Kava: der Wurzelstock steht auf der Verbotsliste
Kava, auch Kava-Kava, ist eine Pfeffergewächs-Art des westpazifischen Raums. Die Verordnung nennt sie Piper methysticum G. FORST. In der Schweiz ist sie keine Lebensmittelzutat: Ihr Wurzelstock steht in der Liste der Pflanzenteile, deren Verwendung in Lebensmitteln nicht zulässig ist — und genau dieser Teil ist der traditionell verwendete.
Dieser Lexikoneintrag beschreibt die Pflanze botanisch und rechtlich. Er beschreibt keine Zubereitung, keine Anwendung und keine Dosierung.
Die Rechtslage in einem Satz
Anhang 1 der Verordnung über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft (VLpH, SR 817.022.17) führt die Pflanzen und Pflanzenteile auf, deren Verwendung in Lebensmitteln nicht zulässig ist. Dort steht:
| Wissenschaftliche Bezeichnung | Piper methysticum G. FORST. |
| Deutsche Bezeichnung | Kava-Kava |
| Pflanzenteil | Wurzelstock |
| Bemerkungen | keine — ohne Ausnahme |
Anders als bei einigen anderen Einträgen dieser Liste gibt es keine Ausnahme für bestimmte Erzeugnisse. Bei Johanniskraut etwa steht in der Bemerkungsspalte «Nur als Aroma in alkoholischen Getränken»; bei Kava steht dort nichts.
Der Eintrag ist zudem pflanzenteilgenau. Verboten ist der Wurzelstock — und das ist genau der Teil, aus dem das traditionelle Getränk hergestellt wird. Ein Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel mit Kava-Wurzelstock ist in der Schweiz deshalb kein Grenzfall, sondern nicht verkehrsfähig.
Ein Name, zwei Datenbanken
Beim Nachschlagen fällt eine Unstimmigkeit auf, die erklärt werden muss, damit die Angaben nachvollziehbar bleiben.
Die Verordnung nennt die Pflanze Piper methysticum G. FORST. Dieser Name ist im Handel und in der Fachliteratur der gebräuchliche. Die Taxonomie-Datenbank GBIF führt ihn unter dem Schlüssel 3086358, dort allerdings als heterotypisches Synonym. Als akzeptierten Namen führt GBIF Macropiper methysticum (G.Forst.) Hook. & Arn. unter dem Schlüssel 4186474.
Für die Rechtsanwendung ist das ohne Belang: Massgeblich ist der Name, den die Verordnung verwendet. Für die Recherche ist es dagegen wichtig — wer nur unter dem akzeptierten Namen sucht, findet den Verordnungseintrag nicht, und umgekehrt.
Steckbrief
| Name der Verordnung | Piper methysticum G. FORST. |
| GBIF-Schlüssel | 3086358 (Synonym) → akzeptiert 4186474 |
| Familie / Ordnung | Piperaceae / Piperales |
| Verwandtschaft | dieselbe Gattung wie der schwarze Pfeffer |
| Kennzeichnende Stoffe | Kavalactone, z. B. Kavain (CID 5281565), Methysticin (CID 5281567) |
| VLpH Anhang 1 | Eintrag: Wurzelstock, ohne Ausnahme |
| Zugelassene Angaben | keine |
Die Kavalactone
Die kennzeichnende Stoffgruppe der Pflanze sind die Kavalactone — Verbindungen mit einem Lactonring, also einem ringförmig geschlossenen Ester. Sie sitzen vor allem im Wurzelstock.
Zwei davon sind gut charakterisiert. Kavain führt PubChem unter CID 5281565 mit C14H14O3 und 230,26 g/mol, Methysticin unter CID 5281567 mit C15H14O5 und 274,27 g/mol.
Ihr Anteil und ihr Verhältnis zueinander unterscheiden sich zwischen den Sorten erheblich — im pazifischen Raum wird zwischen verschiedenen Sortengruppen unterschieden. Das ist ein Grund, warum sich Erfahrungen aus einer Region nicht auf eine beliebige Handelsware übertragen lassen.
Botanisch: ein Pfeffergewächs ohne Samen
Kava gehört zur Familie der Pfeffergewächse — derselben wie der schwarze Pfeffer. Sie ist ein mehrjähriger Strauch mit herzförmigen Blättern und knotigen Stängeln, der mehrere Meter hoch werden kann.
Bemerkenswert ist ihre Fortpflanzung: Die Pflanze bildet in Kultur keine keimfähigen Samen mehr. Sie wird ausschliesslich über Stecklinge vermehrt. Jede Sorte ist damit ein Klon, der über Jahrhunderte von Hand weitergegeben wurde — ein Grund für die grosse Zahl regional benannter Sorten im pazifischen Raum.
Die Ernte betrifft den unterirdischen Teil. Der Wurzelstock wird nach mehreren Jahren ausgegraben; jüngere Pflanzen liefern deutlich weniger der kennzeichnenden Stoffe. Diese Wachstumszeit ist der Grund, warum die Rohware vergleichsweise teuer ist und warum die Qualität zwischen Herkünften stark schwankt.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Name der Pflanze?
Das Artepitheton methysticum geht auf ein griechisches Wort für berauschend zurück. Der Name beschreibt also die Eigenschaft, wegen der die Pflanze im pazifischen Raum verwendet wurde — und zugleich den Grund für ihre Einordnung im Schweizer Lebensmittelrecht.
Ist Kava dasselbe wie Pfeffer?
Verwandt, aber nicht dasselbe. Beide gehören zur Gattung Piper in der Familie der Pfeffergewächse. Verwendet werden jedoch verschiedene Pflanzenteile: beim schwarzen Pfeffer die Frucht, bei Kava der Wurzelstock. Nur letzterer steht in Anhang 1.
Darf Kava in der Schweiz in Lebensmitteln verwendet werden?
Nein. Piper methysticum G. FORST. steht mit dem Pflanzenteil Wurzelstock in Anhang 1 der VLpH. Die Bemerkungsspalte enthält keine Ausnahme.
Betrifft das Verbot die ganze Pflanze?
Der Eintrag nennt den Wurzelstock. Genau dieser Teil ist der traditionell verwendete und der Ort, an dem die kennzeichnenden Stoffe sitzen. Für die Praxis läuft der Eintrag deshalb auf ein vollständiges Hindernis hinaus.
Warum führt GBIF einen anderen Namen?
Die Backbone-Taxonomie von GBIF führt Piper methysticum G.Forst. als heterotypisches Synonym zu Macropiper methysticum. Für die Rechtsanwendung zählt der Name der Verordnung; für die Literaturrecherche sollte man beide kennen.
Gibt es zugelassene gesundheitsbezogene Angaben zu Kava?
Nein. Anhang 14 der LIV enthält keinen Eintrag. Bei einer Pflanze, deren verwendeter Teil in Lebensmitteln unzulässig ist, stellt sich die Frage praktisch ohnehin nicht.
Quellen
- Verordnung des EDI über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft (VLpH), SR 817.022.17, Anhang 1 «Liste der Pflanzen, Pflanzenteile und daraus hergestellter Zubereitungen, deren Verwendung in Lebensmitteln nicht zulässig ist» — Eintrag Piper methysticum G. FORST., Kava-Kava, Wurzelstock, ohne Bemerkung.
- Global Biodiversity Information Facility (GBIF), Backbone Taxonomy: Piper methysticum G.Forst., usageKey 3086358, Status heterotypisches Synonym; akzeptierter Name Macropiper methysticum (G.Forst.) Hook. & Arn., usageKey 4186474, Piperaceae, Piperales.
- PubChem, National Library of Medicine: Kavain CID 5281565 (C14H14O3, 230,26 g/mol), Methysticin CID 5281567 (C15H14O5, 274,27 g/mol).
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV), SR 817.022.16, Anhang 14 — kein Eintrag zu Kava.
Redaktion Sanasis AG. Taxonomie nach GBIF, Stoffdaten nach PubChem, rechtliche Einordnung nach VLpH und LIV im geprüften Wortlaut. Dieser Eintrag beschreibt eine Pflanze und keine Anwendung am Menschen. Sanasis führt keine Kava-Erzeugnisse.