OPC: ein Sammelname für Ketten aus Flavanolen
Oligomere Proanthocyanidine, abgekürzt OPC, sind pflanzliche Verbindungen aus mehreren miteinander verknüpften Flavanol-Bausteinen. «Oligomer» kommt aus dem Griechischen und bedeutet «aus wenigen Teilen». OPC bezeichnet damit keine einzelne Substanz, sondern eine Gruppe.
Diese Kategorieseite beschreibt den Stoff und die Rechtslage. Die Rezepturen stehen auf den Produktseiten. Eine gesundheitsbezogene Angabe wird hier nicht geführt — für OPC ist keine zugelassen.
Der Baustein: ein Flavanol
Am Anfang steht ein einzelnes Molekül, ein sogenanntes Flavanol. Die bekanntesten Vertreter heissen Catechin und Epicatechin. Beide bestehen aus drei Ringen und tragen mehrere Hydroxylgruppen, also Sauerstoff-Wasserstoff-Paare. Solche Einzelmoleküle nennt man Monomere, von griechisch «ein Teil».
Verknüpfen sich zwei oder mehr dieser Bausteine, entsteht eine Kette. Die Zahl der Bausteine heisst Verknüpfungsgrad. Zwei Einheiten ergeben ein Dimer, drei ein Trimer, vier ein Tetramer. Für den Bereich weniger Einheiten steht der Sammelbegriff Oligomer. Wächst die Kette weiter, spricht man von Polymeren; in der Lebensmittelkunde heissen diese langen Ketten kondensierte Gerbstoffe oder Tannine. Sie sind es, die einen unreifen Apfel oder einen jungen Rotwein pelzig schmecken lassen.
Warum «OPC» kein einheitlicher Stoff ist
Ein Reinstoff hat eine Summenformel und eine Molmasse. OPC hat beides nicht, denn hinter der Abkürzung steht ein Gemisch. Es unterscheidet sich in drei Punkten: in der Zahl der Bausteine, in der Art der Verknüpfung zwischen ihnen und darin, ob einzelne Bausteine zusätzlich mit Gallussäure verestert sind.
Daraus folgt etwas Praktisches. Zwei Deklarationen mit derselben Milligrammzahl können unterschiedlich zusammengesetzt sein, und der ausgewiesene Wert hängt am Analyseverfahren. Wo verschiedene Verfahren nebeneinander verwendet werden, sind die Zahlen nicht ohne Weiteres vergleichbar. Auch die Abkürzung selbst wird uneinheitlich gebraucht: Manche Definitionen zählen Monomere mit, andere setzen erst beim Dimer an.
Woher die Handelsware stammt
Proanthocyanidine kommen in vielen Pflanzenteilen vor, besonders in Samenschalen, Rinden und Fruchthäuten. Für die Gewinnung im industriellen Massstab zählen zwei Ausgangsstoffe. Traubenkerne fallen bei der Weinbereitung in grossen Mengen als Nebenprodukt an; sie werden getrocknet, entölt, gemahlen und mit Wasser oder Ethanol extrahiert. Pinienrinde ist die zweite verbreitete Quelle, gewonnen aus der Rinde der Strandkiefer.
Der Name «Proanthocyanidin» stammt aus dem Labor. Erhitzt man die Verbindungen in saurer Lösung, entstehen rote Anthocyanidine — also Farbstoffe, wie sie auch in roten Beeren vorkommen. Der Nachweis über diese Farbreaktion gab der Stoffgruppe ihren Namen: Vorstufe eines Anthocyanidins.
Bitter und pelzig: eine Frage der Kettenlänge
Der Geschmack folgt dem Verknüpfungsgrad, und zwar ziemlich regelmässig. Kurze Ketten schmecken bitter. Längere Ketten binden im Mund an die Eiweisse des Speichels, die sonst für den gleitenden Film auf der Schleimhaut sorgen. Fällt dieser Film aus, entsteht das raue, pelzige Gefühl, das Fachleute Adstringenz nennen.
Deshalb gehören Traubenkerne und Fruchthäute im Weinbau zu den Bausteinen des Mundgefühls, nicht zu denen des Aromas. Und deshalb tragen konzentrierte Zubereitungen einen deutlichen Eigengeschmack, der sich technisch kaum wegnehmen lässt.
Proanthocyanidine kommen in vielen Lebensmitteln vor: in roten Trauben, in Äpfeln, in Beeren wie Heidel- und Preiselbeeren, in Kakao und in den braunen Häutchen von Nüssen. Der Gehalt schwankt dabei erheblich, mit Sorte, Reifegrad, Standort und Erntejahr.
Was die Verordnung festlegt
Die Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (SR 817.022.14) führt OPC an zwei Stellen. Anhang 1 Teil B nennt eine Höchstmenge und einen Hinweis, Anhang 2 nennt die zulässige Verbindung.
| Höchstmenge, Anhang 1 Teil B | 150 mg je empfohlener täglicher Verzehrsmenge |
| Vorgeschriebener Hinweis | «Ein Produkt mit OPC ersetzt eine Ernährung mit frischem Obst und Gemüse nicht.» |
| Zulässige Verbindung, Anhang 2 | «Oligomere Proanthocyanidine (OPC) aus Trauben oder Pinienrinde» |
| Zugelassene gesundheitsbezogene Angabe | keine — Anhang 14 LIV führt für OPC keinen Eintrag |
Drei Punkte verdienen eine Erläuterung. Erstens bezieht sich die Höchstmenge auf die Tagesmenge, nicht auf die einzelne Kapsel; massgeblich ist immer die Verzehrsempfehlung des Erzeugnisses. Zweitens ist der Hinweis wortgetreu zu führen, eine sinngemässe Umschreibung genügt nicht. Drittens ist die Aufzählung in Anhang 2 eine Rechtsangabe zur Herkunft und keine Aussage über Güte.
Weil Anhang 14 der Lebensmittelinformationsverordnung (SR 817.022.16) für OPC keinen Eintrag enthält, ist jede Verknüpfung dieses Stoffs mit einer Körperfunktion unzulässig. Das gilt auch für abgeschwächte Formulierungen. Deshalb finden Sie auf dieser Seite keine Aussage darüber, was OPC im Körper tut.
Die Erzeugnisse dieser Kategorie
Drei Erzeugnisse führen wir in dieser Kategorie: OPC forte mit Traubenkernextrakt in magensaftresistenten Kapseln, OPC Apfelgold auf Grundlage eines Apfelextrakts und Liposomales OPC plus in flüssiger Form. Welche Ausgangspflanze ein Erzeugnis führt und welche Menge auf die Tagesportion entfällt, steht jeweils in der Zutatenliste und in der Verzehrsempfehlung im separaten Feld unterhalb des Produkttextes.
Pflichthinweise
- Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.
- Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrsmenge darf nicht überschritten werden.
- Ausserhalb der Reichweite von kleinen Kindern aufbewahren.
- Ein Produkt mit OPC ersetzt eine Ernährung mit frischem Obst und Gemüse nicht.
Redaktion Sanasis AG · zuletzt geprüft am 12.08.2026. Diese Seite beschreibt den Stoff und die Rechtslage und führt keine gesundheitsbezogene Angabe.