Rotklee: Pflanze, Isoflavone und Höchstmenge
Rotklee (Trifolium pratense L.) ist ein Schmetterlingsblütler und eine der wichtigsten Futterpflanzen Europas. Für Nahrungsergänzungsmittel zählt vor allem der Gehalt an Isoflavonen. Diese sind in der Schweiz ausdrücklich geregelt: Anhang 1 Teil B der Nahrungsergänzungsmittelverordnung setzt eine Höchstmenge von 50 mg je Tagesportion fest, bezogen auf das Aglykon.
Die Pflanze
Rotklee ist eine mehrjährige, aufrecht bis aufsteigend wachsende Staude von zwanzig bis sechzig Zentimetern Höhe. Die Blätter sind dreizählig — daher der Gattungsname Trifolium, «Dreiblatt» — und tragen häufig einen helleren, V-förmigen Fleck.
Die Blüten stehen in dichten, kugeligen bis eiförmigen Köpfchen und sind purpurrot bis rosa. Sie sitzen unmittelbar über zwei Hochblättern. Weil die Kronröhre lang ist, kommen vor allem Hummeln an den Nektar; für die Bestäubung sind sie deshalb wichtiger als Honigbienen.
Wie alle Schmetterlingsblütler lebt Rotklee in Gemeinschaft mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln. Diese binden Stickstoff aus der Luft, was die Pflanze für den Ackerbau wertvoll macht: Sie reichert den Boden an, statt ihn auszuzehren.
Isoflavone — was sie sind
Isoflavone sind eine Untergruppe der Flavonoide. Rotklee enthält vor allem Formononetin und Biochanin A, daneben Daidzein und Genistein. Sie werden zu den Phytoöstrogenen gezählt, weil ihr Molekülbau dem körpereigener Östrogene ähnelt.
In der Pflanze liegen sie überwiegend gebunden vor, als Glykoside mit angehängtem Zucker. Der zuckerfreie Grundkörper heisst Aglykon. Diese Unterscheidung ist hier nicht akademisch, sondern der Kern der Mengenregel.
Die Höchstmenge und ihre Bezugsgrösse
Anhang 1 Teil B der Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel1 führt den Eintrag «Isoflavone — 50 mg (bezogen auf das Aglykon)». Die Menge gilt je empfohlener täglicher Verzehrsmenge.
Der Zusatz in Klammern entscheidet über die Rechnung. Gemeint ist nicht die Extraktmenge und nicht das Glykosid, sondern der zuckerfreie Grundkörper. Weil ein Glykosid schwerer wiegt als sein Aglykon, ergäbe eine Rechnung mit der falschen Bezugsgrösse einen zu hohen oder zu niedrigen Wert — dieselbe Falle wie bei Quercetin und seinem Glykosid Rutin.
Anhang 2 derselben Verordnung nennt als zulässige Verbindung ausdrücklich «Isoflavone aus Soja- oder aus Rotkleeextrakten».1 Der Zusatz ist damit geregelt und zulässig.
Warum trotzdem keine Wirkaussage möglich ist
Dass ein Stoff zugesetzt werden darf, sagt nichts darüber, was über ihn behauptet werden darf. Das sind zwei getrennte Regelwerke, die im Reset immer wieder auseinanderlaufen.
Für gesundheitsbezogene Angaben ist allein Anhang 14 der Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel2 massgeblich. Für Rotklee und für Isoflavone ist dort kein Wortlaut verzeichnet. Aussagen zu Wechseljahren, Hormonhaushalt oder Knochen sind deshalb unzulässig — auch als Umschreibung.
Abgrenzung zu ähnlichen Kleearten
Die Gattung Trifolium umfasst mehrere hundert Arten. Drei begegnen im Feld regelmässig nebeneinander und sind auseinanderzuhalten:
- Rotklee (Trifolium pratense) — aufrecht, purpurrote Köpfchen, Blätter oft mit hellem Fleck.
- Weissklee (Trifolium repens) — kriechend mit Ausläufern, weisse Köpfchen auf langen, blattlosen Stielen.
- Schwedenklee (Trifolium hybridum) — aufrecht, Köpfchen weiss bis rosa, ohne Blattfleck.
Der Isoflavongehalt ist zwischen den Arten nicht übertragbar. Für einen Rohstoff zählt die Artbestimmung, nicht die Farbe der Blüte.
Nicht verwechseln: Steinklee
Weiter entfernt, aber im Namen ähnlich, steht der Steinklee (Melilotus). Er gehört einer anderen Gattung an und ist an den langen, schmalen Blütentrauben zu erkennen — nicht an kugeligen Köpfchen.
Für ihn gilt ein eigener rechtlicher Gesichtspunkt: Steinklee enthält Cumarin, und beim Trocknen oder bei Verderb können daraus weitere Verbindungen entstehen. Cumarin ist im Schweizer Aromenrecht mit Höchstmengen geregelt. Für Rotklee spielt das keine Rolle — die Verwechslung im Rohstoffeinkauf hätte aber rechtliche Folgen.
Verwendung in der Landwirtschaft
Der weitaus grösste Teil des angebauten Rotklees geht in die Fütterung. Er wird als Grünfutter, Heu oder Silage genutzt und in Kleegras-Mischungen mit Gräsern angebaut. In der Fruchtfolge dient er als Vorfrucht, weil er über die Knöllchenbakterien Stickstoff im Boden hinterlässt.
Für Rohstoffe zur Extraktion wird gezielt das blühende Kraut geerntet und getrocknet. Der Isoflavongehalt schwankt nach Sorte, Schnittzeitpunkt und Standort erheblich — ein Grund, weshalb Extrakte auf einen Gehalt eingestellt werden.
Der Schnittzeitpunkt ist dabei die grösste Stellschraube. Geerntet wird üblicherweise zu Blühbeginn; später sinkt der Blattanteil zugunsten der Stängel, und mit ihm verschiebt sich das Verhältnis der Inhaltsstoffe. Ohne Angabe des Erntestadiums ist eine Gehaltsangabe deshalb nur begrenzt aussagekräftig.
| Botanischer Name | Trifolium pratense L. |
| Familie | Fabaceae (Schmetterlingsblütler) |
| Verwendeter Teil | blühendes Kraut |
| Isoflavone | Formononetin, Biochanin A, Daidzein, Genistein |
| Höchstmenge | 50 mg je Tagesportion, bezogen auf das Aglykon |
| Zulässige Verbindung | Isoflavone aus Soja- oder Rotkleeextrakten (Anhang 2)1 |
| Artdatenbank | GBIF usageKey 83241213 |
| Zugelassene Angabe | keine |
Häufige Fragen
Wie viel Isoflavone darf ein Nahrungsergänzungsmittel enthalten?
Höchstens 50 mg je empfohlener täglicher Verzehrsmenge, bezogen auf das Aglykon. Der Wert steht in Anhang 1 Teil B der Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel.1
Was bedeutet «bezogen auf das Aglykon»?
Dass der zuckerfreie Grundkörper gezählt wird, nicht das Glykosid mit seinem Zuckerrest und nicht die Extraktmenge. Weil das Glykosid schwerer wiegt, führt die falsche Bezugsgrösse zu einem falschen Ergebnis.
Sind Isoflavone aus Rotklee überhaupt zulässig?
Ja. Anhang 2 der Verordnung nennt «Isoflavone aus Soja- oder aus Rotkleeextrakten» ausdrücklich als zulässige Verbindung. Die Höchstmenge von 50 mg ist dabei einzuhalten.
Warum steht hier trotzdem keine Wirkaussage?
Weil Zusatz und Aussage getrennt geregelt sind. Für Rotklee und Isoflavone führt Anhang 14 keinen zugelassenen Wortlaut.2 Ohne einen solchen ist jede Wirkaussage unzulässig.
Warum ist Rotklee in der Landwirtschaft so verbreitet?
Weil er über Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft bindet und im Boden hinterlässt. Als Futterpflanze und als Vorfrucht ist er dadurch doppelt nützlich.
Redaktionell verfasst und geprüft durch die Redaktion der Sanasis AG. Zuletzt geprüft am 12.08.2026.
Quellen
- Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (SR 817.022.14), Anhang 1 Teil B und Anhang 2 — SR 817.022.14 ↩
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (SR 817.022.16), Anhang 14 — SR 817.022.16 ↩
- Artdatenbank Trifolium pratense L. — GBIF usageKey 8324121 ↩