Löwenzahn: Pflanze, Verwendung und Rechtslage
Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist ein Korbblütler und eine der bekanntesten Wildpflanzen Mitteleuropas. Verwendet werden Blätter, Blüten und Wurzel.
Dieser Eintrag beschreibt den Stoff und die Rechtslage. Er ist keiner Ware zugeordnet und führt keine gesundheitsbezogene Angabe.
Die Pflanze
Löwenzahn bildet eine grundständige Blattrosette mit tief gezähnten Blättern — daher der Name — und einen hohlen, milchsaftführenden Stängel. Was wie eine einzelne Blüte aussieht, ist ein Korb aus vielen Einzelblüten; das ist das Merkmal der Familie, zu der auch Sonnenblume, Kamille und Artischocke gehören.
Botanisch ist «Taraxacum officinale» keine scharf umgrenzte Art, sondern eine Sammelart. Löwenzahn vermehrt sich weitgehend ohne Befruchtung, wodurch zahllose erblich stabile Kleinarten entstanden sind. Für die Praxis genügt der Sammelname; wissenschaftlich schreibt man deshalb oft Taraxacum officinale agg.
Der Milchsaft ist charakteristisch: Er tritt an Bruchstellen aus, schmeckt bitter und färbt Hände und Textilien braun.
Verwendung in der Küche
Junge Blätter werden vor der Blüte geerntet und als Salat gegessen; sie sind dann am wenigsten bitter. Später nimmt der Anteil an Bitterstoffen zu — genau der Eigenschaft, wegen der die Pflanze traditionell geschätzt wird.
Aus den geröteten Blütenköpfchen wird ein Sirup gekocht, der als «Löwenzahnhonig» gehandelt wird. Die geröstete Wurzel diente als Kaffee-Ersatz. Beides sind Zubereitungsformen, keine Aussagen über eine Wirkung.
Für die Verwendung als Lebensmittel gilt die übliche Sorgfalt beim Sammeln: Standort, Verwechslungsmöglichkeiten und Verschmutzung sind zu beachten.
Was rechtlich gilt
Taraxacum steht nicht auf der Verbotsliste des Anhangs 13 der Verordnung über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft. Die Pflanze ist als Lebensmittel verkehrsfähig.
In Anhang 14 der LIV ist Löwenzahn nicht eingetragen. Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es damit nicht — insbesondere keine zu Leber, Galle, Verdauung oder Wasserhaushalt.
Das ist der wunde Punkt vieler Texte über diese Pflanze: Die überlieferten Zuschreibungen sind zahlreich, die zugelassenen Angaben sind null. Beschrieben werden dürfen Botanik, Verwendung und Zubereitung — nicht eine Wirkung im Körper.
Ernte und Zubereitung
Für Salat werden die Blätter vor der Blüte geschnitten, solange sie hellgrün und zart sind. Später werden sie zäh und deutlich bitterer. Wer den Bitterton dämpfen will, wässert die Blätter oder kombiniert sie mit einer fettreichen Sauce.
Die Wurzel wird im Herbst gegraben, gewaschen, zerkleinert und getrocknet. Geröstet ergibt sie einen Aufguss, der als Kaffee-Ersatz diente — eine Verwendung, die in Notzeiten verbreitet war.
Aus den Blütenköpfchen wird mit Zucker und Zitrone ein Sirup gekocht. Die handelsübliche Bezeichnung «Löwenzahnhonig» ist irreführend, denn Honig ist lebensmittelrechtlich ein Erzeugnis der Bienen; für einen Pflanzensirup ist diese Bezeichnung nicht zutreffend.
Beim Sammeln zu beachten
Wildpflanzen werden dort gesammelt, wo keine Verunreinigung zu erwarten ist — abseits von Strassenrändern, Hundewegen und behandelten Flächen. Das ist keine Rechtsvorschrift, sondern schlichte Sorgfalt.
Verwechslungen sind bei Löwenzahn vor der Blüte möglich, etwa mit dem Herbst-Löwenzahn oder mit Ferkelkraut. Beide sind ungiftig; die Rosette lässt sich am hohlen, milchsaftführenden Stängel und am unbehaarten Blatt unterscheiden.
Ein sicheres Erkennungsmerkmal bleibt der Milchsaft: Er tritt an jeder Bruchstelle aus und färbt braun. Wer unsicher ist, lässt die Pflanze stehen.
Woran Sie ein Erzeugnis prüfen
Bei Tee und Trockenkraut zählt der Pflanzenteil: Blatt, Wurzel oder Kraut mit Wurzel. Die drei unterscheiden sich in Geschmack und Zusammensetzung deutlich.
Bei Extrakten kommt das Verhältnis von Ausgangsmaterial zu Auszug hinzu, oft als «4:1» angegeben. Ohne diese Angabe lässt sich eine Milligrammzahl nicht einordnen.
Bei allen Erzeugnissen gilt: Aussagen zu Leber, Galle oder Wasserhaushalt sind unzulässig, gleich wie verbreitet sie sind.
Häufige Fragen
Warum heisst Löwenzahn eine Sammelart?
Weil er sich weitgehend ohne Befruchtung vermehrt und dabei zahllose erblich stabile Kleinarten entstanden sind. Man fasst sie als Taraxacum officinale agg. zusammen.
Wann sind die Blätter am wenigsten bitter?
Vor der Blüte. Mit fortschreitender Entwicklung nimmt der Gehalt an Bitterstoffen zu.
Ist der Milchsaft giftig?
Er schmeckt bitter und färbt, ist aber kein Grund, die Pflanze zu meiden. Sie ist ein gebräuchliches Lebensmittel.
Warum steht hier nichts über Leber oder Verdauung?
Weil Anhang 14 zu Löwenzahn keinen Eintrag führt. Ein Bezug auf ein Organ wäre zudem ein Hinweis auf eine Heilwirkung.
Darf ein Blütensirup «Löwenzahnhonig» heissen?
Honig ist lebensmittelrechtlich ein Erzeugnis der Bienen. Für einen Pflanzensirup ist die Bezeichnung nicht zutreffend.
Woran erkennt man Löwenzahn sicher?
Am hohlen Stängel mit Milchsaft, der an jeder Bruchstelle austritt und braun färbt.
Ist Löwenzahn geschützt?
Er ist eine häufige Wildpflanze und nicht geschützt. Beim Sammeln gelten die üblichen Regeln zu fremdem Grundeigentum und zur Sorgfalt beim Standort.
Was heisst «kein Eintrag in Anhang 14»?
Anhang 14 der Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel führt die gesundheitsbezogenen Angaben auf, die verwendet werden dürfen, samt ihrem festgelegten Wortlaut und ihrer Bedingung. Fehlt ein Stoff dort, gibt es zu ihm keine zulässige Angabe — und zwar auch keine umschriebene, angedeutete oder in eine Frage gekleidete.
Wozu dient dieser Glossareintrag?
Er ordnet einen Stoff sachlich ein: Herkunft, Stoffform, Vorkommen und die Rechtslage in der Schweiz. Er ist keiner Ware zugeordnet, spricht keine Empfehlung aus und führt keine gesundheitsbezogene Angabe. Für Angaben zu einem konkreten Erzeugnis gelten dessen Kennzeichnung und Produktseite.
Quellen
- GBIF Backbone Taxonomy: Taraxacum officinale usageKey 5394163, Weber ex F.H.Wigg., akzeptierter Name, Familie Asteraceae.
- Verordnung des EDI über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft (VLpH), SR 817.022.17, Anhang 1 — Taraxacum ist dort nicht aufgeführt.
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV), SR 817.022.16, Anhang 14 — kein Eintrag zu Löwenzahn.
Redaktion Sanasis AG. Stoffdaten nach PubChem und GBIF, rechtliche Einordnung nach VNem, LIV und VLpH im geprüften Wortlaut. Dieser Eintrag beschreibt einen Stoff und die Rechtslage; er ist keiner Ware zugeordnet und führt keine gesundheitsbezogene Angabe.