Hanföl: Hanfsamenöl, Kaltpressung und Rechtslage
Hanföl ist im Lebensmittelhandel die Kurzform für Hanfsamenöl: ein Speiseöl, das aus den Samen des Hanfs (Cannabis sativa L.) kalt gepresst wird. Es ist nicht dasselbe wie CBD-Öl, das aus Blüten und Blattmaterial gewonnen wird. Für Hanföl gibt es keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.
Dieser Lexikoneintrag beschreibt die Pflanze botanisch, warenkundlich und rechtlich. Er beschreibt keine Anwendung am Menschen.
Eine Pflanze, zwei völlig verschiedene Erzeugnisse
Im Handel kursieren zwei Öle, die beide von derselben Pflanzenart stammen und deren Namen sich ähneln. Verwechselt werden sie trotzdem ständig — auch in Onlineshops und in älteren Lexikontexten.
Der Unterschied liegt nicht in der Art, sondern im verwendeten Pflanzenteil. Hanfsamenöl kommt aus dem Samen. CBD-Öl kommt aus Blüten und Blattmaterial. Daraus folgt alles Weitere: verschiedene Gewinnungsverfahren, verschiedene Inhaltsstoffe, verschiedene Rechtslage.
Wenn auf einer Flasche «Hanföl» steht und das Erzeugnis in der Küche verwendet wird, ist damit Hanfsamenöl gemeint. Der Rest dieses Eintrags behandelt dieses Speiseöl.
Steckbrief
| Wissenschaftlicher Name | Cannabis sativa L., GBIF usageKey 53618801 |
| Familie / Ordnung | Hanfgewächse (Cannabaceae) / Rosenartige (Rosales) |
| Verwendeter Teil | der reife Samen, botanisch eine Nussfrucht |
| Gewinnung | Reinigung, Kaltpressung, anschliessend Filtration |
| Farbe und Geschmack | grünlich durch Chlorophyll, nussiger Geschmack |
| Verwandte Erzeugnisse | Hanfsamen geschält, Hanfmehl aus dem Presskuchen |
| Zugelassene Angaben | keine zu Hanföl |
Das Fettsäuremuster als Sachangabe
Öle unterscheidet man in der Warenkunde danach, welche Fettsäuren in welchem Verhältnis vorkommen. Bei Hanfsamenöl liegt der Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren hoch — Übersichtsarbeiten nennen Werte über 70 Prozent des Gesamtfetts.2
Auffällig ist das Verhältnis der beiden mengenmässig führenden Fettsäuren zueinander. Linolsäure und Alpha-Linolensäure kommen in der Fachliteratur meist in einem Verhältnis von etwa drei zu eins vor. Dazu tritt Gamma-Linolensäure, die in Pflanzenölen selten und hier in kleinen Anteilen vorhanden ist.2
| Linolsäure (Omega-6) | mengenmässig führend. PubChem CID 5280450, C18H32O2, 280,4 g/mol. |
| Alpha-Linolensäure (Omega-3) | zweitgrösster Anteil. CID 5280934, C18H30O2, 278,4 g/mol. |
| Gamma-Linolensäure | gleiche Summenformel wie Alpha-Linolensäure, andere Lage der Doppelbindungen. CID 5280933, C18H30O2. |
| Ölsäure (Omega-9) | einfach ungesättigt, kleinerer Anteil. CID 445639, C18H34O2, 282,5 g/mol. |
Alpha- und Gamma-Linolensäure tragen ähnliche Namen und dieselbe Summenformel. Sie sind trotzdem zwei verschiedene Stoffe mit eigenen Kennnummern.3 Wer Analysenwerte vergleicht, sollte den Vorsatz mitlesen.
Diese Angaben beschreiben die Zusammensetzung einer Ware. Sie sagen nichts über eine Wirkung im Körper aus, und sie dürfen es auch nicht.
Die amtliche Liste kennt zwar zwei Angaben mit Bezug auf Linolsäure. Beide gelten aber einem konkreten Erzeugnis mit nachgewiesener Menge je Portion, nicht dem Rohstoff Hanföl.4 Auf einer Lexikonseite ohne Mengenangabe sind sie deshalb nicht führbar.
Warum kalt gepresst, dunkel gelagert und nicht gebraten
Genau diese vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren machen das Öl empfindlich. Jede Doppelbindung ist eine Stelle, an der Luftsauerstoff angreifen kann. Das Öl wird dann ranzig, Geruch und Geschmack kippen.
Eine Lagerstudie von 2023 hat gefiltertes und ungefiltertes kaltgepresstes Hanfsamenöl zwölf Wochen lang in durchsichtigen Glasflaschen beobachtet. Die Autoren nennen zwei Treiber des Verderbs: die mehrfach ungesättigten Fettsäuren selbst und das Chlorophyll, das dem Öl seine grüne Farbe gibt. Unter Lichteinfall beschleunigt es die Oxidation zusätzlich.5
Daraus ergeben sich die üblichen Regeln der Warenkunde:
- Kaltpressung: Bei der Gewinnung wird keine Hitze zugeführt. Fettsäuremuster und Aroma bleiben so erhalten.
- Dunkle Flasche: Licht ist der stärkste einzelne Beschleuniger. Grünglas oder Braunglas sind kein Zierrat.
- Kühl lagern: Nach dem Öffnen gehört die Flasche in den Kühlschrank, gut verschlossen.
- Nicht braten und nicht frittieren: Hanfsamenöl ist ein kaltes Öl. Für Salate, Dips oder als Zugabe nach dem Kochen ist es gedacht, für die heisse Pfanne nicht.
- Rasch aufbrauchen: Anders als raffinierte Öle verzeiht es lange Standzeiten schlecht.
Neben dem Speiseöl gibt es Hanfsamenöl auch in technischer Qualität. Es wird in der Kosmetik als Basisöl verarbeitet und dient in der Industrie als nachwachsender Rohstoff. Das sind andere Warenketten mit anderen Anforderungen.
Cannabinoide: praktisch frei, aber nicht messtechnisch null
Der Samen selbst bildet keine Cannabinoide. Diese entstehen in den Drüsenhaaren der Blüten und Blätter. Deshalb gilt Hanfsamenöl als praktisch cannabinoidfrei.
«Praktisch» ist dabei kein Füllwort. Beim Ernten und Dreschen haftet den Samen Material der Pflanze an, und Spuren davon gelangen in die Presse. Eine Untersuchung von 2026 hat zwanzig handelsübliche Hanfsamenöle mit einem empfindlichen Messverfahren geprüft und in allen Proben geringe Mengen an Cannabinoiden gefunden, mit deutlichen Unterschieden zwischen den Chargen.6
Praktisch heisst das: Wie sauber ein Öl ist, hängt an der Aufbereitung der Samen, nicht an der Pflanze. Sorgfältig gereinigte Rohware führt zu niedrigeren Werten.
Rechtliche Einordnung in der Schweiz
Hanfsamen, Hanfsamenmehl und Hanfsamenöl sind in der Schweiz verkehrsfähige Lebensmittel. Die Verbotsliste für Pflanzen in Lebensmitteln führt Cannabis sativa nicht auf. Massgeblich sind stattdessen die Höchstwerte für THC aus dem Kontaminantenrecht — also eine Grenze für einen unerwünschten Stoff, nicht ein Verbot der Pflanze.
Gesundheitsbezogene Angaben zu Lebensmitteln sind getrennt davon amtlich festgelegt. Zulässig ist nur, was in der Liste steht, und nur im festgelegten Wortlaut. Zu Hanföl, Hanfsamenöl oder Cannabis sativa steht dort kein Eintrag.4
Eine dritte Verordnung regelt, welche Stoffe einem Nahrungsergänzungsmittel zugesetzt werden dürfen. Hanföl ist dort nicht als zulässiger Stoff aufgeführt.7 Als Speiseöl bleibt es davon unberührt — als Zutat eines Nahrungsergänzungsmittels wäre die Frage eigens zu prüfen.
CBD-Öl fällt unter keine dieser Betrachtungen. Es wird je nach Zusammensetzung und Auslobung anders eingeordnet und ist kein Thema dieses Eintrags.
Häufige Fragen
Ist Hanföl dasselbe wie CBD-Öl?
Nein. Hanföl beziehungsweise Hanfsamenöl wird aus den Samen kalt gepresst und ist ein Speiseöl. CBD-Öl wird aus Blüten und Blattmaterial gewonnen und ist ein anderes Erzeugnis mit eigener rechtlicher Beurteilung. Gemeinsam ist beiden nur die Pflanzenart.
Kann man mit Hanföl kochen?
Es ist als kaltes Öl vorgesehen. Die vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren machen es hitzeempfindlich, weshalb es nicht zum Braten oder Frittieren verwendet wird. Üblich ist die Zugabe zu kalten Speisen oder nach dem Garen.
Warum ist Hanföl grün?
Die Farbe stammt vom Chlorophyll, das bei der Kaltpressung mit ins Öl gelangt. Filtration verringert den Chlorophyllgehalt und verändert damit auch den Farbton der Ware.
Enthält Hanfsamenöl THC?
Der Samen bildet selbst keine Cannabinoide. Spuren können über anhaftendes Pflanzenmaterial beim Ernten und Dreschen ins Öl gelangen. Für Lebensmittel gelten dafür Höchstwerte nach dem Kontaminantenrecht.
Gibt es zugelassene gesundheitsbezogene Angaben zu Hanföl?
Nein. In der amtlichen Liste der zulässigen gesundheitsbezogenen Angaben ist Hanföl nicht aufgeführt. Aussagen über eine gesundheitliche Wirkung sind in der Werbung daher nicht zulässig.
Quellen
- Global Biodiversity Information Facility (GBIF), Backbone Taxonomy: Cannabis sativa L., usageKey 5361880, Familie Cannabaceae, Ordnung Rosales. ↩
- Hossain L., Whitney K., Simsek S.: «Hemp seed as an emerging source of nutritious functional ingredients», Critical Reviews in Food Science and Nutrition, Band 66 (2026), Heft 5, S. 933–949. DOI 10.1080/10408398.2025.2534839 (doi.org), PMID 40699152 (PubMed). ↩
- PubChem, National Library of Medicine: Linolsäure CID 5280450, Alpha-Linolensäure CID 5280934, Gamma-Linolensäure CID 5280933, Ölsäure CID 445639. ↩
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV), SR 817.022.16, Anhang 14 «Zulässige gesundheitsbezogene Angaben» — kein Eintrag zu Hanföl, Hanfsamenöl oder Cannabis sativa. Die beiden dort aufgeführten Angaben mit Linolsäure-Bezug gelten einem Erzeugnis mit nachgewiesener Menge, nicht dem Rohstoff. ↩
- Lo Turco V., Litrenta F., Nava V., Albergamo A., Rando R., Bartolomeo G., Potortì AG., Di Bella G.: «Effect of Filtration Process on Oxidative Stability and Minor Compounds of the Cold-Pressed Hempseed Oil during Storage», Antioxidants, Band 12 (2023), Heft 6, Artikel 1231. DOI 10.3390/antiox12061231 (doi.org), PMID 37371962 (PubMed). ↩
- Kacargil CU., Soyturk H., Aydin AA., Gören İE., Demirel G., Daglioglu N.: «Determination of cannabinoids in commercial hemp seeds and hemp seed oil products in Türkiye by LC-MS/MS», Forensic Science International, Band 381 (2026), Artikel 112836. DOI 10.1016/j.forsciint.2026.112836 (doi.org), PMID 41621128 (PubMed). ↩
- Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (VNem), SR 817.022.14 — Hanföl ist in den Stofflisten nicht aufgeführt. ↩
Redaktion Sanasis AG. Botanische Angaben nach GBIF, chemische Angaben nach PubChem, rechtliche Einordnung nach LIV und VNem. Dieser Eintrag beschreibt eine Pflanze und ein Speiseöl, keine Anwendung am Menschen.