Zitronenbalsam
Zitronenbalsam ist eine Übersetzung des englischen Pflanzennamens «lemon balm». Gemeint ist damit die Zitronenmelisse (Melissa officinalis L.), ein mehrjähriges Kraut aus der Familie der Lippenblütler. Im deutschen Sprachraum heisst die Pflanze Zitronenmelisse oder kurz Melisse; «Zitronenbalsam» ist im Fachschrifttum nicht gebräuchlich. Verwendet werden die Blätter, deren zitronenartiger Duft beim Zerreiben freigesetzt wird.
Ein Name, der aus dem Englischen stammt
Im Englischen heisst die Pflanze «lemon balm». Wird dieser Name Wort für Wort übertragen, entsteht «Zitronenbalsam». Der Begriff taucht deshalb vor allem in übersetzten Texten und in Katalogen auf, nicht in botanischen Werken.
Wer sicher gehen will, hält sich an den wissenschaftlichen Namen. Melissa officinalis L. ist eindeutig; er ist im Artenverzeichnis der Global Biodiversity Information Facility als anerkannter Name geführt.1 Deutsche und englische Trivialnamen sind es nicht: «balm» bezeichnet im Englischen auch andere Lippenblütler.
Die Pflanze
Die Zitronenmelisse gehört zu den Lippenblütlern (Lamiaceae), wie Minze, Salbei und Thymian. Sie wächst mehrjährig aus einem Wurzelstock, treibt vierkantige Stängel und wird je nach Standort etwa 30 bis 90 Zentimeter hoch.
Die Blätter stehen sich paarweise gegenüber, sind gezähnt und leicht runzlig. Ihre Oberfläche trägt Drüsenhaare, in denen das ätherische Öl gebildet wird. Erst wenn diese Haare beim Zerreiben aufbrechen, tritt der Duft hervor.
Die Blüten sind klein und weisslich bis blassgelb. Sie sind bei Bienen beliebt, und darauf geht auch der Gattungsname zurück: mélissa ist das griechische Wort für Honigbiene. Ihre Heimat hat die Art im östlichen Mittelmeerraum; in Mitteleuropa wächst sie in Gärten und verwildert von dort.
Woher der Zitronenton kommt
Der Duft stammt aus dem ätherischen Öl der Blätter. Sein Anteil ist gering; die Melisse liefert deutlich weniger ätherisches Öl als etwa Pfefferminze. Prägend sind zwei Stoffgruppen: das Citral und das Citronellal.2
Citral ist kein einzelner Stoff, sondern ein Paar sehr ähnlicher Verbindungen. Sie heissen Geranial und Neral und unterscheiden sich nur in der räumlichen Anordnung um eine Doppelbindung. Beide riechen zitronig — dieselben Verbindungen prägen auch das Aroma des Zitronengrases.
Neben dem ätherischen Öl enthält das Blatt wasserlösliche Pflanzenstoffe, allen voran die Rosmarinsäure. Sie ist für Lippenblütler kennzeichnend und wird in der Züchtung und im Anbau als Kenngrösse verwendet.2
Ähnliche Namen im Garten
Das Wort «Melisse» steckt auch in Namen anderer Pflanzen. Die Goldmelisse (Monarda didyma) ist ein nordamerikanischer Lippenblütler und heisst im Englischen «bee balm» — wieder ein «balm», aber eine andere Gattung. Ihre Blüten sind auffällig rot, die der Zitronenmelisse dagegen unscheinbar.
Auch die Katzenminze (Nepeta cataria) wird verwechselt, zumal es zitronig duftende Sorten von ihr gibt. Einen ähnlichen Duft liefern ferner Zitronenthymian und Zitronenverbene (Aloysia citrodora), die aus ganz anderen Verwandtschaftskreisen stammen. Im Einkauf lohnt sich deshalb der Blick auf den wissenschaftlichen Namen.
Anbau, Schnitt und Trocknung
Die Melisse ist anspruchslos. Sie mag durchlässigen Boden, Sonne bis Halbschatten und verträgt Trockenheit schlecht. Im Garten breitet sie sich über Ausläufer und Selbstaussaat aus.
Geschnitten wird vor der Blüte, weil die Blätter dann am aromatischsten sind. Meist sind zwei Schnitte je Saison möglich. Der zweite fällt schwächer aus: Göre und Mitarbeitende beobachteten 2026 im Feldversuch, dass der Ölgehalt vom ersten zum zweiten Schnitt um rund die Hälfte zurückging.3 Auch Sorte und Düngung veränderten Ertrag und Rosmarinsäuregehalt deutlich.3
Beim Trocknen ist Zurückhaltung nötig. Ätherisches Öl ist flüchtig, deshalb wird schattig und bei niedriger Temperatur getrocknet. Zu warme Luft nimmt dem Kraut den Duft, zu langsames Trocknen lässt die Blätter braun werden.
Verwendung in Küche und Handel
In der Küche ist die Melisse ein Frischkraut. Sie kommt in Aufgüsse, in Sirup, an Obstsalat, in Sommergetränke und an Fisch. Mitgekocht verliert sie ihr Aroma, deshalb wird sie erst am Schluss zugegeben.
Im Handel gibt es getrocknetes Kraut, Teemischungen, Extrakte und ätherisches Öl. Echtes Melissenöl ist teuer, weil das Kraut wenig davon liefert. Günstige Ware trägt deshalb oft Öl aus anderen citralhaltigen Pflanzen, etwa aus Zitronengras.
Steckbrief
| Art | Melissa officinalis L. |
| Deutscher Name | Zitronenmelisse; «Zitronenbalsam» ist die Übersetzung von «lemon balm» |
| Familie | Lamiaceae (Lippenblütler) |
| Verwendeter Teil | Blätter, frisch oder getrocknet |
| Duftgebende Stoffe | Geranial und Neral (zusammen Citral), Citronellal PubChem CID 77942 |
| Kennzeichnender Pflanzenstoff | Rosmarinsäure, PubChem CID 52817922 |
| Artdatenbank | GBIF usageKey 53415011 |
| Zugelassene Angabe | für Zitronenmelisse keine — Anhang 14 der Informationsverordnung führt keinen Eintrag4 |
Fragen und Antworten
Ist Zitronenbalsam dasselbe wie Zitronenmelisse?
Ja. Beide Namen bezeichnen Melissa officinalis L. «Zitronenbalsam» entsteht durch die wörtliche Übersetzung des englischen «lemon balm»; im Deutschen ist Zitronenmelisse der gebräuchliche Name.
Ist die Melisse mit der Zitrone verwandt?
Nein. Die Zitrone ist ein Baum aus der Familie der Rautengewächse, die Melisse ein Kraut aus der Familie der Lippenblütler. Gemeinsam ist beiden nur ein Teil der duftenden Verbindungen.
Wann wird Melisse geerntet?
Vor der Blüte, an einem trockenen Tag. Die Pflanze treibt danach neu aus, sodass im Jahr meist ein zweiter Schnitt möglich ist.
Wächst Melisse auch im Topf?
Ja, sofern der Topf gross genug ist und regelmässig gegossen wird. Die Pflanze wurzelt kräftig und trocknet in kleinen Gefässen rasch aus. Im Beet dagegen breitet sie sich über Ausläufer aus.
Warum riecht getrocknete Melisse schwächer?
Weil das ätherische Öl beim Trocknen und Lagern entweicht. Schonende Trocknung im Schatten, dichte Gefässe und kurze Lagerzeiten halten den Duft am besten.
Gibt es für Zitronenmelisse eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe?
Nein. Anhang 14 der Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel enthält für diese Pflanze keinen Wortlaut. Damit darf für sie keine gesundheitsbezogene Angabe verwendet werden.4
Quellen
- Global Biodiversity Information Facility, Artdatensatz Melissa officinalis — GBIF usageKey 5341501 ↩
- PubChem, Stoffdatensätze Citronellal und Rosmarinsäure — PubChem CID 7794 und PubChem CID 5281792 ↩
- Göre und Mitarbeitende, 2026, zu Düngung, Ertrag und Rosmarinsäuregehalt im Feldanbau der Melisse — DOI 10.3389/fpls.2026.1845091, PMID 42179515 ↩
- Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel, Anhang 14 — SR 817.022.16 ↩
Redaktionell verfasst und geprüft durch die Redaktion der Sanasis AG. Zuletzt geprüft am 13.08.2026.