten Liste über die GBIF-Dienste «species/search», «occurrence/search» und «species/{key}/iucnRedListCategory».
- Kaparakou E.H., Daferera D., Kanakis C.D. et al.: «Chemical Composition of the Essential Oils of Three Popular Sideritis Species Cultivated in Greece», Biomolecules, Band 13 (2023), Artikel 1157. DOI 10.3390/biom13071157 (doi.org), PMID 37509192 (PubMed).
- Zheleva-Dimitrova D., Voynikov Y., Gevrenova R., Balabanova V.: «A Comprehensive Phytochemical Analysis of Sideritis scardica Infusion Using Orbitrap UHPLC-HRMS», Molecules, Band 29 (2023), Artikel 204. DOI 10.3390/molecules29010204 (doi.org), PMID 38202787 (PubMed).
- Paschalidis K., Fanourakis D., Tsaniklidis G. et al.: «DNA Barcoding and Fertilization Strategies in Sideritis syriaca subsp. syriaca», International Journal of Molecular Sciences, Band 25 (2024), Artikel 1891. DOI 10.3390/ijms25031891 (doi.org), PMID 38339166 (PubMed).
- Aneva I., Zhelev P., Bonchev G.: «Sideritis elica, a New Species of Lamiaceae from Bulgaria», Plants, Band 11 (2022), Artikel 2900. DOI 10.3390/plants11212900 (doi.org), PMID 36365353 (PubMed).
- Izquierdo J.L., Magaña Ugarte R., Gutiérrez-Girón A. et al.: «Sideritis carpetana (Labiatae), a new high-mountain Mediterranean species», PhytoKeys, Band 251 (2025), S. 143–159. DOI 10.3897/phytokeys.251.129982 (doi.org), PMID 39867478 (PubMed).
- Yanchev N.B., Delev D.P., Vilmosh N.B., Atanassova P.K., Hrischev P.I.: Folia Medica, Band 65 (2023), S. 638–643 — dort die Herleitung des Gattungsnamens aus dem griechischen «sideros». DOI 10.3897/folmed.65.e86540 (doi.org), PMID 37655384 (PubMed).
- PubChem: Verbascosid, CID 5281800, Summenformel C29H36O15, 624,6 g/mol.
- Verordnung des EDI über Getränke, SR 817.022.12, Artikel 58 und 59 — Begriffe «Tee» und «Kräutertee» sowie Anforderungen an Kräutertee.
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV), SR 817.022.16, Anhang 14 «Zulässige gesundheitsbezogene Angaben» — kein Eintrag zu Sideritis oder Bergtee.
- Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (VNem), SR 817.022.14 — Sideritis ist in den Stofflisten nicht aufgeführt.
Redaktion Sanasis AG. Botanische Angaben nach GBIF, Schutzstatus nach der Roten Liste der Weltnaturschutzunion, Stoffdaten nach den zitierten Untersuchungen und PubChem, rechtliche Einordnung nach der Getränkeverordnung, der LIV und der VNem. Dieser Eintrag beschreibt Pflanzen und ein Lebensmittel, keine Anwendung am Menschen.