Pantothensäure: ein Vitamin, dessen Name «überall» bedeutet
Pantothensäure ist ein wasserlösliches Vitamin der B-Gruppe, geläufig auch Vitamin B5. PubChem führt sie mit der Summenformel C9H17NO5 und einer molaren Masse von 219,23 Gramm je Mol. Ihre biochemische Aufgabe ist eng umrissen: Sie ist der Baustein, aus dem das Coenzym A aufgebaut wird.
Dieser Eintrag beschreibt den Stoff und die Rechtslage. Er ist keiner Ware zugeordnet, führt keine gesundheitsbezogene Angabe und nennt keine Verzehrsempfehlung.
Ein Name, der ein Messergebnis festhält
Der Name geht auf das griechische Wort pantothen zurück, «von überall her». Er ist kein Werbewort, sondern die Zusammenfassung eines Befunds.
Williams und Mitautoren stellten den Stoff 1933 im Journal of the American Chemical Society vor. Schon ihr Titel nennt den Grund für die Benennung: eine Substanz von allgemeiner biologischer Verbreitung. Die Arbeitsgruppe fand sie in sehr verschiedenen biologischen Proben wieder, und genau das hielt der Name fest.
Der Aufbau lässt sich am systematischen Namen ablesen. Pantothensäure ist ein Säureamid, also die Verknüpfung einer Säure mit einer Aminogruppe. Verbunden sind darin Pantoinsäure und Beta-Alanin.
Baustein des Coenzym A
Ein Coenzym ist ein kleines Molekül, das ein Enzym für seine Reaktion braucht. Leonardi und Mitautoren beschreiben das Coenzym A als allgegenwärtigen Cofaktor, der im Umsatz von Carbonsäuren eine zentrale Stellung einnimmt, darunter kurz- und langkettige Fettsäuren.
Dieselbe Übersichtsarbeit hält fest, dass das Coenzym A in fünf Schritten aus Pantothensäure zusammengesetzt wird. Die Zwischenstufen dieses Weges sind bei Bakterien und bei höheren Lebewesen dieselben.
PubChem führt das fertige Molekül unter der Summenformel C21H36N7O16P3S mit 767,5 Gramm je Mol. Es lässt sich in drei Abschnitte gliedern: einen Nukleotidteil mit Adenin und Phosphatgruppen, das Mittelstück aus Pantothensäure und ein kurzes Endstück, das eine Thiolgruppe trägt — eine Schwefel-Wasserstoff-Gruppe, geschrieben als SH.
Diese Thiolgruppe ist das arbeitende Ende. Sie verbindet sich mit der Säuregruppe einer Carbonsäure zu einem Thioester. Über diese Bindung wird der Säurerest festgehalten und weitergereicht. Der Rest des Moleküls dient als Griff, an dem Enzyme das Ganze erkennen und halten.
D-Panthenol: derselbe Stoff, eine Stufe weniger oxidiert
Neben der Säure gibt es den zugehörigen Alkohol. PubChem beschreibt D-Panthenol als «den Alkohol, der der Pantothensäure entspricht», und führt es unter den Synonymen D-Pantothenylalkohol und Provitamin B5.
Der Unterschied steckt in einer einzigen Gruppe am Molekülende. Die Säure trägt dort eine Carboxylgruppe, der Alkohol eine Hydroxylgruppe. Man sieht es an den Summenformeln: C9H17NO5 für die Säure, C9H19NO4 für den Alkohol. Der Schritt vom Alkohol zur Säure ist chemisch eine Oxidation, und PubChem hält fest, dass D-Panthenol im Körper zu Pantothensäure umgesetzt wird.
Das erklärt, warum derselbe Stoff in ganz verschiedenen Zusammenhängen auftaucht. In Zutatenverzeichnissen kosmetischer Mittel steht er als «Panthenol», in Erzeugnissen der Lebensmittelbranche als D-Panthenol. Nach PubChem ist der Alkohol in flüssigen Zubereitungen die beständigere Form.
Wasserlöslich und empfindlich — eine Frage der Verarbeitung
Die freie Säure ist nach PubChem ein zähflüssiges, stark wasseranziehendes Öl. Sie löst sich sehr gut in Wasser; angegeben sind 1000 Milligramm je Milliliter. Zugleich vermerkt dieselbe Quelle: unbeständig, leicht zerstört durch Säuren, Basen und Hitze.
Beides zusammen bestimmt die Praxis. Verarbeitet wird deshalb meist nicht die freie Säure, sondern ihr Calciumsalz, das als Feststoff vorliegt und nach PubChem bei 170 bis 172 Grad Celsius schmilzt.
Für Lebensmittel folgt daraus zweierlei. Wasserlösliche Stoffe gehen in das Kochwasser über, und hitzeempfindliche Stoffe verändern sich beim langen Erhitzen. Die Menge im Rohstoff und die Menge im fertigen Gericht sind darum zwei verschiedene Grössen.
Was in der Schweiz gilt
Die Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel führt Pantothensäure in Anhang 1 Teil A. In der Spalte der für Erwachsene zugelassenen Höchstmengen steht dort «keine». Eine zahlenmässige Obergrenze ist für diesen Stoff also nicht festgelegt. Teil A ist zugleich abschliessend: Was dort als Vitamin oder Mineralstoff fehlt, darf nach Artikel 2 Absatz 3 Buchstabe a nicht zugesetzt werden.
Anhang 2 derselben Verordnung nennt die zulässigen Verbindungen:
- Calcium-D-pantothenat
- Natrium-D-pantothenat
- D-Panthenol
- Pantethin
Anhang 14 der Verordnung über die Information über Lebensmittel führt für Pantothensäure vier zugelassene gesundheitsbezogene Angaben. Ihr Wortlaut ist amtlich festgelegt und darf nicht abgewandelt werden:
- «Pantothensäure trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei.»
- «Pantothensäure trägt zu einer normalen Synthese und zu einem normalen Stoffwechsel von Steroidhormonen, Vitamin D und einigen Neurotransmittern bei.»
- «Pantothensäure trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.»
- «Pantothensäure trägt zu einer normalen geistigen Leistung bei.»
Alle vier stehen unter derselben Bedingung: Das Lebensmittel muss die Mindestanforderungen an eine Pantothensäurequelle nach Anhang 13 Ziffer 28 erfüllen. Bei einem Nahrungsergänzungsmittel heisst das mindestens 15 Prozent der Referenzmenge je Tagesdosis. Die Referenzmenge nach Anhang 10 beträgt 6 mg, die Schwelle liegt somit bei 0,9 mg. Zusätzlich ist der Gehalt in den Nährwertangaben zu deklarieren.
Diese Seite beschreibt die vier Angaben, sie führt sie nicht. Eine zugelassene Angabe darf nur für ein bestimmtes Erzeugnis verwendet werden, das die Bedingung nachweislich erfüllt und den Gehalt deklariert. Ein Glossareintrag ist keiner Ware zugeordnet.
Steckbrief
| Weitere Bezeichnung | Vitamin B5 |
| Stoffdaten | C9H17NO5, 219,23 g/mol, Säureamid aus Pantoinsäure und Beta-Alanin |
| Namensherkunft | griechisch pantothen, «von überall her» |
| Biochemische Einordnung | Baustein des Coenzym A, C21H36N7O16P3S |
| Beständigkeit | sehr gut wasserlöslich, unbeständig gegen Säuren, Basen und Hitze |
| Höchstmenge VNem | keine, Anhang 1 Teil A |
| Zugelassene Angaben | vier, LIV Anhang 14, ab 0,9 mg je Tagesdosis |
Häufige Fragen
Warum heisst der Stoff Pantothensäure?
Wegen seiner Verbreitung. Der Name kommt vom griechischen pantothen, «von überall her», und hält fest, dass die Erstbeschreiber die Substanz in sehr verschiedenen biologischen Proben fanden.
Ist Pantothensäure dasselbe wie Vitamin B5?
Ja, beide Bezeichnungen meinen denselben Stoff. Im Verordnungstext steht «Pantothensäure».
Was ist der Unterschied zwischen Pantothensäure und Panthenol?
Eine einzige Gruppe am Molekülende. Die Säure trägt dort eine Carboxylgruppe, das Panthenol eine Hydroxylgruppe. Der Schritt vom Alkohol zur Säure ist eine Oxidation.
Wie hoch ist die Höchstmenge in der Schweiz?
Es gibt keine. Anhang 1 Teil A der Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel nennt für Pantothensäure ausdrücklich «keine» Höchstmenge.
Welche Verbindungen sind zulässig?
Anhang 2 nennt Calcium-D-pantothenat, Natrium-D-pantothenat, D-Panthenol und Pantethin.
Warum steht auf dieser Seite keine der vier Angaben als Aussage?
Weil eine zugelassene Angabe an ein bestimmtes Erzeugnis gebunden ist. Sie setzt einen belegten Gehalt und eine Deklaration in den Nährwertangaben voraus, und beides kann ein Glossareintrag nicht leisten.
Quellen
- Williams RJ, Lyman CM, Goodyear GH, Truesdail JH, Holaday D. «Pantothenic Acid», a Growth Determinant of Universal Biological Occurrence. J Am Chem Soc. 1933;55(7):2912–2927. DOI: 10.1021/ja01334a049
- Leonardi R, Zhang YM, Rock CO, Jackowski S. Coenzyme A: back in action. Prog Lipid Res. 2005;44(2-3):125–153. DOI: 10.1016/j.plipres.2005.04.001, PMID: 15893380
- PubChem, National Library of Medicine: Pantothenic acid CID 6613, C9H17NO5, 219,23 g/mol — Löslichkeit, Beständigkeit; abgerufen 2026.
- PubChem, National Library of Medicine: Dexpanthenol CID 131204, C9H19NO4 — «the alcohol corresponding to pantothenic acid»; abgerufen 2026.
- PubChem, National Library of Medicine: Calcium D-pantothenate CID 443753, C18H32CaN2O10 — Schmelzpunkt; Coenzyme A CID 87642, C21H36N7O16P3S; abgerufen 2026.
- Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (VNem), SR 817.022.14, Art. 2 Abs. 3 Bst. a und Art. 3 Abs. 4 Bst. a; Anhang 1 Teil A — Pantothensäure, Höchstmenge «keine»; Anhang 2 — zulässige Verbindungen.
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV), SR 817.022.16, Anhang 14 — vier zugelassene Angaben zu Pantothensäure; Anhang 13 Ziffer 28 und Anhang 10 Teil A Ziffer 1 — Bedingung «Pantothensäurequelle», Referenzmenge 6 mg.
Redaktion Sanasis AG. Stoffdaten nach PubChem, Fachaussagen nach den zitierten Arbeiten, rechtliche Einordnung nach VNem und LIV im geprüften Wortlaut. Dieser Eintrag beschreibt einen Stoff und die Rechtslage; er ist keiner Ware zugeordnet und führt keine gesundheitsbezogene Angabe.