Lavendel: Pflanze, Öl und Rechtslage
Lavendel (Lavandula angustifolia) ist ein Lippenblütler aus dem westlichen Mittelmeerraum.1 Verwendet werden die Blüten und das daraus gewonnene ätherische Öl.
Dieser Eintrag beschreibt den Stoff und die Rechtslage. Er ist keiner Ware zugeordnet und führt keine gesundheitsbezogene Angabe.
Die Pflanze
Lavendel ist ein Halbstrauch mit schmalen, graugrünen Blättern und blauvioletten Blütenähren. Die Art Lavandula angustifolia — auch Echter Lavendel genannt — wächst in Höhenlagen und liefert das feinste Öl.
Davon zu unterscheiden ist der Lavandin, eine Kreuzung aus Echtem Lavendel und Speiklavendel. Er wächst kräftiger, liefert mehr Öl und wird deshalb überwiegend für Waschmittel und Raumdüfte angebaut. Der Duft ist schärfer, kampferartiger.
Als Lippenblütler ist Lavendel mit Thymian, Rosmarin, Salbei und Minze verwandt.1 Die typischen Drüsenhaare, in denen das ätherische Öl gebildet wird, sitzen bei allen dieser Pflanzen auf Blättern und Kelchblättern.
Das ätherische Öl
Gewonnen wird das Öl durch Wasserdampfdestillation der frisch geernteten Blütenstände. Der Dampf reisst die flüchtigen Stoffe mit, im Kühler kondensiert beides und trennt sich in Öl und Destillationswasser.
Die Hauptbestandteile sind Linalool und Linalylacetat. Ihr Verhältnis schwankt mit Herkunft, Höhenlage und Erntezeitpunkt — deshalb riechen zwei Lavendelöle selten gleich.
Linalool ist zugleich einer der Duftstoffe, die in kosmetischen Mitteln ab einer bestimmten Konzentration einzeln deklariert werden müssen. Auf einer Kosmetik-Verpackung steht deshalb oft «Linalool» im Zutatenverzeichnis, auch wenn nur Lavendelöl zugesetzt wurde.
Was rechtlich gilt
Lavendel steht nicht auf der Verbotsliste der Verordnung über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft.2 Als Gewürz und in Tees ist er verkehrsfähig.
In Anhang 14 der LIV ist Lavendel nicht eingetragen.3 Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es damit nicht — weder zu Schlaf noch zu Anspannung noch zu irgendeiner anderen Körperfunktion.
Für ätherische Öle in kosmetischen Mitteln gilt zusätzlich die Wirkortgrenze: Ein kosmetisches Mittel darf nur auf die in der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung abschliessend genannten Körperstellen und Zwecke wirken. Aussagen über Nerven, Stimmung oder Schlaf gehören nicht dazu.
Lavendel als Lebensmittel
In der Küche wird Lavendel sparsam verwendet: Die getrockneten Blüten sind Bestandteil südfranzösischer Kräutermischungen, und in kleinen Mengen würzen sie Backwaren, Sirupe und Zuckerwaren.
«Sparsam» ist dabei mehr als eine Geschmacksfrage. Die Blüten bringen einen ausgeprägten, leicht seifigen Ton mit, der eine Zubereitung schnell dominiert. Küchenerfahrung empfiehlt deshalb, Lavendel zuletzt zuzugeben und die Menge klein zu halten.
Ätherisches Öl ist demgegenüber ein hoch konzentriertes Erzeugnis. Ein Tropfen entspricht dem Auszug einer erheblichen Menge Pflanzenmaterial; als Lebensmittelzutat ist es nur in sehr geringen Mengen und unter den Vorgaben des Aromenrechts verwendbar.
Ernte und Verarbeitung
Geerntet wird kurz nach dem Aufblühen, wenn der Ölgehalt am höchsten ist. Traditionell geschieht das von Hand mit der Sichel, im Erwerbsanbau mit Maschinen, die die Blütenstände abschneiden und sammeln.
Die Destillation erfolgt möglichst rasch nach der Ernte. Bei der Wasserdampfdestillation strömt Dampf durch das Pflanzenmaterial, reisst die flüchtigen Stoffe mit und wird anschliessend gekühlt. Öl und Wasser trennen sich, weil sie sich nicht mischen.
Das zurückbleibende Destillationswasser — das Hydrolat — enthält die wasserlöslichen Anteile und wird separat verwendet. Für Trockenblüten wird das Erntegut dagegen im Schatten getrocknet, weil Sonnenlicht Farbe und Duft beeinträchtigt.
Woran Sie ein Erzeugnis prüfen
Bei Trockenblüten und Tee zählt die botanische Angabe. «Lavendel» allein lässt offen, ob Echter Lavendel oder Lavandin verwendet wurde; für Geschmack und Duft ist das ein deutlicher Unterschied.
Bei ätherischem Öl kommen Herkunft und Gewinnungsart hinzu. Wasserdampfdestillat der Blütenstände ist etwas anderes als ein Auszug mit Lösungsmitteln.
Bei kosmetischen Mitteln steht das Öl im Zutatenverzeichnis als «Lavandula angustifolia oil»; die deklarationspflichtigen Duftstoffe wie Linalool erscheinen zusätzlich einzeln.
Häufige Fragen
Ist Lavandin schlechter als Echter Lavendel?
Er ist anders. Lavandin enthält mehr Kampfer und riecht schärfer; für technische Anwendungen ist das kein Nachteil. Für die Aromatik gilt Echter Lavendel als feiner.
Warum steht «Linalool» auf Kosmetikverpackungen?
Weil bestimmte Duftstoffe ab einer festgelegten Konzentration einzeln zu deklarieren sind. Linalool gehört dazu und ist ein Hauptbestandteil von Lavendelöl.
Darf man Lavendel essen?
Ja, er ist ein gebräuchliches Gewürz und Bestandteil von Kräutermischungen. Ätherisches Öl ist dagegen hoch konzentriert und kein Lebensmittel im üblichen Sinn.
Warum steht hier nichts über Beruhigung?
Weil Anhang 14 zu Lavendel keinen Eintrag führt.3 Solche Aussagen wären auf einem Lebensmittel unzulässig.
Wie viel Lavendel gehört in eine Speise?
Sehr wenig. Die Blüten bringen einen ausgeprägten, leicht seifigen Ton mit, der eine Zubereitung rasch beherrscht.
Was ist ein Hydrolat?
Das bei der Wasserdampfdestillation zurückbleibende Destillationswasser mit den wasserlöslichen Anteilen der Pflanze.
Ist Lavendelöl ein Lebensmittel?
Als Aroma kann es in sehr geringen Mengen eingesetzt werden; dafür gilt das Aromenrecht. Als solches ist ätherisches Öl kein Lebensmittel im üblichen Sinn.
Was heisst «kein Eintrag in Anhang 14»?
Anhang 14 der Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel führt die gesundheitsbezogenen Angaben auf, die verwendet werden dürfen, samt ihrem festgelegten Wortlaut und ihrer Bedingung.3 Fehlt ein Stoff dort, gibt es zu ihm keine zulässige Angabe — und zwar auch keine umschriebene, angedeutete oder in eine Frage gekleidete.
Wozu dient dieser Glossareintrag?
Er ordnet einen Stoff sachlich ein: Herkunft, Stoffform, Vorkommen und die Rechtslage in der Schweiz. Er ist keiner Ware zugeordnet, spricht keine Empfehlung aus und führt keine gesundheitsbezogene Angabe. Für Angaben zu einem konkreten Erzeugnis gelten dessen Kennzeichnung und Produktseite.
Quellen
- GBIF Backbone Taxonomy: Lavandula angustifolia usageKey 2927305, Mill., akzeptierter Name, Familie Lamiaceae. ↩
- Verordnung des EDI über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft (VLpH), SR 817.022.17, Anhang 1 — Lavandula ist dort nicht aufgeführt. ↩
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV), SR 817.022.16, Anhang 14 — kein Eintrag zu Lavendel. ↩
Redaktion Sanasis AG. Stoffdaten nach PubChem und GBIF, rechtliche Einordnung nach VNem, LIV und VLpH im geprüften Wortlaut. Dieser Eintrag beschreibt einen Stoff und die Rechtslage; er ist keiner Ware zugeordnet und führt keine gesundheitsbezogene Angabe.