Jabuticaba: die Frucht, die am Stamm wächst
Jabuticaba ist die Frucht eines brasilianischen Baumes aus der Familie der Myrtengewächse, wissenschaftlich Plinia cauliflora (DC.) Kausel. Ihre Besonderheit steckt im Artnamen: Die Blüten und Früchte sitzen direkt am Stamm und an den dicken Ästen, nicht an den Zweigen. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben gibt es zu Jabuticaba keine.
Dieser Lexikoneintrag beschreibt die Pflanze botanisch, warenkundlich und rechtlich. Er beschreibt keine Wirkung und keine Anwendung.
Kauliflorie: Blüten am Holz
Die meisten Obstbäume blühen an jungen Trieben. Die Jabuticaba nicht. Ihre Blüten brechen aus der Rinde des Stamms und der starken Äste hervor. Ein Baum in Vollblüte sieht aus, als sei er mit weissem Schaum überzogen.
Botanisch heisst dieses Verhalten Kauliflorie, zu Deutsch Stammblütigkeit. Der Artname cauliflora sagt genau das: blühend am Stamm. Aus jeder Blüte wird eine runde, dunkelviolette bis fast schwarze Beere von der Grösse einer Traube.
Das Fruchtfleisch ist weiss und gallertig, die Schale kräftig gefärbt und deutlich herber als das Innere. Die Früchte reifen mehrmals im Jahr und halten sich nach der Ernte nur wenige Tage. Deshalb kommt die Ware in Europa fast ausschliesslich verarbeitet an — als Saft, Püree, Gelee oder getrocknetes Schalenpulver.
Ein Baum, drei Namen
Wer in der Fachliteratur nachschlägt, findet dieselbe Pflanze unter drei Bezeichnungen. Das ist kein Fehler, sondern Taxonomiegeschichte.
Als gültiger Name gilt heute Plinia cauliflora (DC.) Kausel; die Datenbank GBIF führt ihn unter dem Schlüssel 5415571 mit dem Status «akzeptiert». Die älteren Namen Myrciaria jaboticaba (Vell.) O.Berg (Schlüssel 3173691) und Myrciaria cauliflora (Mart.) O.Berg (Schlüssel 3173688) sind dort als Synonyme hinterlegt und verweisen beide auf denselben Datensatz.
Wer also nur nach einem der Namen sucht, übersieht einen Teil der Literatur.
Steckbrief
| Wissenschaftlicher Name | Plinia cauliflora (DC.) Kausel |
| GBIF-Schlüssel | 5415571, Status akzeptiert |
| Synonyme | Myrciaria jaboticaba (3173691), Myrciaria cauliflora (3173688) |
| Familie / Ordnung | Myrtaceae / Myrtales |
| Herkunft | Brasilien, im Anbau |
| Kennzeichnende Stoffe | Ellagitannine, Ellagsäure, Anthocyane in der Schale |
| Verbotsliste VLpH Anhang 1 | kein Eintrag |
| Zugelassene Angaben | keine |
Was in der Schale steckt
Eine brasilianische Arbeit untersuchte 35 in Brasilien verzehrte Früchte auf ihren Gehalt an Ellagsäure und deren Vorstufen, den Ellagitanninen. Nachweisbar war Ellagsäure in 10 der 35 Früchte. Alle sieben untersuchten Arten aus der Familie der Myrtengewächse enthielten Ellagitannine; die höchsten Gesamtwerte fanden sich bei Jabuticaba, Grumixama und Cambuci. DOI 10.1002/jsfa.5531 (doi.org), PMID 22173652 (PubMed).
Die dunkle Farbe stammt von Anthocyanen und sitzt fast vollständig in der Schale. Eine zweite Arbeit verfolgte daraus einen technischen Ansatz: Aus dem Epikarp — der äusseren Schalenschicht — wurde ein anthocyanreicher Auszug gewonnen und als natürlicher Farbstoff in einem Backwarenerzeugnis eingesetzt. DOI 10.1016/j.foodchem.2020.126364 (doi.org), PMID 32058190 (PubMed).
Beide Arbeiten beschreiben Zusammensetzung und Technologie. Eine Aussage über eine Wirkung beim Menschen folgt daraus nicht.
Rechtliche Einordnung in der Schweiz
Drei Fragen sind zu trennen. Sie haben drei verschiedene Antworten.
Steht die Pflanze auf der Verbotsliste? Nein. Anhang 1 der Verordnung über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft (VLpH, SR 817.022.17) führt weder Plinia noch eines der Synonyme.
Gibt es eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe? Nein. Anhang 14 der Verordnung betreffend die Information über Lebensmittel (LIV, SR 817.022.16) zählt die zulässigen Angaben abschliessend auf. Zu Jabuticaba steht dort kein Eintrag. Damit ist jede Wirkaussage unzulässig, gleich wie sie formuliert wird.
Darf die Frucht als Zutat verwendet werden? Das entscheidet nicht die Verbotsliste, sondern das Recht über neuartige Lebensmittel. Nach Artikel 15 und 16 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung braucht ein neuartiges Lebensmittel eine Bewilligung oder eine Verordnung des EDI. Der Anhang der Verordnung über neuartige Lebensmittel (NLV, SR 817.022.2) erklärt in seiner ersten Zeile alles für verkehrsfähig, was nach der Verordnung (EU) 2015/2283 in Verkehr gebracht werden darf — die Schweiz folgt also dem europäischen Stand.
Wer Jabuticaba als Zutat einsetzen will, muss diesen Status für die konkrete Form belegen — ganze Frucht, Saft, Püree oder Schalenauszug werden getrennt beurteilt. Die Nachweispflicht liegt beim Inverkehrbringer. Das Fehlen in einer Stoffliste ersetzt diesen Nachweis nicht.
Häufige Fragen
Warum wachsen die Früchte am Stamm?
Weil die Pflanze stammblütig ist. Ihre Blütenknospen brechen aus der Rinde von Stamm und starken Ästen hervor, nicht aus jungen Trieben. Der Fachbegriff dafür ist Kauliflorie; er steckt im Artnamen cauliflora.
Heisst die Pflanze nun Plinia oder Myrciaria?
Plinia cauliflora ist der akzeptierte Name. Myrciaria jaboticaba und Myrciaria cauliflora sind Synonyme desselben Taxons und in älterer Literatur häufig. GBIF führt alle drei auf denselben Datensatz zurück.
Warum gibt es die Frucht in Europa fast nur verarbeitet?
Weil sie sich nach der Ernte nur wenige Tage hält. Für den Transport aus Brasilien reicht das nicht. Im Handel steht sie deshalb meist als Saft, Püree, Gelee oder getrocknetes Schalenpulver.
Gibt es zugelassene gesundheitsbezogene Angaben zu Jabuticaba?
Nein. Anhang 14 der LIV enthält keinen Eintrag zu dieser Frucht. Für Pflanzenstoffe sind die entsprechenden Angaben auf europäischer Ebene seit Jahren zurückgestellt und nicht abschliessend beurteilt.
Quellen
- Global Biodiversity Information Facility (GBIF), Backbone Taxonomy: Plinia cauliflora (DC.) Kausel, usageKey 5415571, Status akzeptiert, Myrtaceae, Myrtales, Magnoliopsida, Tracheophyta; Synonyme Myrciaria jaboticaba (usageKey 3173691) und Myrciaria cauliflora (usageKey 3173688).
- Abe LT., Lajolo FM., Genovese MI.: «Potential dietary sources of ellagic acid and other antioxidants among fruits consumed in Brazil: Jabuticaba (Myrciaria jaboticaba (Vell.) Berg)», Journal of the Science of Food and Agriculture, Band 92, Heft 8 (2011), S. 1679–1687. DOI 10.1002/jsfa.5531 (doi.org), PMID 22173652 (PubMed).
- Albuquerque BR., Pinela J., Barros L. et al.: «Anthocyanin-rich extract of jabuticaba epicarp as a natural colorant: Optimization of heat- and ultrasound-assisted extractions and application in a bakery product», Food Chemistry, Band 316 (2020), Artikel 126364. DOI 10.1016/j.foodchem.2020.126364 (doi.org), PMID 32058190 (PubMed).
- Verordnung des EDI über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft (VLpH), SR 817.022.17, Anhang 1 — kein Eintrag zu Plinia cauliflora oder den Synonymen.
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV), SR 817.022.16, Anhang 14 — kein Eintrag zu Jabuticaba.
- Verordnung des EDI über neuartige Lebensmittel (NLV), SR 817.022.2, Anhang (Fassung vom 1. Februar 2024), erste Zeile — Verweis auf die Verordnung (EU) 2015/2283; Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV), SR 817.02, Artikel 15 und 16.
Redaktion Sanasis AG. Taxonomie nach GBIF, analytische Angaben nach der zitierten Fachliteratur, rechtliche Einordnung nach VLpH, LIV, NLV und LGV im geprüften Wortlaut. Dieser Eintrag beschreibt eine Pflanze und keine Anwendung am Menschen.