Ringelblume: Pflanze, Blüte und rechtliche Einordnung
Die Ringelblume (Calendula officinalis L.) ist ein einjähriger Korbblütler mit leuchtend gelben bis orangen Blütenköpfen. Verwendet werden die Blüten, meist getrocknet. Sie steht auf keiner Verbotsliste; für sie ist aber auch keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. In kosmetischen Mitteln ist der Blütenauszug ein gebräuchlicher Bestandteil.
Woher der Name kommt
Der deutsche Name geht auf die Früchte zurück: Sie sind gekrümmt bis eingerollt und erinnern an kleine Ringe oder Krallen. Der Gattungsname Calendula leitet sich vom lateinischen calendae ab, dem ersten Tag des Monats — ein Hinweis darauf, dass die Pflanze über viele Monate hinweg blüht.
Regional heisst sie auch Studentenblume, Totenblume oder Butterblume. Solche Volksnamen sind mehrdeutig und bezeichnen je nach Gegend ganz andere Arten; für eine eindeutige Bestimmung taugt allein der wissenschaftliche Name.
Aussehen und Blütenbau
Die Pflanze wird dreissig bis sechzig Zentimeter hoch, hat einen kantigen, behaarten Stängel und längliche, leicht klebrige Blätter. Auffällig ist der Blütenstand.
Was wie eine einzelne Blüte aussieht, ist ein Blütenkorb aus vielen Einzelblüten — das Bauprinzip der Korbblütler. Aussen sitzen die zungenförmigen Strahlenblüten, die den «Blütenblättern» entsprechen; innen die kleinen, röhrenförmigen Scheibenblüten. Für Rohstoffe wird zwischen dem ganzen Korb und den abgezupften Zungenblüten unterschieden.
Die Farbe reicht von hellgelb bis kräftig orange. Verantwortlich sind Carotinoide, dieselbe Farbstoffgruppe, die auch Karotten färbt.
Anbau und Ernte
Die Ringelblume ist genügsam und wird seit Langem in Gärten gezogen. Sie keimt schnell, blüht von Juni bis in den Herbst und sät sich selbst aus. In der Landwirtschaft wird sie als Zwischenfrucht und als Bienenweide geschätzt.
Geerntet wird an trockenen Tagen und bei voll geöffneten Körben. Getrocknet wird schonend im Schatten: Zu hohe Temperaturen und direktes Sonnenlicht bleichen die Carotinoide aus, und die Farbe ist bei diesem Rohstoff ein Qualitätsmerkmal.
Gefüllt oder ungefüllt
Zuchtsorten unterscheiden sich im Bau des Blütenkorbs. Bei ungefüllten Sorten sitzt ein Kranz Zungenblüten um eine deutlich sichtbare Scheibe. Bei gefüllten Sorten sind die Scheibenblüten weitgehend zu Zungenblüten umgebildet, der Korb wirkt dicht und ballförmig.
Für Rohstoffe werden meist gefüllte Sorten bevorzugt, weil sie je Korb mehr Zungenblüten liefern. Das ist eine Frage der Ausbeute, nicht der Qualität — und es erklärt, warum Handelsware oft anders aussieht als die Ringelblume im Bauerngarten.
Inhaltsstoffe
Beschrieben sind für die Blüten unter anderem Triterpensaponine, Triterpenalkohole, Flavonoide, Carotinoide und ein geringer Anteil ätherisches Öl. Die Mengen schwanken nach Sorte, Standort und Erntezeitpunkt.
Für die Verarbeitung wichtig ist die Löslichkeit: Ein Teil dieser Stoffe geht in Wasser über, ein anderer nur in Öl oder Alkohol. Deshalb unterscheidet man wässrige Auszüge, Ölauszüge und Tinkturen — sie enthalten nicht dasselbe.
Nicht verwechseln: Tagetes
Im Handel und in Gärten werden zwei ganz verschiedene Pflanzen gelegentlich vermengt. Die Ringelblume gehört zur Gattung Calendula. Die Studentenblume oder Tagetes gehört zur Gattung Tagetes und stammt aus Mittelamerika.
Beide sind Korbblütler mit gelb-orangen Köpfen, unterscheiden sich aber deutlich: Tagetes riecht kräftig und eigen, die Blätter sind fein gefiedert, und die Blütenköpfe sitzen meist einzeln auf verdickten Stielen. Die Ringelblume riecht schwach, hat ungeteilte Blätter und leicht klebrige Stängel.
Verwirrend ist, dass der Volksname «Studentenblume» regional für beide verwendet wird. Beim Rohstoffeinkauf entscheidet deshalb allein die wissenschaftliche Bezeichnung — Tagetes wird unter anderem als Quelle für Lutein genutzt und ist damit ein völlig anderer Warenstrom.
Geschichte und Verbreitung
Die Herkunft der Art ist nicht abschliessend geklärt. Vermutet wird der Mittelmeerraum; in reiner Wildform ist sie heute kaum noch anzutreffen, weil sie seit Jahrhunderten kultiviert wird und leicht verwildert.
In mitteleuropäischen Kräuter- und Bauerngärten ist sie seit dem Mittelalter beschrieben. Neben der Verwendung als Zierpflanze diente sie als Färbemittel: Die Zungenblüten geben eine gelbe Farbe an Wasser ab und wurden zum Färben von Speisen und Textilien genutzt — unter anderem als preiswerter Ersatz für Safran.
Heute wird sie in mehreren europäischen Ländern feldmässig angebaut, unter anderem in Osteuropa und auf dem Balkan.
Der rechtliche Rahmen
Calendula officinalis steht nicht in Anhang 1 der Verordnung des EDI über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft, Pilze und Speisesalz1 und ist auch in Anhang 1 der Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel2 nicht aufgeführt.
Für gesundheitsbezogene Angaben zählt Anhang 14 der Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel3; für die Ringelblume ist dort nichts verzeichnet.
In kosmetischen Mitteln ist der Blütenauszug unter Bezeichnungen wie Calendula Officinalis Flower Extract gebräuchlich. Auch dort ist die Aussage begrenzt: Artikel 53 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung zählt die zulässigen Wirkorte und Zwecke kosmetischer Mittel abschliessend auf. Aussagen zu Wunden, Entzündungen oder Krankheiten fallen nicht darunter — sie berühren das Heilmittelrecht, und zwar bereits beim blossen Anpreisen.
| Botanischer Name | Calendula officinalis L. |
| Familie | Asteraceae (Korbblütler) |
| Lebensform | einjährig, 30 bis 60 cm hoch |
| Verwendeter Teil | Blütenkorb oder nur die Zungenblüten |
| Farbstoffe | Carotinoide |
| Artdatenbank | GBIF usageKey 53914804 |
| Verbotsliste VLpH | kein Eintrag1 |
| Zugelassene Angabe | keine3 |
Häufige Fragen
Warum heisst sie Ringelblume?
Wegen der Früchte: Sie sind gekrümmt bis eingerollt und erinnern an kleine Ringe. Der Gattungsname Calendula spielt dagegen auf die lange Blühdauer an.
Ist der Blütenkorb eine einzelne Blüte?
Nein. Er besteht aus vielen Einzelblüten: aussen den zungenförmigen Strahlenblüten, innen den röhrenförmigen Scheibenblüten. Das ist das Bauprinzip aller Korbblütler.
Worin unterscheiden sich Ölauszug und Tinktur?
Im Lösungsmittel und damit im Inhalt. Ein Teil der Blüteninhaltsstoffe geht nur in Öl über, ein anderer nur in Alkohol oder Wasser. Die drei Zubereitungen enthalten deshalb nicht dasselbe.
Warum wird im Schatten getrocknet?
Weil Sonnenlicht und Hitze die Carotinoide ausbleichen. Bei diesem Rohstoff ist die Farbe ein Qualitätsmerkmal.
Was darf ein Kosmetikum mit Ringelblume über sich sagen?
Nur das, was Artikel 53 LGV zulässt — die dort genannten Wirkorte und Zwecke sind abschliessend. Aussagen über Wunden, Entzündungen oder Krankheiten gehören nicht dazu.
Redaktionell verfasst und geprüft durch die Redaktion der Sanasis AG. Zuletzt geprüft am 12.08.2026.
Quellen
- Verordnung des EDI über Lebensmittel pflanzlicher Herkunft, Pilze und Speisesalz, Anhang 1 — SR 817.022.17 ↩
- Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel, Anhang 1 — SR 817.022.14 ↩
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel, Anhang 14 — SR 817.022.16 ↩
- Global Biodiversity Information Facility, Artdatensatz Calendula officinalis — GBIF usageKey 5391480 ↩